Autor: Stilvolles Schneckentempo - EIN BLOG FÜR LANGSAME
Ich bin Ärztin und medizinische Fachschullehrerin im „broterwerblich“-beruflichen Ruhe- und Freiheitsstand. Ich habe vor allem Schüler in den Ausbildungsbereichen HEILPÄDAGOGIK, HEILERZIEHUNGSPFLEGE, GESUNDHEITS- und KRANKENPFLEGE unterrichtet.
V.a. PSYCHIATRISCHE und NEUROLOGISCHE Themen.
Sie finden hier alle meine ARBEITSBLÄTTER und UNTERRICHTSVORLAGEN – sofern sie ausschließlich von mir entwickelt wurden. Sie können von Ihnen einfach so benutzt werden. Ich freue mich, wenn sie noch Verwendung finden. Ich benötige sie nicht mehr.
Außerdem habe ich jetzt Zeit, über mein Leben zu sinnieren – über mein Gestern, mein Heute, mein Morgen.
Vielleicht ist es auch für Besucher meiner Seite ein Impuls zum Nachdenken und Antworten:
Woher kommst Du? Wer bist Du? Wohin gehst Du ?
Ein Status epilepticus bedeutet, dass viele Grand mal-Anfälle hintereinander erfolgen, ohne dass das Bewusstsein wiedererlangt wird. Manche Klienten können stundenlang krampfen.
Bei einem Grand mal kommt es zu wiederholten zentralen Atemstillständen. Bei einem kurzen Grand mal ist dies nicht weiter gefährlich, aber bei vielen Grand mal-Anfällen hintereinander über eine längere Zeit hinweg entsteht ein gravierender Sauerstoffmangel im Gehirn.
Es entstehen hypoxische Gewebsnekrosen (hypoxisch = durch Sauerstoffmangel bedingt, Nekrosen = abgestorbenes, totes Gewebe). Die Letalität (Sterblichkeit) durch einen Status epilepticus ist trotz guter medizinischer Betreuung sehr hoch (ca. 10%).
Ein Grand-Mal-Anfall, der länger als 5 Minuten andauert, gilt als Status epilepticus.
Andere epileptische Anfälle können auch zu einem Status epilepticus „ausarten“. Dieser ist bei weitem aber nicht so gefährlich, da es zu keinem Atemstillstand kommt.
2 – Unfälle jeglicher Art
Da manche epileptische Anfälle mit Bewußtlosigkeit einhergehen, kann es in diesem Zustand zu Unfällen kommen. Zum Beispiel fällt der Klient zu Boden und bekommt ein Schädel-Hirn-Trauma, weil er hart mit dem Kopf gegen die Tischkante fällt.
Besonders unfallgefährdet sind Menschen im Grand-Mal. Gut ist es, wenn sie bewusst eine Aura erleben. Dann können sie sich in Sicherheit bringen, z.B. sich auf den Fußboden legen.
Wie Sie gesehen haben, gibt es unzählige Anfallstypen außer dem Grand-Mal. Aber bei jedem Anfallstyp kann die Möglichkeit bestehen, dass sich ein Grand-Mal entwickelt. Aus diesem Grunde sollten auch „harmlose“ Anfälle – z.B. ein sensibler fokaler Anfall im rechten Armbereich mit Missempfindungen wie Ameisenlaufen – medikamentös behandelt werden.
Also: Ein „normaler“ Grand-Mal ist an sich nicht gefährlich, aber ein schwerer Unfall durch das Hinstürzen.
Es kann bei Epileptikern zu psychischen Auffälligkeiten kommen. (Muss aber nicht unbedingt.) Die können sehr vielfältig sein. Es können 2 große Gruppen auftreten: 1. exogene Psychosen (Erläuterung siehe unten) 2. reaktive Störungen (Erläuterung siehe unten)
In mancher Literatur wird noch von einer 3. Gruppe gesprochen, der 3. Wesensveränderung.
