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  • Savant-Syndrom
    Das Savant-Syndrom bedeutet, dass Menschen eine Inselbegabung haben. Bei der Inselbegabung haben Menschen mit einer kognitiven Behinderung oder einer anderweitigen (häufig tiefgreifenden) Entwicklungsstörung sehr spezielle außergewöhnliche Fähigkeiten in einem kleinen Teilbereich („Inseln“). 50 Prozent der bekannten Inselbegabten sind Autisten.

 

  • Schizophrenia simplex
    Eine Form der Schizophrenie. Hier sind vor allem Ambivalenz, Antriebs- und Affektstörungen im Vordergrund, weniger Symptome wie Sinnestäuschungen und Wahnerlebnisse.

 

  • Sinnestäuschungen (=Wahrnehmungsstörungen)
    Störung der Wahrnehmung. Vermeintliche Wahrnehmung von etwas nicht oder in der wahrgenommenen Form nicht vorhandenem. Wir können in jeder Sinnesqualität (Hören, Sehen, Schmecken, Riechen, Fühlen) Sinnestäuschungen haben – v.a. sind akustische Sinnestäuschungen sehr häufig.

    • einfache Wahrnehmungsveränderungen:
      Gegenstände werden größer, kleiner oder bunter gesehen als sie wirklich sind, oder auch verzerrt oder verschwommen. Geräusche und Stimmen erscheinen lauter oder leiser.
    • Illusionäre Verkennungen:
      Sind dadurch gekennzeichnet, dass etwas real Vorhandenes für etwas anderes gehalten wird. Ein typisches Beispiel sind Bäume im Nebel, die als gefährliche Monster gesehen werden.
    • Halluzinationen:
      Den Sinneseindrücken, die der Mensch wahrnimmt, liegt keinerlei reales Objekt zugrunde. Der Betroffene ist von der Wirklichkeit der Wahrnehmung unkorrigierbar überzeugt.

      • optische Halluzinationen
        Es werden Personen, Gegenstände, Bilder, seltsame Tiere gesehen. Dies können stillstehen. Oder – seltener – die Betroffenen erleben als Zuschauer oder Mitakteure einen filmischen szenenhaften Ablauf. Akustische Halluzinationen können hinzukommen.
        Manche Betroffene haben aber auch Pseudohalluzinationen. Das sind Sinnestäuschungen ohne Wirklichkeitsgewißheit – z.B. Hände, ein Gesicht, ein Totenkopf tauchen auf. Der Patient spricht selbst von „Bildern“, der Trugcharakter wird sogleich erkannt.
      • akustische Halluzinationen
        Diese kommen sehr häufig vor. Es sind meisten Stimmen, die sich dem Menschen aufdrängen und seine Gedankengänge durchbrechen – einfach „dazwischen reden“. Sie können sehr aufdringlich und lästig werden. Aber es können auch Geräusche sein – Knallen, Rauschen, Pferdewiehern…
        Von den Stimmen gibt es solche, die alles, was der Betroffenen macht kommentieren – kommentierende Stimmen.
        Oder es gibt Stimmen, die sich über den Menschen unterhalten – dialogisierende Stimmen.
        Oder es gibt Stimmen, die dem Menschen Befehle erteilen (imperative Stimmen). Es handelt sich oft um gleichgültige Anordnungen (z.B. einen Stuhl ans Fenster rücken), gelegentlich auch um wichtige Forderungen (z.B. einen anderen Menschen oder sich selbst zu töten). Manche Kranke führen ohne Gegenwehr die halluzinierten Befehle aus, andere verhalten sich entgegen den ständig wiederholten imperativen Forderungen besonnen.
        Der Betroffene kann auch Stimmen halluzinieren, die seine Gedanken aussprechen (halluzinatorisches Gedankenlautwerden).
      • Geruchshalluzinationen
        Ist der Geruchssinn in die Halluzinationen mit einbezogen, berichten die Patienten von bitter schmeckendem oder nach Kot riechendem Essen. Oder sie riechen Gas.
      • Geschmackshalluzinationen
        Es handelt sich meist um unangenehme Geschmacksempfindungen (bitteres Essen z.B.), selten um angenehmen Geschmack. Lassen sich oft schwer von Geruchshalluzinationen abgrenzen, da sie häufig zusammen auftreten.
      • Körperhalluzinationen
        Diese können auftreten als abnorme Leibgefühle (Coenästhesien). Das sind eigentümliche im Körper empfundene Gefühle. Z.B. Erlebnisse des Nichtvorhandenseins von Organen oder Extremitäten oder das Gefühl, „elektrisiert“ zu sein oder Hitze-und Kältesensationen. Auch werden Bewegungs-, Zug- und Druckempfindungen im Körperinneren und an der Körperoberfläche oder Brennen, Kribbeln und Schrumpfen der Gliedmaße beschrieben.
        Andere Körperhalluzinationen werden als „von außen gemacht“ empfunden – die Körpersensationen werden also auf Außeneinfluß, auf andere Menschen, fremde Mächte und Kräfte zurückgeführt (leibliche Beeinflussungserlebnisse). Der Mensch ist davon unkorrigierbar überzeugt. Sie erzählen etwa, man würde sie bestrahlen oder mit Nadeln durchbohren. Diese Halluzinationen sind auch oft sexueller Natur. So sind z.B. manche Schizophrene überzeugt, daß eine sexuelle Erregung durch heimliche, nächtliche Vergewaltigungen hervorgerufen werde.

