Schizophrenie – Einführung

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Das untere Bild – ich habe es ganz altmodisch als Folie auf einem Overhead benutzt – diente mir als Leitfaden für einführende Worte zum Thema Schizophrenie. Zuvor hatte ich – wie bei jedem neuen Thema – mit meinen Zuhörern ein Brainstorming darüber gemacht. Wir haben also alle spontanen Einfälle zu „Schizophrenie“ gesammelt und an die Tafel geschrieben. Ich fand es jedesmal total spannend, wie vielfältig, treffend und kreativ diese Einfälle waren. Auf jeden Fall kamen wir so ins Gespräch. Es war immer sehr lebhaft. Ich brauchte eigentlich nur noch alles gut zu sortieren und zu „verfachlichen“. Die Inhalte zum Thema gaben mir die Schüler selber.

Die Schizophrenie ist eine sehr häufige Erkrankung. Von 100 Menschen erkrankt einer (1%), unabhängig von Kultur, Kontinent, Land, sozialem Stand oder Geschlecht. Die Krankheit tritt – statistisch gesehen – am häufigsten zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr auf. Sie ist also keine Kinder- und keine Alterserkrankung. Sie kann aber trotzdem in jedem Alter zum ersten Mal auftreten. Es sind sogar steigende Zahlen im frühen Jugendalter zu verzeichnen. Auch ältere und alte Menschen können eine Schizophrenie zum ersten Male bekommen. Aber am häufigsten kommt dies im jungen bis mittleren Erwachsenenalter vor.

Erläuterung der Fremdwörter:

Psychosen

Werden  solche psychische Krankheiten bezeichnet, bei denen der Betroffene in seinem Kontakt zur Realität erheblich gestört ist und in die sich ein Gesunder nur schwer einfühlen kann. Er ist also im wahrsten Sinne des Wortes in seiner Realitästebene „verrückt“. Er hat eine andere Realität als die sogenannten „Normalen“.

Bei den endogenen Psychosen gibt es keine nachweisbaren hirnorganischen Auffälligkeiten, wie z.B. ein Hirntumor oder eine Gehirnentzündung. Die Ursachen sind nicht eindeutig geklärt. Es sind anscheinend viele Faktoren vorhanden, die eine Psychose bedingen. Endogen heißt eigentlich „von innen entstehend“. Das ist etwas irreführend, da ja auch ein Hirntumor z.B. von innen im Gehirn entsteht. Sie können es sich so merken: Die Psychose kommt ohne organische Erkrankung einfach so von innen.

Diagnostik

Lehre von der Erkennung und Bestimmung von Erkrankungen (altgriechisch gnosis = Erkenntnis)

Psychopathologie

Ist – rein übersetzt – die Lehre von dem Leiden der Seele. Ihre Aufgaben sind das Erkennen,  Beschreiben und Analysieren von seelischen Auffälligkeiten. Sie liefert das psychiatrische „Vokabular“ . Mit ihrer Hilfe entsteht ein psychischer Befund in der Psychiatrie. In meiner Grafik bedeutet dies, dass man die Schizophrenie nur durch das Beobachten, das Sammeln und Beschreiben aller typischen Symptome diagnostizieren kann. Es gibt nichts Anderes, keine Blutbefunde oder Gehirnveränderungen, die man in einer bildgebenden Untersuchung finden könnte.

Anamnese

Ist die Vorgeschichte zu einer Krankheit, also hier zur Schizophrenie, die durch Befragung des Patienten oder Angehöriger erfolgt. Z.B. kann es in der Familie Angehörige geben, die auch eine Schizophrenie gehabt haben (Familienanamnese). Oder der Patient hat in seiner Jugend schon einmal psychische Veränderungen (wie Halluzinationen oder Wahnerleben) aufgewiesen, die dann wieder verschwunden waren.