Dies ist aber sehr umstritten. Bei seltenem Anfallsauftritt ist dies auf jeden Fall nicht zu beobachten, v.a. wenn es sich nicht um große Anfälle handelt. Man könnte sich aber vorstellen, wenn jemand sein Leben lang sehr häufig länger anhaltende Grand-mal-Anfälle hat, dass sich der Sauerstoffmangel im Gehirn summiert und doch viele Nervenzellen untergehen und sich der Mensch verändert im Sinne von Umständlichkeit, Schwerfälligkeit, Verlangsamung, Haftenbleiben von Gedanken (also immer bei einem Thema bleiben). Es könnte aber auch sein, dass die die Epilepsie hervorrufende ursprüngliche Orginalschädigung des Gehirn dafür verantwortlich ist. Also: hin und wieder epileptische Anfälle schaden dem Gehirn nicht!!!!
1 – Exogene Psychosen
Psychosen sind schwere psychische Störungen, bei denen der Realitätsbezug des Klienten gestört ist. D.h., die Klienten haben ihre eigene private Realität, sie befinden sich auf einer anderen Realitätsebene als die so genannten „normalen“ Menschen. Sie sind also im wörtlichen Sinne „ver-rückt“. Da ihre Realität anders als unsere ist, kommt es häufig zu Kommunikationsstörungen, weil wir sie nicht verstehen und sie uns nicht. Exogene Psychosen sind Psychosen, die auftreten, weil das Gehirn in irgendeiner Weise gestört ist. Es ist also hirnorganisch „etwas nicht in Ordnung“, z.B. wenn Sie zuviel Alkohol trinken, haben Sie einen Rauschzustand und haben damit eine exogene Psychose. Auch wenn Sie dement werden, haben Sie Psychosen, weil das Gehirn zerstört wird. Und da bei jeder Epilepsie eine Hirnschädigung – und sei sie noch so klein – oder eine funktionale Hirnstörung vorliegt, können Klienten eine Psychose bekommen. „Exogen“ bedeutet hier nicht „von außen“, sondern es entsteht eine Störung durch „etwas, was da nicht hingehört“, z.B. Tumor, Durchblutungsstörung, FKH…).
Wann treten sie auf?
Sie können zu jeder Zeit auftreten, einfach so. Manche exogene Psychosen treten innerhalb der Aura auf (z.B. Geräusche hören, Lichtblitze sehen, manische oder depressive Verstimmungen).
Sie können aber auch nach einem Anfall auftreten (z.B. Dämmerzustände).
Oder sie kommen als Alternativpsychose vor. Diese kann man hin und wieder beobachten bei Klienten, die lange Zeit keinen epileptischen Anfall hatten und bei denen es aber „üblich“ war, in bestimmten Zeitabständen Anfälle zu bekommen. Stattdessen werden sie psychotisch. Meistens beendet der nächste epileptische Anfall diese Psychose. (Diese – auch schon in der früheren Psychiatrie – Beobachtung war die Geburtsstunde der umstrittenen Elektrokrampfbehandlung (EKB): Die elektrische Aktivität im Gehirn wird erhöht, ein generalisierter großer epileptischer Anfall ausgelöst und die psychische Ausnahmesituation „verschwindet“. Wie das genau funktioniert, ist bis heute noch nicht richtig geklärt.
Dämmerzustände
Der Klient „fällt“ in einen Dämmerzustand, es „passiert“ also relativ schnell. Am Ende verschwindet er oft allmählicher, bei manchen aber auch zeitlich scharf begrenzt. Die Dauer ist sehr unterschiedlich, Minuten bis selten Stunden.
Das Bewusstsein ist eingeengt auf ganz wenige äußere Dinge. Man nimmt die Welt wie mit einem „Tunnelblick“ wahr. Alles andere wird ausgeblendet. Deshalb reagieren die Klienten auch nicht auf Ansprache bzw. nicht adäquat. Sie sind desorientiert.