 

  • Somnolenz
    Quantitative Bewusstseinsstörung. Schwere Benommenheit.
    Symptome:
    – Herabsetzung der Aufmerksamkeit
    – Erschwerung der Auffassung
    – Erschwerung der Orientierung in Raum und Zeit
    – Verlangsamung der Denkvorgänge
    – Schwerbesinnlichkeit.
    Die Somnolenz hinterläßt nach Abklingen eine weitgehende, aber meist nicht vollständige Erinnerungslücke.
    Vorkommen:
    – bei akuten exogenen Psychosen (z.B. Vergiftungen, leichtes Schädel-Hirn-Trauma, vorübergehende cerebrale Durchblutungsstörungen…)

 

  • Sopor
    Quantitative Bewusstseinsstörung. Schlafartiger Zustand, aus dem der Patient nur durch stärkere Reize partiell und vorübergehend, jedoch nur bis zum Stadium der Benommenheit „erweckbar“ ist.

 

  • Spinaler Schock nach akuter totaler Querschnittsläsion
    (lat. Laesio „Verletzung“)
    Zu Beginn bestehen eine schlaffe Paraparese mit abgeschwächten oder aufgehobenen Reflexen und ohne Pyramidenzeichen (Stadium des spinalen Schocks, auch als Diaschisis bezeichnet) sowie ein totaler Sensibilitätsausfall und eine Lähmung von Blase und Mastdarm. Man erklärt sich diese Phase durch den Wegfall der tonisierenden Wirkung der kortikospinalen Erregungen auf die Vorderhornganglienzellen. Diese Phase dauert bis zu 3 und manchmal bis zu 6 Wochen. (Mumenthaler)

 

  • Stimmung
    Im Unterschied zum Affekt längerdauernder Gefühlszustand, durch den alle übrigen Erlebnisinhalte eine besondere Färbung erfahren. Hängt mit der Gesamtverfassung von Körper und Psyche zusammen.
    Typische Stimmungen:
    – Traurigkeit
    – Fröhlichkeit
    – Gereiztheit

    • depressive Stimmung
      Gedrückte , pessimistische, hoffnungslose, niedergeschlagene, verzagte Stimmungslage, die die Traurigkeit weit übersteigt. Dazu kommt häufig Antriebsminderung , Angst, Selbsttötungsneigung und vermindertem Selbstwertgefühl. . Die Affekte dazu drücken häufig keine Traurigkeit aus (z.B. mit weinen oder kummervollem Gesichtsausdruck), sonder sie wirken sehr erstarrt, so als ob eine „Gefühlslosigkeit“ in diesem Menschen herrscht.
      Vorkommen:
      – endogene Depressionen
      – reaktive und neurotische Depressionen
      – exogene Depressionen durch Gehirnerkrankungen
    • euphorische Stimmung
      Extrem heitere Stimmung mit Sorglosigkeit, Optimismus, subjektivem Wohlbefinden und gesteigertem Selbstwertgefühl.
      Vorkommen:
      – endogene Manie im Rahmen einer manisch-depressiven Krankheit (affektive Psychose)
      – exogene Manie durch Gehirnerkrankungen oder durch Psychostimulantien u.ä.
    • gereizte Stimmung
      Auf kleine und kleinste Zurücksetzungen oder Fehlschläge wird mit stärkerer Verstimmung, Freudlosigkeit und mühsam beherrschter Wut reagiert.
      Vorkommen:
      – bei Persönlichkeitsstörungen (als extreme Persönlichkeitseigenschaft)
      – besonders aber bei manchen organischen Hirnerkrankungen, z.B. nach Hirnverletzungen und ab und an bei Epilepsie.

