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  • Validation
    (lat. validus = kräftig, stark, rechtskräftig , gültig sein , Validation = Gültigkeitserklärung, für gültig erklärt)
    Die aus der USA übernommene Methode der Validation kann als grundsätzliche Haltung im Umgang mit Dementen angesehen werden. Hier wird der emotionale Gehalt der Aussage aufgegriffen und „validiert“, also für gültig erklärt, ohne zu analysieren, zu bewerten oder zu korrigieren. Wer die Validation anwendet, muss den Kommunikationsfluß trotz „falscher“ Fakten aufrechterhalten. Die innere Realität verwirrter alter Menschen mit all ihren gefühlsmäßigen Anteilen als ganz persönliche Sicht- und Erlebnisebene zu akzeptieren, ist der Kern der Validation. Besonderes Gewicht erhält hierbei der Bezug auf die Biographie des Verwirrten. Dieser Ansatz kann als Grundhaltung andere Arbeitsformen unterstützen. (Vieten M. et al.)
    Lit.: Feil , Naomi , Validation in Anwendung und Beispielen, Reinhardt 2001

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  • Wachkoma
    • = Apallisches Syndrom, Dezerebrationssyndrom, Coma vigile, Enthirnungsstarre)
    • Funktionsausfall des Neocortex (Pallium, lat. pallium = weiter Mantel) der Großhirnrinde bei noch funktionierendem Stammhirn.
    • Führt bei dem Patienten zum Fehlen jeglicher Reizbeantwortung bei geöffneten Augen.
    • Ursachen:
      • Häufige Folge einer zerebralen Einklemmung durch Unfälle,
      • Narkosezwischenfälle,
      • Zustand nach Reanimation.
    • Das apallische Syndrom kann unverändert über Jahre bestehen.
    • Es kann aber auch eine „Zwischenstation“ beim Erwachen aus einem tiefen Koma sein.
    • Am häufigsten sind unvollständige Rückbildungen mit bleibenden neurologischen Störungen.
    • Prognose: Eine weitere Rückbildung ist umso unwahrscheinlicher, je länger ein Zustandsbild unverändert bestehen bleibt.

 

  • Wahn
    Der Wahn ist eine inhaltliche Denkstörung. Er ist eine objektiv falsche Überzeugung, die ohne entsprechende Anregung von außen entsteht. Er wird vom Betroffenen mit großer Gewißheit erlebt und trotz „vernünftiger“ Gegengründe unkorrigierbar aufrechterhalten.
    Es handelt sich also um eine „Privatwirklichkeit“, die von niemandem geteilt wird. Der Betroffene hat kein Interesse daran, seine Wahnidee zu überprüfen.
    Wahnideen kommen meistens nicht von einer Minute zur nächsten, sondern