Das Bewusstsein kann evt. getrübt (leichte Benommenheit) sein, muss aber nicht.
Das Verhalten des Klienten kann geordnet sein, die Umwelt bekommt gar nicht mit, dass sich der Klient in einem Dämmerzustand befindet. Oft werden aber unbesonnene, sinnlose Handlungen ausgeführt, z.B. wie das Wasser aus der Vase kippen, Kämmbewegungen, lachen, schmatzen, Kampfbewegungen ausführen…
Es können illusionäre Verkennungen (Dinge werden anders als in der Realität wahrgenommen, z.B. aus Ästen werden lange Finger, aus Wolken Ungeheuer, aus dem Heilpädagogen die Mutter) und Halluzinationen (Sinnestäuschungen ohne jeglichen realen Hintergrund) auftreten.
Wenn der Klient aus dem Dämmerzustand herausgekommen ist, hat er eine Amnesie (Erinnerungslücke) für diesen. Seltener kann er sich an kleine Bruchstücke erinnern.
Durchgangssyndrome
Bei Durchgangssyndromen haben die Klienten psychische Auffälligkeiten, die vorübergehend sind, also „durchgehen“ und dann wieder – mehr oder weniger schnell – weg sind. Sie weisen immer auf eine Hirnfunktionsstörung hin. Meistens bedeutet dieser psychische Zustand, dass die Klienten wach und nicht benommen sind. Sie haben also keine quantitative Bewusstseinsstörung. In der Praxis und auch in manchen Lehrbüchern wird sich allerdings nicht so streng an diese Definition gehalten.
o Paranoid-halluzinatorische Psychosen
Hier haben die Klienten v.a. Sinnestäuschungen und Wahnidee. Wahnideen sind inhaltliche Denkstörungen, an denen der Klient unkorrigierbar festhält. Sie können einfach so in die Gedanken des Klienten kommen ohne realen Hintergrund (= Wahneinfälle). Oder die Klienten deuten etwas aus der Realität wahnhaft – d.h. nicht der Realität entsprechend – um (= Wahnwahrnehmungen)
o Halluzinatorische Psychosen mit Geruchs- und Geschmackssinnes- täuschungen
o Depressive Psychosen
Hier liegt vor allem eine hoffnungslose, resignierte Stimmung vor mit verlangsamten Denken (=Denkhemmung) und vermindertem Antrieb.
o Manische Psychosen
Die Stimmung der Klienten ist unangemessen euphorisch, der Antrieb gesteigert.
o De`ja-vu-Erlebnisse
Frz. „schon gesehen“, ist eine Erinnerungsfälschung, eine qualitative Gedächtnisstörung, die bei gesunden Menschen mal auftreten kann, bei Epileptikern aber gehäuft. Dem Klienten kommen Situationen bekannt vor.
2 – Reaktive Störungen
Reaktive Störungen können bei allen als Belastung erlebte Ereignisse auftreten. Sie sind psychische Auffälligkeiten, die auftreten können als Reaktion auf das belastende Erlebniss. So wird vielleicht ein Mensch mit der Diagnose „Epilepsie“ nicht fertig. Oder er fühlt sich von der Umwelt mit dieser Erkrankung geächtet oder ausgegrenzt, fühlt sich vielleicht nicht vollwertig. Es können auftreten
– Depressive oder gereizte Verstimmungen
– Alkoholmissbrauch
– Selbstisolierung
– Erhöhte Suizidrate im Vergleich zur „Normal“bevölkerung.
Es gibt sehr viele Anfallsformen und viele Einteilungsmöglichkeiten.
Ich lehne mich an den Vorschlag der Internationalen Liga gegen Epilepsie www.ilae.org an und vereinfache etwas.
Es gibt aber auch viele Anfälle, die man nicht „ordentlich“ einteilen kann.