 

  • Sucht siehe Abhängigkeit

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  • Abhängigkeit (Sucht)
    Unbeherrschbares Verlangen eines Menschen, sich eine bestimmte Substanz immer wieder zuzuführen oder eine bestimmte Tätigkeit immer wieder auszuführen, obwohl er sich selbst oder anderen dadurch schadet.
    Prinzipiell unterscheidet man Tätigkeits- und Stoffsüchte.
    Als Tätigkeitssüchte bezeichnet man Abhängigkeiten, die nicht an bestimmte Substanzen, sondern an Handlungen gebunden sind. So kennt man z.B. Arbeits-, Kauf-, Fernseh-,Spiel-, Ess- oder Sexsüchte.
    Der Begriff Stoffsucht meint die Abhängigkeit von bestimmten Substanzen, die dem Körper zugeführt werden, den Drogen. Hierunter fallen in erster Linie Sucht erzeugende Medikamente, Rauschmittel und Alkohol. Ihnen gemeinsam ist, dass sie das Bewusstsein oder das Erleben verändern und im weitesten Sinne „angenehme“ Gefühle hervorrufen können. Sie besitzen also ein gewisses Suchtpotential. Stoffe, die o.g. Eigenschaften nicht besitzen (z.B. Neuroleptika), „eignen“ sich nicht als Suchtmittel.
    Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat 1964 die Formen der Abhängigkeit von stofflichen Drogen in zwei Gruppen eingeteilt.
    Psychisch abhängig machend: Amphetamintyp, Cannabistyp, Halluzinogentyp, Kokaintyp.
    Psychisch und körperlich abhängig machend: Alkohol- und Barbiturattyp (inkl. Nikotin), Morphintyp.
    Das weitaus größere Problem ist meist die psychische Abhängigkeit. Der Süchtige kann dem Drang nach der Droge nicht widerstehen, sein Verlangen nach der Droge ist unbeherrschbar (Zwanghafte Komponente). Ihn interessiert nur noch, wie er an „seine“ Droge kommt. Hat er die Droge endlich beschafft, kann er nicht mehr kontrollieren, wie er sie zu sich nimmt. Z.B. teilt er die Nadel mit anderen, obwohl er die Gefahren kennt. Der Süchtige hat auch nicht mehr im Griff, wie viel er konsumiert. Durch diesen Kontrollverlust ist z.B. die Rückfallgefahr bei trockenen Alkoholikern so groß. Nach einem Glas Bier können sie nicht wieder mit Trinken aufhören.
    Körperliche Abhängigkeit zeigt sich in erster Linie durch Entzugserscheinungen bei Wegfall der Droge (z.B. bei Beschaffungsproblemen oder einem Krankenhausaufenthalt nach einem Unfall). Es kommt zu unangenehmen körperlichen Symptomen wie Schwitzen, Zittern, Darmkrämpfen und epileptischen Anfällen. Die körperliche Abhängigkeit zeigt sich auch daran, daß der Körper den Stoff „braucht“ und immer mehr davon verträgt (die Tolleranzschwelle steigt).

 

  • Affekte
    Hier sind in der Psychiatrie sämtliche Gemütsäußerungen gemeint (z.B. Weinen, Lachen), verbunden mit körperlich-vegetativen Begleiterscheinungen (z.B. bestimmte Mimik, Schwitzen …).

 

  • Affektivität (Emotionalität)
    (lat. affectus = Gemütsstimmung, Empfindung, Leidenschaft)
    Ist die Gesamtheit der Gefühlsregungen, Stimmungen und des Selbstwertgefühls eines Menschen (Vieten M. et al.). Bei der Beurteilung der Affektivität sollte man zwischen Stimmungen und Affekten unterscheiden.