    • Wahnstimmung:
      Meist entsteht Wahn aus einer Wahnstimmung heraus. Die Patienten merken, dass sich etwas Bedrohliches (selten sind es Glücksgefühle) zusammenbraut. Ihre Umgebung erscheint ihnen merkwürdig, viele belanglose Handlungen geheimnisvoll. Die genaue Bedeutung können sie jedoch nicht entschlüsseln.
    • Wahnwahrnehmung:
      Der Patient misst einer realen Begebenheit eine objektiv falsche Bedeutung zu. Er hält beispielsweise alle blauen Autos für die Autos von Verfolgern.
    • Wahneinfall:
      Der Betroffene hat Einfälle, die objaktiv falsch sind. Er „braucht“ aber – im Gegensatz zur Wahnwahrnehmung – keine reale Begebenheit dazu, also keinen äußeren „Anlaß“. Ihm fällt einfach etwas ein. Beispiel: Jemandem fällt ein, der wiederentstandene Apostel Paulus zu sein.
    • Wahnthemen:
      • Beziehungs-, Beeinträchtigungs- und Verfolgungswahn.
      • Beziehungswahn
        • bezieht alles, was um ihn herum passiert, auf sich. Dies können neben Bemerkungen, Mimik und Gesten von Mitmenschen auch so abwegige Dinge wie Zeitungs-, Radio- oder Fernsehberichte sein. Er ist überzeugt davon, dass alles seinetwegen geschieht und nur für ihn von Bedeutung ist.
      • Beeinträchtigungswahn
        • Hier wähnt sich der Patient als Ursache und Mittelpunkt des Geschehens. Hinzu kommt noch das Gefühl, alles arbeite nicht für, sondern gegen ihn. Er vermutet überall Feindseligkeit und böse Absicht, fühlt sich ungerecht behandelt und übergangen. Dies kann bis hin zu Tötungsvorwürfen führen.
          Eine Steigerung ist der
      • Verfolgungswahn
        • Der Patient fühlt sich in Verkennung harmloser Ereignisse selbst von engsten Vertrauten beobachtet und verfolgt, spricht seine Gedanken allerdings aus Angst oft nicht aus.
          Die Wahnthemen von Dementen können sich sehr von den Wahnthemen Schizophrener unterscheiden.
      • Wahnthemen von Dementen
        • handeln häufig von der Vergangenheit des Betroffenen bzw. von kleinen Alltagsdingen aus dem jetzigen Leben (z.B. „Ich weiß genau, meine Zimmernachbarin bestiehlt mich. Sie will mich fertigmachen…“).
      • Wahnthemen von Schizophrenen
        • Es geht oft um relativ abenteuerliche Themen – z.B. Verfolgung durch eine Geheimorganisation.

 

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  • Dämmerzustände
    Dämmerzustände sind Bewusstseinseinengungen, die oft plötzlich eintreten und ebenso abrupt aufhören. Charakteristisch ist eine starke Einengung auf ein bestimmtes inneres Erlebniselement oder einen entsprechenden Erlebnisbereich und eine nachfolgende Erinnerungslosigkeit (Amnesie). Das Verhalten kann formal geordnet sein (geordneter Dämmerzustand) oder schwerwiegend gestört bis hin zu raptusartigem Verhalten gegenüber der Umwelt und dem eigenen Körper mit Fremd- und Selbstbeschädigungen.

 

  • Delirium tremens
    Wird oft in Psychiatriebüchern als exogene Psychose abgehandelt, weniger unter qualitativen Bewusstseinsstörungen aufgeführt. In diesem Zusammenhang wird dann dieser Zustand als Verwirrtheit und Bewusstseinseintrübung bezeichnet. Es ist ein Zustand mit mangelnder Klarheit des Erlebens und gesteigerter psychomotorischer Aktivität, teilweise oder vollständige Desorientierung und unzusammenhängendem Denken (Verwirrtheit), illusionären Verkennungen und Halluzinationen. Oft sind optische Halluzinationen suggerierbar (dem Patienten „einzureden“). Häufig vegetative Begleiterscheinungen (Schwitzen, Tachycardie, Zittern, Temperaturerhöhung, Austrocknung…). Delirien entstehen nicht plötzlich – wie beim Dämmerzustand – ,sondern haben ein leichtes Anfangsstadium, was allmählich immer schlimmer wird. Auch hier besteht hinterher eine Amnesie, wobei oft „Erinnnerungsinseln“ übrig bleiben.
    Vorkommen:
    – Alkoholentzug bei Alkoholismus
    – Medikamentenentzug bei körperlich abhängig machenden Medikamenten
    – Komplikationen bei verschiedensten Medikamenten wie Atropin, Antiparkinsonmitteln, Antidepressiva…
    – Fliegenpilzvergiftung
    – Stoffwechselentgleisungen
    – als akute organische Psychose bei alten Menschen mit cerebralen Durchblutungsstörungen, Flüssigkeitsmangel und Fieber.