Die gesamte Hirnrinde und z.T. tiefere Schichten haben eine erhöhte elektrische Aktivität.
2. Partielle oder fokale Anfälle (partiell = teilweise, fokal = von einem Herd ausgehend):
Foto: Aleksandr Slobodianyk von Pexels.com
Die elektrische Aktivität ist in einem mehr oder weniger großen Abschnitt des Gehirns – meist Hirnrinde – erhöht. Von diesen Gehirnabschnitten kann es aber zu jeder Zeit zu einer sekundären Generalisierung kommen. Muss aber nicht. Das bedeutet, dass von einem Herd aus sich – so wie die Wellen um einen in den See geworfenen Stein – die Entladung von Nervenverbänden auf der Hirnrinde ausbreiten kann, bis zur gesamten Hirnrinde und tieferen Schichten. So kann aus einem fokalen Anfall ein generalisierter Anfall entstehen.
In diesen beiden Gruppen gibt es jeweils wieder einige Untergruppen von Anfällen. Ich nenne sie hier nur namentlich und beschreibe sie dann unter 5.2. .
Zu den generalisierten Anfällen gehören
Epileptische Anfälle – Grobe Einteilung
1- Grand mal-Anfall (französisch = großes Übel). Groß deshalb, weil die Anfälle sehr dramatisch, großartig verlaufen.
2- Petit mal-Anfälle (französich = kleines Übel). Klein deshalb, weil die Anfälle meist unspektakulär und relativ kurz verlaufen.
Zu den fokalen (partiellen) Anfällen gehören
1- Einfache fokale Anfälle und
2- Komplex fokale Anfälle.
Hier die ausführlichere Klassifikation:
Epileptische Anfälle – Klassifikation
5.2. Beschreibung einiger Anfälle
Damit Sie den Überblick bis zum Schluss behalten, schauen Sie immer wieder auf die obige Abbildung, auf die ausführliche Klassifikation der epileptischen Anfälle.
5.2.1. Generalisierte Anfälle
5.2.1.1. Grand mal
Der Anfall verläuft in verschiedenen Stadien:
1. Aura
(aura lateinisch = Lufthauch, im Sinne von „es liegt etwas in der Luft“, eine Vorahnung) Die Mehrzahl der Epileptiker hat keine Aura. Diese ist eigentlich sehr nützlich, da der Klient sich noch rechtzeitig in Sicherheit bringen kann. Die Aura gilt als ein fokaler Anfall, der sich dann sekundär generalisiert und mit dem 2. Stadium dann weitergeht.
Es können in der Aura auftreten:
Sprachstörungen,
Unbehagen,
Gemütsänderungen,
Missempfindungen,
Halluzinationen,
Bewusstseinsveränderungen wie De`ja- vu – Erlebnisse (französich „schon einmal gesehen“, Situationen kommen einem bekannt vor, ist aber eine Erinnerungsfälschung) und
Entfremdungserlebnisse (alles – auch ich mir selber – kommt mir fremd und unwirklich vor).
Die Dauer der Aura ist sehr unterschiedlich – von Minuten über Stunden, seltener auch mal länger.
2. Tonisches Stadium
Foto: Patricia Hildebrandt von Pexels.com
Der Klient wird bewusstlos, es kommt zu einem Streckkrampf der gesamten quergestreiften Muskulatur. Der Klient stößt eine Schrei aus. Dieser wird als Initialschrei bezeichnet (initial = Beginn). Der Schrei ist nicht bewusst, es wird lediglich bei der Verkrampfung aller quergestreiften Muskeln Luft herausgepresst durch die Stimmritze, was sich als Laut äußert. Der Klient stürzt zu Boden. Dauer insgesamt ca. einige Sekunden.