 

  • Affektstörungen 
    • Abschwächung aller Gefühle (Gefühlsverarmung)
      Oft schmerzlich empfundene Gefühlsverarmung bis hin zu einem Gefühl der Empfindungslosigkeit. Die Patienten haben das Gefühl, nichts mehr empfinden zu können und innen leer zu sein.
    • Affektinkontinenz
      Eine Steigerung der Affektlabilität. Die Anlässe, die Gemütsäußerungen hervorrufen können, sind hier noch geringfügiger. Der Patient bricht z.B. sofort in Tränen aus, auch wenn ein Thema erwähnt wird, das emotional wenig oder gar nicht belastend ist. Oft ist gar kein Anlaß zu finden. Es entstehen ganz rasch intensive emotionale Reaktionen (überschießendes Lachen oder Weinen), die eine übermäßige Stärke haben und nicht beherrscht werden können. Die emotionalen Äußerungen klingen meist rasch wieder ab.
      Beispiel:
      Ein senil Dementer, den man nach seinem Namen fragt, fängt bitterlich an zu weinen.
      Vorkommen:
      – bei hirnorganischen Schäden (organisches Psychosyndrom, siehe dort!).
      Affektinkontinenz ist zu unterscheiden vom sog. pathologischen Lachen und Weinen(siehe dort), ältere Bezeichnung Zwangslachen und Zwangsweinen.
    • Affektlabilität
      Die Gefühle und Gefühlsäußerungen wechseln rasch, sobald ein bestimmter kleinerer Außenreiz (z.B. bestimmtes Gesprächsthema, strenger Blick, wehmütiger Film…) kommt. Man spricht auch von einer Vergrößerung der affektiven Ablenkbarkeit. Meistens haben die Affekte nur eine kurze Dauer. Sie wechseln dann sofort, wenn ein anderes Thema angeschnitten wird.
      Beispiel:
      Ein Kranker wird im Gespräch sehr angerührt und wehmütig bewegt, wenn man ihn nach seinem Zuhause und nach seinen Angehörigen, vielleicht nach seinem Hund fragt. Andererseits kann ei in der Erinnerung an Schönes rasch wieder aufblühen und in einen gegenteiligen Affekt geraten.
      Vorkommen:
      – bei hirnorganischen Schäden (organisches Psychosyndrom, siehe dort!)
      – habituell bei psycholabilen Menschen (Jemand ist „nahe am Wasser gebaut.“)
      – bei körperlicher und seelischer Erschöpfung (bei sonst unauffälligen Persönlichkeiten), evt. beim prämenstruellen Syndrom
      – bei emotional instabilen Persönlichkeitsstörungen vom impulsiven Typus, bei denen eine besondere Labilität in Richtung Explosivität und Aggressivität besteht
      – bei Kindern
      – bei manisch-depressiven Mischzuständen.
    • Affektsperre
      Unfähigkeit, Gefühle durch Affekte mitzuteilen. Die vorhandenen Gefühle lassen sich nicht an Mimik, Gesichtsausdruck, Gestik ablesen. Die Menschen wirken undurchsichtig.
    • Affektverflachung
      Wird manchmal auch etwas unschön als Abstumpfung, Affektlahmheit, Affektstarre oder Affektverödung bezeichnet.
      Der Betroffene verliert das Mitempfinden, die emotionale Schwingungsfähigkeit (Spannbreite der Gefühle) erringert sich. Es lassen sich Gefühlsäußerungen nur schwer auslösen. Im Extremfall wirken Betroffene nach außen teilnahmelos und gefühlsleer. Hier scheint ein Leidensdruck zu fehlen.
    • Ambivalenz
      Wird meistens in der Literatur zu den Affektstörungen gezählt. Ich habe sie aber unter dem Extrapunkt Ambivalenz gesondert genannt und beschrieben.
    • inadäquate Affekte
      „Unangemessene“ Gefühlsäußerungen. Sie werden auch als paradoxe Affekte bezeichnet. Hier passen die Gefühlsäußerungen eines Menschen nicht mit seinen Gedankeninhalten oder seiner Stimmmung oder einer bestimmten Situation zusammen.
      Man sagt dazu auch Parathymie.
      Z.B. ganz traurige Erlebnisse können munter lächelnd erzählt werden.
      Hier bleibt für den Untersucher aber häufig offen, ob es sich wirklich um eine Inadäquatheit der Gefühle – am Beispiel, der Erzähler empfindet bei der Schilderung des ganz traurigen Erlebnisses gar keine Traurigkeit, im Gegenteil – oder um eine Inadäquatheit der Gefühlsäußerungen (=Paramimie) – am Beispiel, der Erzähler empfindet die Traurigkeit beim Erzählen, nach außen zeigt die Mimik aber das Gegenteil – handelt.