DD = Differentialdiagnosen

Das sind Krankheiten, die ähnliche Symptome wie die vermutete Krankheit Schizophrenie haben. Im Laufe der Diagnotik werden diese Krankheiten ausgeschlossen oder es bestätigt sich eine andere Krankheit als die vermutete. Differentialdiagnosen auszuschließen ist wichtig, da die Therapien häufig sehr unterschiedlich sind.

Es müssen ausgeschlossen werden:

Exogene Psychosen und

Schizoide Psychopathie bzw. Persönlichkeitsstörung

Exogene Psychosen

Jede Krankheit, jede Störung, die das Gehirn schädigt oder beeinträchtigt, kann eine exogene Psychose hervorrufen. Beispiele: Hirntumore, hohes Fieber, Hirngefäßveränderungen, Hirnatrophie, Vergiftungen (z.B. Alkohol) oder Stoffwechselstörungen.

Entsprechend der Ursache sind bei der körperlichen Untersuchung oder bei technischen Diagnosemaßnahmen pathologische Befunde feststellbar. Beispiele: erhöhter Alkoholspiegel, vermehrte Stoffwechselprodukte im Blut oder Veränderungen im CT (Computertomographiebild).

Der Begriff exogene Psychose wird nicht überall verwendet. Es gibt noch viele andere Begriffe dafür: organische Psychosen, symptomatische Psychosen, exogene Reaktionstypen, psychoorganisches Syndrom, organisches Psychosyndrom, körperlich begründbare Psychosen, Funktionspsychosen (speziell für reversible Syndrome), organische Defektpsychosen (speziell für irreversible Syndrome), hirnorganisches Psychosyndrom (HOPS), Durchganssyndrome (speziell für reversible Syndrome ohne Bewusstseinstrübung), …

Der Begriff „exogen“ ( griechisch = von außen entstehend) ist genauso wie „endogen“ etwas irreführend, da ja die meisten Krankheiten innen im Gehirn entstehen. Ausnahme: Alkohol wird von außen zugefügt und der Ziegelstein, der auf Ihren Kopf fällt, kommt auch von außen. Sie können es sich vielleicht so merken: Die Krankheiten, die exogene Psychosen bewirken, gehören nicht ins Gehirn. Sie sind sozusagen „Fremdkörper“, also symbolisch „Eindringlinge von außen“.

Bei der Schizophrenie bedeutet dies also, dass Ihr Gehirn – mit den üblichen diagnostischen Untersuchungsverfahren – „fit, wie ein Turnschuh“ aussieht. Es können keine hirnorganischen Krankheiten nachgewiesen werden. Und trotzdem haben Sie eine schwere Erkrankung.

Psychopathie

Das ist ein altmodischer Begriff für Persönlichkeitsstörungen.

Manche Menschen haben bestimmte Wesenszüge, die extremer ausgeprägt sind als bei einer sogenannten Norm. Sind diese Wesenszüge so extrem und ziehen sie sich wie ein roter Faden durch das Leben der Betroffenen – von der Kindheit bis ins Alter – und machen diese Wesenszüge den Betroffenen und/oder seine Umgebung leiden, dann spricht man in der Schulpsychiatrie davon, dass dieser Mensch eine Persönlichkeitsstörung hat.
Eine alte Bezeichnung ist „Psychopathie“. Karl Leonhard – ein deutscher Psychiater, der 1988 in der DDR starb – erfand den Begriff „Akzentuierte Persönlichkeit“. Diese – für mich sehr wertfreie – Bezeichnung favorisiere ich persönlich, sie ist aber heute obsolet.

Wie eine Persönlichkeitsstörung entsteht, ist noch nicht eindeutig geklärt. Es wird ein Zusammenspiel von vielen Faktoren diskutiert. Vor allem der Faktor Veranlagung – also ein genetischer Faktor – und dazu kommende lang anhaltende sehr belastende Einflüsse durch das soziale Umfeld.