3. Klonisches Stadium
Es kommt zu rhythmischen Zuckungen der gesamten quergestreiften Muskulatur. Vor dem Mund kann es zur Schaumbildung kommen, da die Kaumuskeln auch krampfen und den Speichel im Mund sozusagen zu Schaum schlagen. Meist beißt sich der Klient auf die Zunge und es kann zu heftigen Blutungen kommen. Außerdem kann es zum Einnässen und Einkoten kommen. Das Stadium wirkt äußerst dramatisch auf den Beobachter, ist aber eigentlich nur gefährlich, wenn sich der Klient durch die starke Bewegung verletzt. Dauer in der Regel 2 bis 3 Minuten.
4. Terminalschlaf
Foto: Marcelo Moreira von Pexels.com
Anschließend fällt der Klient in einen tiefen Schlaf (Terminator = der Beender), den Sie als Betreuer nicht unterbrechen sollten. Er kann wenige Minuten bis viele Stunden (sogar bis zu 12 Stunden) andauern. Manche Klienten schlafen nicht, sondern fallen für einige Zeit in einen Dämmerzustand (siehe Lexikon D). Sie sollten hierbei nicht alleine gelassen werden, da es zu Fehlhandlungen kommen kann und sie desorientiert sind.
Nach dem Schlaf haben die Klienten eine Amnesie (= Erinnerungslücke) für den Anfall. Für die Aura liegt nicht immer eine Amnesie vor. Manche – die nicht so häufig Anfälle haben – bekommen einen starken Muskelkater. Im EEG (siehe Diagnostik) kann man während des Anfalls typische Spitzen und Wellen sehen.
5.2.1.2. Petit mal
Diese Anfälle kommen vor allem im Kindes- und Jugendalter vor, können aber auch in jedem anderen Alter auftreten. Im Folgenden werden keine Stadien beschrieben, sondern es sind alles separate Anfallstypen. Die meisten Petit-mal-Anfälle gehen mit Bewusstlosigkeit einher, aber nicht alle.
5.2.1.2.1. Absencen
Es kommt plötzlich zu einer Bewußtseinspause bis zu 20 Sekunden, bei der der Klient mit offenen, leeren Augen vor sich hin starrt. Wenn die Augen sich nach oben richten, spricht man von „Hans-guck-in-die-Luft“-Blick.
Foto: Sophie Noble von Pexels.com
Es kommt evt. zu Klonismen (kleinen Zuckungen) der Augen-und Gesichtsmuskulatur und evt. zum Verdrehen des Kopfes nach oben. Haben Klienten 50 und mehr Absencen pro Tag, wird in mancher Literatur von Pyknolepsie gesprochen.
Im EEG sieht man während der Absencen 3/s Spikes and Waves (Spitzen und Wellen), siehe auch Diagnostik.
Die Absencen kommen v.a. im Alter von 5 bis 15 Jahren vor.
5.2.1.2.2. BNS-Anfälle
= Blitz-Nick-Salaam-Anfälle
= West-Syndrom
= Propulsiv-Petit-mal
= maligne Säuglingsepilepsie
= infantile Spasmen
Die Kinder oder Säuglinge beugen blitzartig den Kopf vor und „klappen“ die Arme und Beine nach vorne. Arme- und Kopfvorbeugen erinnert an den islamischen Gruß „Salaam meileikum“ mit entsprechender Gestik. BNS-Anfälle kommen vor allem im 1.Lebensjahr vor. Sie weisen oft auf eine sehr schwere Hirnschädigung hin.
Dauer ca. 2-3 Sekunden.
5.2.1.2.3. Lennox- Anfälle
Die Klienten fallen blitzartig zu Boden. Das Bewusstsein kann dabei erhalten bleiben. Es betrifft v.a. Kinder zwischen dem 3. und 4. Lebensjahr. Es sind verschiedene Anfallsbilder möglich. Meistens sind es tonische Anfälle (Streckkrampf), aber auch atonische Anfälle („Zusammensacken“ des Körpers). Es treten sehr viele Anfälle am Tag und im Schlaf auf.