 

  • Ambivalenz
    Es bestehen zugleich miteinander unvereinbare Gefühle oder Vorstellungen oder Absichten oder Wünsche (Uneinheitlichkeit von Fühlen, Denken und Wollen). Die Patienten stecken regelmäßig in einem „Zwiespalt“, was oft als sehr quälend empfunden wird.
    Z.B. Ein Patient will zugleich essen und nicht essen (Wollen). Oder er kann sich – ganz banal – morgens nicht zwischen der roten und der blauen Hose entscheiden. Er ist also ständig hin und her gerissen, was die Alltagsbewältigung ziemlich erschweren – wenn nicht gar unmöglich – machen kann.
    Oder es wird eine Ansicht und gleichzeitig das Gegenteil geäußert (Denken).
    Oder ein Patient empfindet für ein und die selbe Person Hass und Liebe gleichzeitig. Oder er lacht und weint in einer Situation zugleich (Gefühle).
    Vorkommen:
    – Schizophrenie

 

  • Anpassungsstörungen
    Diagnosebegriff aus dem Buch der klinisch-diagnostischen Leitlinien „ICD-10 Kapitel V(F)“ (=Internationale Klassifikation psychischer Störungen, zusammengestellt von der Weltgesundheitsorganisation).
    Die Anpassungsstörungen sind in dem großen Kapitel F4 – Neurotische-, Belastungs- und somatoforme Störungen – „untergebracht“. Und zwar in dem Unterkapitel F43 „Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen“
    Zu diesem Unterkapitel zählen die
    – akute Belastungsreaktion, die
    – posttraumatische Belastungsstörung und
    – Anpassungsstörungen.
    Bei letzteren handelt es sich um Zustände von subjektivem Leiden und emotionaler Beeinträchtigung, die soziale Funktionen und Leistungen behindern und
    während des Anpassungsprozesses nach einer entscheidenden Lebensveränderung oder nach belastenden Lebensereignissen wie auch nach schwerer körperlicher Erkrankung auftreten.
    Die Belastung kann die Unversehrtheit des sozialen Netztes betroffen haben – wie bei einem Trauerfall oder Trennungserlebnnissen – , das weitere Umfeld sozialer Unterstützung oder soziale Werte – wie bei Emigration oder nach Flucht.
    Die Belastung kann dabei nur den Einzelnen oder auch seine Gruppe oder Gemeinde betreffen.
    Die individuelle Disposition oder Vulnerabilität spielt bei dem möglichen Auftreten und bei der Form der Anpassungsstörung eine größere Rolle als bei den anderen Krankheitsbildern dieser Gruppe.
    Es ist aber dennoch davon auszugehen, daß das Krankheitsbild ohne die Belastung nicht entstanden wäre.
    Die Anzeichen sind unterschiedlich. Sie umfassen:
    – depressive Stimmung,
    – Angst,
    – Besorgnis (oder eine Mischung von diesen),
    – ein Gefühl, unmöglich zurecht zukommen, vorauszuplanen oder in der gegenwärtigen Situation fortzufahren, ferner
    – eine gewisse Einschränkung bei der Bewältigung der alltäglichen Routine.
    – Die betroffene Person kann sich so fühlen, als neige sie zu dramatischem Verhalten oder zu Gewaltausbrüchen, wozu es aber selten kommt. Besonders bei Jugendlichen können jedoch Störungen des Sozialverhaltens – wie z.B. aggressives oder dissoziales Verhalten – zu dieser Störung gehören.
    Keines der Symptome ist in diesen Fällen schwer genug oder an sich so markant, daß es eine spezifische Diagnose rechtfertigt.
    Bei Kindern gehören regressive Phenomäne, wie das Wiederauftreten von Bettnässen, Babysprache oder von Daumenlutschen, häufig zu diesem Syndrom.
    Die Störung beginnt im allgemeinen innerhalb eines Monats nach dem belastenden Ereignis oder der Lebensveränderung.
    Die Symptome halten meist nicht länger als 6 Monate an. Dauern die Symptome an, ist die Diagnose zu überdenken.
    Dazugehörige Begriffe:
    – Kulturschock
    – Trauerreaktion
    – Hospitalismus bei Kindern

 

  • Apallisches Syndrom
    Siehe unter Wachkoma im Lexikon.

 

  • Asperger, Hans
    Der Kinderarzt Hans Asperger beschrieb in den 1940iger Jahren als Erster eine bestimmte Form des Autismus, die nach ihm „Asperger-Syndrom“ benannt wurde.