Menschen mit einer schizoiden Psychopathie bzw. Persönlichkeitsstörung möchten keinen Kontakt zu anderen Menschen. Nach außen hin können sie kaum Gefühle zeigen. Sie wirken dadurch oft auf andere starr und gefühllos. Sie leben zurückgezogen, gelten bei anderen Menschen als Eigenbrödler und Sonderlinge und ziehen sich in Fantasien oder extravaganten Interessen zurück. Sie genügen sich völlig alleine und weisen aber – im Unterschied zu der Psychose Schizophrenie – keine Wahnerlebnisse und Halluzinationen auf und sind „halt immer schon so komisch“ gewesen.

Die Schizophrenie ist also nach obiger Definition KEINE Persönlichkeitsstörung. Sie ist eine Krankheit, die irgenwann ausbricht und oft – leider nicht immer – auch irgendwann zu Ende ist.

Die endogene Psychose Schizophrenie entsteht auch nicht, weil Menschen schwere traumatische Erlebnisse in der Kindheit oder im Erwachsenenalter hatten. Unter diesen Bedingungen können sich andere seelische Störungen entwickeln. Aber solche Erlebnisse können EIN Faktor für die Entstehung der Schizophrenie darstellen. Bildlich gesprochen: Durch Erbfaktoren hat ein Mensch eine höhere Bereitschaft, an dieser Psychose zu erkranken. Also ein „wackeliger Psychosestein liegt an einem Abhang“ in der Psyche des Menschen. Ein Erlebnis – das kann auch ein schönes Erlebnis (z.B. Verliebtheit, eine bestandene Prüfung, eine tolle Urlaubsreise…) sein – kann diesen „Psychosestein“ ins Rollen bringen und die Psychose bricht aus. Stellen Sie sich eine Lawine in der Bergwelt vor. Eine kleine Erschütterung, ein winziger rollender Schneeball, ein kleiner wackeliger Stein… Und Massen von Schnee, Eis oder Geröll lösen sich von den Berghängen und stürzen ins Tal. Und die Psychose nimmt ihren Lauf… http://www.pixabay.com

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Schizophrenie – Ursachen

8. Epilepsie – Diagnostik

 

8EpilepsieDiagnostik

Diagnostik der Epilepsie

1 – Beobachtung, Beschreibung der Anfälle

Ganz wichtig für die Diagnostik ist eine gute Beobachtung der Anfälle. Wenn keiner der vielen Beobachtungsbögen vorhanden ist – vielleicht weil es der erste Anfall ist – reicht eine ausführliche formlose Beschreibung.

2 – Anamnese

Die Krankengeschichte bzw. Vorgeschichte erfolgt durch Befragung des Patienten (Eigenanamnese) oder einer dritten Person (Fremdanamnese). Z.B. könnte ein Schädel-Hirn-Trauma oder andere Vorerkrankungen auf die Ursache der Epilepsie hinweisen.

3 – EEG = Elektroencephalographie

Bei der Arbeit der Nervenzellen im Gehirn entsteht elektrische Aktivität. Diese wird durch das EEG gemessen. Das EEG ist somit Spiegel der elektrischen Aktivität des Gehirns.

Kleine Metallblättchen (Elektroden) auf der Kopfhautoberfläche leiten den Strom bzw. die Spannungsschwankungen ab. Diese werden elektronisch verstärkt und können dadurch mit einem Registriergerät aufgezeichnet werden. Bildlich werden sie dann als „Wellen und Täler“ gesehen. Je nach Form und Amplitude der Wellen kann man eine Aussage über die elektrische Aktivität machen. Entsprechen die Wellen nicht den Normen, liegt irgendeine Störung des Gehirns über den entsprechenden Ableitungsorten vor.

Die genaue Art der Störung muss man dann durch andere Untersuchungsmethoden herausbekommen.

Angezeigt (indiziert) ist ein EEG bei der Beurteillung von Krampfleiden, bei Verdacht auf Tumore, Multipler Sklerose etc.

4 – cCT = craniale Computertomographie

Es werden Röntgenstrahlen verwendet. Allerdings ist die Röntgenbelastung wesentlich geringer als bei den herkömmlichen Röntgenaufnahmen.