5.2.1.2.4. Myoklonien
Bei den Klienten zucken die Extremitäten serienmäßig nach hinten. Sind die Beine mit betroffen, stürzen sie hin. Falls sie etwas in den Händen haben – z.B. eine Kaffeetasse – wird es nach hinten weggeschleudert. Das Bewusstsein bleibt meistens erhalten. Es betrifft vor allem Menschen in der Pubertät.
5.2.1.2.5. Tonischer Anfall
Ist ein Streckkrampf der quergestreiften Muskulatur ohne rhythmischen Zuckungen. Das Bewusstsein kann erhalten bleiben. Der Klient verharrt in der verkrampften Körperhaltung. Evt. stürzt der Klient hin. Der Anfall ist meist sehr kurz (1 bis 30 Sekunden).
5.2.2. Fokale (partielle) Anfälle
5.2.2.1. Einfache fokale Anfälle
5.2.2.1.1. Einfache fokal motorische Anfälle
Zuckungen in den der motorischen Hirnrinde entsprechenden Muskeln.
5.2.2.1.2. Motorische Jackson-Anfälle
Beginn mit Zuckungen in einem bestimmten Gebiet – z.B. rechte Hand – , Fortschreiten des Krampfes bis zum Halbseitenkrampf.
5.2.2.1.3. Einfache fokal sensible Anfälle
Missempfindungen, Kribbeln in den der sensiblen Hirnrinde entsprechenden Hautarealen.
5.2.2.1.4. Sensible Jackson-Anfälle
Fortschreiten der sensiblen Erscheinungen bis zur Körperhälfte.
5.2.2.1.5. Sensorische Anfälle
Bereiche des Gehirns, die für die Sinnesorgane zuständig sind, weisen eine erhöhte elektrische Aktivität auf, z.B. Sehrinde, Hörzentrum, Geschmacks- oder Geruchszentrum. Dadurch sind Sinnentäuschungen in allen Sinnesbereichen möglich (Geräusche, Gerüche, Lichtblitze).
5.2.2.1.6. Adversivkrämpfe
Es kommt zu einer Blickwendung und Seitwärtsdrehung des Kopfes und evt. des gesamten Körpers.
5.2.2.2. Komplex-fokale Anfälle
= psychomotorische Anfälle (veraltete Bezeichnung, die aber auch heute noch verwendet wird).
Häufig haben die Klienten eine Aura. Sie fallen dann in einen Dämmerzustand. In diesem Dämmerzustand weisen die Klienten merkwürdige, sinnlose Verhaltensweisen auf, die eine Weile anhalten. Die Dauer kann von einigen wenigen Minuten bis 20 Minuten dauern. Der Dämmerzustand klingt dann allmählich aus und die Klienten sind danach wieder voll ansprechbar, haben aber eine Amnesie für diesen Dämmerzustand. Der Ort des Geschehens ist der Temporallappen (Schläfenlappen) des Gehirns.
Bei Epilepsien ist die Krampfbereitschaft erhöht durch eine erniedrigte Krampfschwelle.
Eine erniedrigte Krampfschwelle kann man bekommen durch
1. Unbekannte Ursachen
Man spricht dann von einer primären Epilepsie (primär = an erster Stelle, d.h. die Epilepsie tritt zuerst auf, ohne ersichtlichen Grund).
Andere Begriffe sind: genuine Epilepsie (genuin = angeboren, d.h. ein genetischer Faktor ist vorhanden, also eine angeborene Epilepsie) oder idiopathische Epilepsie (idiopathisch = unbekannte Krankheitsursache , also eine Erkrankung unbekannter Herkunft).
Ca. 50 % aller Epilepsien sind primäre Epilepsien
2. Bekannte Ursachen
Man spricht dann von einer sekundären Epilepsie (sekundär = nachfolgend, also man hat erst eine Orginalkrankheit, die dann die Epilepsie bewirkt) oder symptomatischen Epilepsie (symptomatisch = die Epilepsie ist ein Symptom einer anderen „Orginal“krankheit).
