*BERUFLICHES – PSYCHIATRIE, NEUROLOGIE, PSYCHOLOGIE * >PSYCHOLOGISCHES >Klientenzentrierte Gesprächsführung >4. Kommunikationsförderer: Spiegeln von Emotionen


Klientenzentrierte Gesprächsführung im Schneckentempo
Die Klientenzentrierte Gesprächsführung zieht sich inzwischen im echten Schneckentempo durch den Blog, ich weiß … Aber ich möchte sie jetzt „unerbittlich“ zu Ende bringen. Ich bin kurz vor dem Ziel.
Danach geht es hier endlich weiter mit dem Themenbereich Schizophrenie. Ein Teil der Artikel existiert bereits, vieles liegt noch halbfertig in Ordnern und geistigen Baustellen herum.
Warum ich ausgerechnet mit dem Thema Schizophrenie weitermachen möchte? Weil mein nächstes Schreibprojekt „Kloster Düstermoor“ hineinführt in die Welt von Psychosen. Wer beim Lesen der Geschichte später über Begriffe stolpert, kann hier auf dem Blog einfach ein wenig nachlesen.
Spiegeln von Emotionen
Das Spiegeln von Emotionen wird auch als „Verbalisierung emotionaler Erlebnisinhalte“ bezeichnet.
Klingt kompliziert — bedeutet aber etwas ganz Einfaches:
Sie versuchen vorsichtig in Worte zu fassen, was Ihr Gegenüber möglicherweise gerade fühlt.
Zum Beispiel:
„Ich habe den Eindruck, das belastet Sie sehr. Kann das sein?“
oder:
„Habe ich richtig verstanden, dass Sie darüber ziemlich enttäuscht sind?“
Wichtig dabei ist:
Sie behaupten nicht einfach, die Gefühle des anderen Menschen zu kennen. Sie bieten Ihre Wahrnehmung vorsichtig an. Ihr Gesprächspartner kann zustimmen, ergänzen oder korrigieren.
Dadurch entstehen weniger Missverständnisse.
Und der andere fühlt sich wahrgenommen und verstanden.
Ein Beispiel aus unserer Krimi-Novelle „Die alte Villa“
Bevor wir jetzt in einem psychologischen Lehrbuch versinken, schauen wir uns lieber eine Szene aus unserer Krimi-Novelle „Die alte Villa“ an. Geschrieben habe ich sie gemeinsam mit meiner Enkeltochter Emma. Derzeit kämpft sich das Manuskript tapfer durchs Zweitlektorat, mit etwas Glück erscheint die Novelle im November.
In der Szene graben Wolfgang und Luisa nachts heimlich auf einem Friedhof. Keine besonders entspannte Situation. Dabei passiert Folgendes:
Unter den Tannen hinter ihnen knackt es. Luisa zuckt zusammen und stolpert über den Spaten.
„Au, mein Kreuz!“
Luisa liegt auf der Seite und stöhnt. Wolfgang hilft ihr auf.
„Was machst du denn?“
„Hast du das Geräusch nicht gehört?“, fragt Luisa flüsternd.
Unter der Tanne bewegt sich etwas. Wolfgang lacht. Eine schwarze Katze!
Wolfgang reagiert hier ziemlich unempathisch. Er nimmt weder den Schmerz noch den Schreck von Luisa wirklich auf.
Eine Antwort im Sinne des „Spiegelns von Emotionen“ hätte eher so geklungen:
„Du hast dich gerade ziemlich erschreckt, oder?“ fragt Wolfgang und hilft ihr auf.
Oder:
„Ich glaube, das Geräusch hat dir Angst gemacht“, sagt Wolfgang leise.
Hier würde Wolfgang nicht einfach nur praktisch reagieren oder nach der Verletzung fragen. Er würde versuchen, Luisas vermutetes Gefühl vorsichtig in Worte zu fassen.
Genau darum geht es beim Verbalisieren emotionaler Erlebnisinhalte.
Wichtig ist dabei auch die vorsichtige Formulierung. Wolfgang sagt nicht:
„Du hattest Angst.“
Sondern:
„Ich glaube …“
oder:
„… oder?“
Damit bleibt Luisa die Möglichkeit, ihn zu korrigieren oder zu ergänzen.
Eine andere empathischere Antwort – als Frage formuliert – hätte vielleicht so geklungen:
„Hast du dich erschrocken?“ fragt Wolfgang leise. „Alles okay mit deinem Rücken?“
Oder:
„Verdammt, hast du dir wehgetan? Das Geräusch hat dich ganz schön erschreckt, oder?“
Wolfgang würde auch hier vorsichtig benennen, was er bei Luisa wahrnimmt: Schmerz, Angst oder Erschrecken.
Aber Menschen sprechen nicht immer lehrbuchmäßig
Im echten Leben reagieren Menschen natürlich nicht ständig klientenzentriert perfekt. Und das ist auch gut so.
Vieles hängt von der Beziehung, vom Charakter und von der Situation ab.
Wolfgang ist kein Psychotherapeut und hatte keine Fortbildung in Klientenzentrierter Gesprächsführung absolviert. Er friert, ist angespannt und gräbt nachts heimlich auf einem Friedhof nach Knochen und Urnen. Da denkt er vermutlich eher praktisch als einfühlsam. Vielleicht kennt Luisa ihn auch längst genau so.
Manchmal braucht es deshalb gar keine „perfekte“ empathische Reaktion. Oft reicht schon die grundsätzliche Haltung eines Menschen.
Trotzdem zeigt die Szene sehr schön, wie leicht Gefühle übergangen werden können — selbst bei Menschen, die sich nahestehen.