Um den Klienten herum dreht sich eine Röntgenröhre. Diese wird von außen durch einen Detektorring begrenzt. Der Detektor ist ein Gerät, was die verbliebene Strahlung wieder aufnimmt und die Strahlenintensität misst. Die Röntgenstrahlung geht also durch den Körper – hier im speziellen Fall durch den Schädel = cranium – durch. Und die Reststrahlung, die wieder herauskommt, wird gemessen. Die Zahlenwerte werden in einen Computer gegeben. Dieser rechnet dann alle Zahlenwerte in ein zweidimensionales Bild um.

Die scheibchenförmigen Schnitte vom Schädel sind also keine herkömmlichen Röntgenbilder, sondern rein errechnete Bilder.

5 – MRT = Magnetresonanz-Tomographie = Kernspintomographie

Hier werden ebenfalls Schnittbilder erzeugt. Das Prinzip ist das gleiche wie bei der Computertomographie. Es werden aber keine Röntgenstrahlen verwendet. Sondern es wird ausgewertet, wie sich das Gehirn in einem starken Magnetfeld verhält. Ein Magnetfeld richtet die Wasserstoffkerne des Gewebes in eine Richtung aus. Ein kurzer Hochfrequenzimpuls „rüttelt“ an dieser Ausrichtung. Beim Zurückschwingen der Wasserstoffkerne in ihre ursprüngliche Position werden elektromagnetische Wellen ausgesandt, die von speziellen Sensoren (Detektor) registriert werden. Es ergibt sich ein Muster, das von einem Computer in ein sichtbares Bild verwandelt wird, vergleichbar den Schnittbildern im CT.
Vorteil: kontrastreichere Darstellung und keine schädlichen Röntgenstrahlen.
Nachteil: sehr teure Geräte, langes Stillliegen in enger, langer Röhre (bis 30 Minuten), klaustrophobische Reaktionen.

6 – LP = Lumbalpunktion

Die Lumbalpunktion ist eine Untersuchung des Liquors (Liquor = Hirnwasser bzw. Rückenmarkswasser). Der Liquor ist eine wässrig-klare Flüssigkeit, die unser Gehirn und unser Rückenmark umspült.

Die LP wird gemacht als diagnostisches Mittel bei Epilepsie bei Verdacht auf eine Meningitis (= Hirnhautentzündung) , Encephalitis (=Gehirnentzündung), Multiple Sklerose oder anderer Hirnerkrankungen.

Diese Untersuchung machen Sie als Heilpädagoge, Heilerziehungspfleger, Kranken- oder Altenpfleger natürlich nicht. Sie sollten aber gut darüber Bescheid wissen, um professionell den Klienten aufzuklären bzw. ihm das medizinische Vokabular übersetzen zu können. Viele Klienten haben nämlich sehr große Angst vor dieser Untersuchung.

Man kann Liquor im Lendenbereich entnehmen und auf Gehirnveränderungen schließen, weil der Liquor sowohl Gehirn als auch Rückenmark umspült und eine Einheit darstellt.

Bei dieser Untersuchung wird der Liquor mit einer speziellen Hohlnadel durch das Eindringen in den Wirbelkanal zwischen den Wirbelkörpern der unteren Lendenwirbelsäule – meist zwischen den Dornenfortsätzen des 3. und 4. Lendenwirbelkörper – entnommen.

Die Hohlnadel sticht durch den Epiduralraum (epi= darauf, daneben, Dura = harte Hirnhaut, also der Raum, der auf der harten Hirnhaut liegt),die Dura mater (=harte Hirnhaut) und Arachnoidea (=Spinnwebenhaut) durch bis zu dem Subarachnoidalraum (sub= unter, also der Raum unter der Spinnenwebenhaut gelegen) , wo sich der Liquor befindet. Es werden nur wenige Milliliter entnommen.

Die Untersuchung erfolgt im Sitzen oder auf der Seite liegend, wobei der Betroffene einen möglichst runden “Katzenbuckel” machen muss.

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Foto: Pexels.com

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