 

  • Demenz
    Demenz entsteht durch Abbau von Gehirnsubstanz aus unterschiedlichen Ursachen. Dadurch gehen alle erlernten geistigen und praktischen Fähigkeiten und ein bestimmtes Persönlichkeitsniveau verloren. Es ist häufig ein chronisch fortschreitender, irreversibler Prozeß.
    Demenzformen sind u.a. Alzheimer-Demenz, Picksche Krankheit, Multiinfarkt-Demenz, Alkohol-Demenz.

 

  • Denken, formales
    Damit ist der Denkablauf, der Gedankengang gemeint. Also z.B. die Denkgeschwindigkeit – angemessen, zu langsam oder zu schnell. Oder denke ich unzusammenhängend oder in ersichtlicher Reihenfolge…

 

  • Denkstörungen, formale
    Sind Störungen des Gedankenganges.

    • Denkzerfahrenheit
      Völlig zusammenhangloses und zerrissenes (inkohärentes) Denken und Sprechen. Im Extremfall „Wortsalat“.
    • Gedankenabreißen (oder Gedankensperre)
      Plötzliches Abbrechen eines bis dahin flüssigen Gedankenganges ohne erkennbaren Grund.
      Oft wird das Gedankenabreißen als Folge eines Gedankenentzugs beschrieben: Der Patient sagt, der Gedanke sei plötzlich weg, jemand habe ihn weggenommen. Die formale Denkstörung wird also vom Patienten als Störung des Ich-Erlebens wahrgenommen.
    • Begriffszerfall
      Die Bedeutung der verschiedenen Wörter werden nicht mehr scharf gegeneinander abgegrenzt. Begriffe der allgemeinen Sprache haben nicht mehr ihre ursprüngliche – für alle verständliche – Bedeutung. Kann einen einzelnen Begriff betreffen oder auch so viele, daß eine Verständigung selbst über Alltagsdinge nicht mehr möglich ist.
    • Neologismen
      Manchmal bilden die Patienten durch Verknüpfung von Begriffen ganz neue Wörter.
      Ein Patient ist z.B. mit seinen Turnschuhen gelaufen und erzählt später, er habe „gelaufsohlt“.

 

  • Differentialdiagnose
    Jede, bei der Diagnosestellung zu berücksichtigende Diagnose, die aufgrund der erfassten Untersuchungsergebnisse in Frage kommt (Zetkin et al.).Es werden also alle Krankheiten berücksichtigt, die ähnliche Symptome wie die vermutete Krankheit haben. Im Laufe der Diagnotik werden diese Krankheiten ausgeschlossen oder es bestätigt sich eine andere Krankheit als die vermutete.Differentialdiagnosen auszuschließen ist wichtig, da die Therapien häufig sehr unterschiedlich sind.

 

  • Differentialdiagnostik
    alle diagnostischen Maßnahmen, Strategien u. Verfahren, die zur ärztl. Untersuchung bei einer Gesundheitsstörung bzw. Beratungsursache angewandt werden; insbes. Befragung (Anamnese), körperliche, ggf. apparative u. Laboruntersuchungen. Es sollen Differentialdiagnosen ausgeschlossen oder bestätigt werden. Das ist wichtig, um die richtige spezielle Therapie anzuwenden.

 

  • Dyskinetische Syndrome
    Als dyskinetische Syndrome werden Syndrome mit einer Störung des normalen Bewegungsablaufs (Kinese = Bewegung) bezeichnet. In der Literatur werden damit häufig Spätdyskinesien nach Gabe von hochpotenten Neuroleptika (Antipsychotika) gemeint. Man sagt dazu auch tardive (= verzögert, spät) Dyskenisien, weil die Bewegungsstörungen erst auftreten nach langjähriger Neuroleptikagabe. Es sind Bewegungsstörungen des Extrapyramidalen Systems, wie Mümmeln, Grimmassieren, Schmatzen, aber auch choreatische (schleudernde Bewegungen der Extremitäten) und athetotische (schraubende Bewegungen in den Gelenken vor allem der Hände, Arme, des Halses, des Oberkörpers mit extremer Überstreckung der Extremitäten) der Bewegungen.