 

  • Asperger-Syndrom
    Er gehört nach der internationalen Klassifikation psychischer Störungen (ICD-10) zu den tiefgreifenden Entwicklungsstörungen. Dies ist eine Gruppe von Störungen, die durch Beeinträchtigungen in der sozialen Interaktion und Kommunikation sowie durch ein eingeschränktes, stereotypes, sich wiederholendes Repertoire von Interessen und Aktivitäten charakterisiert sind.
    Diese Gruppe von Störungen läuft heute auch unter dem Namen „Autismus-Spektrum-Störungen“.
    Beim Asperger-Autismus handelt es sich um eine „abgeschwächte“ Form innerhalb der Autismus-Spektrum-Störungen. Die Intelligenz ist normal bis überdurchschnittlich . Auffällig werden die Kinder ab dem 3. Lebensjahr.

 

  • Autismus
    Man versteht unter Autismus eine „Ich-Versunkenheit“ und Abkapselung von der Realität. Die Patienten leben gewissermaßen in einer „Privatwelt“. Autistische Patienten können sich daher nicht so verhalten, wie es die jeweilige Situation erfordern würde. Beispielsweise befragt ein Patient stundenlang seine Mitpatienten nach ihren Vorfahren und erstellt Stammbäume, ohne das Desinteresse und den Ärger der Mitpatienten überhaupt wahrzunehmen.
    Autismus ist ein Mechanismus, durch den sich der Ich-gestörte Kranke vor Überforderungen schützt.
    Extrem autistische Kranke nehmen keinen Anteil mehr an ihrer Umgebung, sprechen kaum noch (Mutismus ) oder bewegen sich nicht mehr (Stupor ).
    Das Symptom Autismus bei Schizophrenen ist nicht zu verwechseln mit dem ähnlichen Begriff „frühkindlicher Autismus“. Dies ist ein eigenständiges Krankheitsbild, was bei kleinen Kindern auftreten kann. Aber auch hier ist die Kontaktstörung ein wesentliches Symptom.
    Vorkommen:
    – Schizophrenie
    – Neurotische und Belastungsstörungen
    – hirnorganische Störungen
    – frühkindlicher Autismus, Asperger-Syndrom
    – als normale Charaktervariante in schwächerer Ausprägung

 

  • Autismus, atypischer
    Er gehört nach der internationalen Klassifikation psychischer Störungen (ICD-10) zu den tiefgreifenden Entwicklungsstörungen. Dies ist eine Gruppe von Störungen, die durch Beeinträchtigungen in der sozialen Interaktion und Kommunikation sowie durch ein eingeschränktes, stereotypes, sich wiederholendes Repertoire von Interessen und Aktivitäten charakterisiert sind.
    Diese Gruppe von Störungen läuft heute auch unter dem Namen „Autismus-Spektrum-Störungen“. Der atypische Autismus heißt deshalb „atypisch“, weil nicht alle diagnostischen Kriterien, die v.a. für den frühkindlichen Autismus gelten, erfüllt werden.

 

  • Autismus, frühkindlicher
    Auch Kanner-Syndrom. Er gehört nach der internationalen Klassifikation psychischer Störungen (ICD-10) zu den tiefgreifenden Entwicklungsstörungen. Dies ist eine Gruppe von Störungen, die durch Beeinträchtigungen in der sozialen Interaktion und Kommunikation sowie durch ein eingeschränktes, stereotypes, sich wiederholendes Repertoire von Interessen und Aktivitäten charakterisiert sind.
    Diese Gruppe von Störungen läuft heute auch unter dem Namen „Autismus-Spektrum-Störungen“.
    Der frühkindliche Autismus zeigt sich meist vor dem dritten Lebensjahr, meist in der frühen Babyzeit schon. Die Intelligenz ist normal bis unterdurchschnittlich (alle Schweregrade einer geistigen Behinderung sind möglich).
    Autismus-Spektrum-Störungen
    Das ist eine sehr buntgemischte Gruppe von Störungen, deren gemeinsamer Nenner autistische Verhaltensweisen in sehr unterschiedlicher quantitativer Ausprägung sind. Sie gehört nach der internationalen Klassifikation psychischer Störungen (ICD-10) zu den tiefgreifenden Entwicklungsstörungen. Dies ist eine Gruppe von Störungen, die durch Beeinträchtigungen in der sozialen Interaktion und Kommunikation sowie durch ein eingeschränktes, stereotypes, sich wiederholendes Repertoire von Interessen und Aktivitäten charakterisiert sind.
    Dazu zählen u.a. der frühkindliche Autismus und das Asperger-Syndrom.