Bekannte Ursachen sind z.B.:
FKH (frühkindliche Hirnschädigung),
Hirntumore,
Hirnabszess (umkapselte Eiteransammlung),
Hirnblutung,
SHT (Schädel-Hirn-Trauma),
Stoffwechselentgleisungen wie
Hypoglycämie (hypo = zu wenig, glycämie = Zucker im Blut, z.B. durch zu hohe Insulingabe) und
Urämie (= Harnstoffe im Blut, Harnvergiftung, z.B. durch Nierenversagen),
Alkoholismus,
Vergiftungen aller Art
jegliche Störungen, die das Gehirn in irgend einer Weise schädigen.
Epilepsie (griechisch, lateinisch „ergreifen, packen, anfallen“) wurde früher auch als Fallsucht bezeichnet. DIE Epilepsie gibt es eigentlich nicht. Man spricht besser von Epilepsien in der Mehrzahl. Epilepsien sind eine Krankheitsgruppe.
Es sind chronische Erkrankungen. D.h., ein einzelner Anfall bedeutet noch nicht, dass jemand Epileptiker ist. Es treten öfters Anfälle auf.
Es sind cerebrale Anfälle , die vom Gehirn (lateinisch cerebrum „Gehirn“) ausgehen. Sie werden durch Funktionsstörungen des Gehirns hervorgerufen.
Normale Hirntätigkeit: Durch die Arbeit der Nervenzellen entsteht elektrische Aktivität, die normalerweise relativ gering ist. Wir stehen also ständig „unter Strom“, siehe Bild.
Hirntätigkeit während eines Anfalls: Es kommt plötzlich zu einer Entladung mehrerer Nervenverbände in der Großhirnrinde und auch in tieferen Schichten. Dadurch steigt die elektrische Aktivität übermäßig an (siehe Bild). Dies ist eine unkontrollierte Stimulierung in den betroffenen Hirnbereichen. Die elektrische Aktivität wird über das Rückenmark weitergeleitet. Und von dort aus geht die Erregung über das periphere Nervensystem zu den Erfolgsorganen, die ganz häufig – aber nicht ausschließlich – die Muskeln sind. Wenn es die Muskeln betrifft, kommt es zu unwillkürlichen Muskelkontraktionen (lateinisch contractio „Zusammenziehen“) .
2. Epilepsie – Häufigkeit
5% aller Menschen haben einmal in ihrem Leben einen epileptischen Anfall. Das ist ca. jeder 20. Mensch.
0,5 – 1% der Allgemeinbevölkerung (weltweit) haben eine Epilepsie. Das entspricht der Häufigkeit von insulinpflichtigem Diabetes mellitus. Es ist also eine recht häufige Erkrankung.
Ganz, ganz tolle Materialien! Ein MUß für alle, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten!!
Vieten, M., Schramm A. (Hrsg.)(2001): Pflege konkret. Neurologie Psychiatrie. Pflege und Krankheitslehre, Lehrbuch und Atlas. München, Jena: Urban & Fischer
Wanschura V. (2007): Prüfungsvorbereitung. Gerontoneurologie & Gerontopsychiatrie. Arbeitsheft für Pflegeberufe. Verlag Handwerk und Technik, Hamburg
Mein Gehirnmodell für den Unterricht, Foto: Elke Zagadzki
Menschliches Gehirn im Längsschnitt, Zeichnung: Elke Zagadzki
Vorbemerkung
Ich sortiere ganz bewusst aus, stelle Vieles nur stichwortartig dar, setze Schwerpunkte. Die Ausführungen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Wer es genauer wissen möchte, möge bitte- je nach Ausbildungsgrad und Bedürfnis- die gängige , mehr oder weniger schwere Fachliteratur lesen. Literaturangaben finden Sie unter Abschnitt *PSYCHIATRISCHES, NEUROLOGISCHES, …* .