9. Epilepsie – Differentialdiagnostik, Differentialdiagnosen

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Differentialdiagnosen zur Epilepsie

 

Differentialdiagnostik bedeutet, es sind andere neurologische oder psychiatrische Erkrankungen abzugrenzen, die auch attackenartig auftreten. Die genauen Diagnosen sind wichtig, da die Therapien völlig andere sind.

1 – Synkopen bei Mangeldurchblutung des Gehirns und bei Herzkranken 

(Synkope griechisch = Ausfall, im Sinne von kurzzeitigem Bewußtseinsverlust) Eine plötzliche vorübergehende ungenügende Blutzufuhr im Gehirn bewirkt einen Bewußtseinsverlust mit Hinstürzen.

2 – Tetanie

(tetanos griechisch = Spannung)Tetanie ist eine akute Muskeltonussteigerung durch eine Übererregbarkeit des Nervensystems. Kann auftreten bei

Kalziummangel (nach Schilddrüsenoperation kann evt. die Nebenschilddrüse, die für den Kalziumhaushalt zuständig ist, mit wegoperiert worden sein) oder durch

extreme Mehratmung (Hyperventilation) bei Aufregung z.B. Es kommt zu Verkrampfungen der Muskulatur, besonders in den Extremitäten zu der sog. Pfötchenstellung. Erste Hilfe bei Mehratmung ist das Überstülpen einer Papiertüte oder Beruhigung und dadurch ruhigeres Atmen.

3 – Psychogener Anfall

(psychogen = psychisch bedingt, keine Organschädigung) Psychogene Anfälle haben ein buntes Erscheinungsbild. Sie sind manchmal von epileptischen Anfällen kaum zu unterscheiden. Sie entstehen bei bestimmten Persönlichkeiten besonders vor Publikum und haben meist keine Verletzungen zur Folge, weil die Klienten meistens sehr „gut und sicher“ fallen. Psychogene Anfälle kommen z.B. bei Klienten mit Neurosen vor und sind meist kein willentlicher Vorgang.

4 – Affektkrämpfe

Sind respiratorische (= die Atmung betreffende) Krämpfe im Kleinkindalter. Bei affektiv (= durch Gefühle hervorgerufen) erregtem Schreien kommt es in der Exspirationsphase (Ausatmung) zu einem Glottiskrampf (Krampf der Stimmlippen) mit anschließender Apnoe (Atemstillstand). Das Kind wird für Sekunden bewusstlos, zyanotisch (läuft blau an) und steif. Es kommt aber schnell wieder zu sich.

5 – Fieberkrämpfe

Gelten als Okkasionskrämpfe (Gelegenheitskrämpfe) bei sehr hohem Fieber bei Kleinkindern bis zum 3. Lebensjahr. Es sind „echte“ cerebrale Krampfanfälle, die aber nicht gefährlich sind und ein sehr gute Prognose haben.

6 – Opisthotonus

Der Opisthotonus (gr. ópisthen = rückwärts, Tonus =Spannung) ist ein tonischer Krampf in vor allem der Streckmuskulatur des Rückens und des Nackens. Auftreten kann er bei

Meningitis als Nackensteifigkeit, bei

Strychnintoxikation (früher als Rattengift bekannt) und bei

Tetanus (Wundstarrkrmpf). Letzterer kommt durch das Bakterium Clostridium tetani zustande, welches ein Neurotoxin produziert. Dieses Neurotoxin vergiftet das zentrale Nervensystem (speziell die Hemmungssynapsen des Rückenmarkes und der Medulla oblongata). Und führt zu einem Trismus (tonischen Krampf der Kaumuskulatur des Unterkiefers mit Kiefernsperre), zu tonischer Muskelstarre und klonischen Krampfanfällen. Hier auch Krampfanfälle der Atemmuskulatur bei klarem Bewusstsein) Die Letatlität beträgt unbehandelt ca. 50%.

(Bitte nicht verwechseln Tetanus und Tetanie. Das sind zwei völlig verschiedene Störbilder.)

7 – Narkolepsie

(altgriechisch narkōdēs = erstarrt, hier im Sinne von schlafen) Hier haben die Klienten Schlafanfälle (von Minuten bis Stunden) am Tage, vor allem in Verbindung mit Affektäußerungen (z.B. wenn sie über einen Witz lachen). Die Ursache ist noch ungeklärt. Es sind aber keine epileptischen Anfälle. Eine Therapie besteht in der Gabe von Psychostimulantien.

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  • Dämmerzustände
    Dämmerzustände sind Bewusstseinseinengungen, die oft plötzlich eintreten und ebenso abrupt aufhören. Charakteristisch ist eine starke Einengung auf ein bestimmtes inneres Erlebniselement oder einen entsprechenden Erlebnisbereich und eine nachfolgende Erinnerungslosigkeit (Amnesie). Das Verhalten kann formal geordnet sein (geordneter Dämmerzustand) oder schwerwiegend gestört bis hin zu raptusartigem Verhalten gegenüber der Umwelt und dem eigenen Körper mit Fremd- und Selbstbeschädigungen.

 

  • Delirium tremens
    Wird oft in Psychiatriebüchern als exogene Psychose abgehandelt, weniger unter qualitativen Bewusstseinsstörungen aufgeführt. In diesem Zusammenhang wird dann dieser Zustand als Verwirrtheit und Bewusstseinseintrübung bezeichnet. Es ist ein Zustand mit mangelnder Klarheit des Erlebens und gesteigerter psychomotorischer Aktivität, teilweise oder vollständige Desorientierung und unzusammenhängendem Denken (Verwirrtheit), illusionären Verkennungen und Halluzinationen. Oft sind optische Halluzinationen suggerierbar (dem Patienten „einzureden“). Häufig vegetative Begleiterscheinungen (Schwitzen, Tachycardie, Zittern, Temperaturerhöhung, Austrocknung…). Delirien entstehen nicht plötzlich – wie beim Dämmerzustand – ,sondern haben ein leichtes Anfangsstadium, was allmählich immer schlimmer wird. Auch hier besteht hinterher eine Amnesie, wobei oft „Erinnnerungsinseln“ übrig bleiben.
    Vorkommen:
    – Alkoholentzug bei Alkoholismus
    – Medikamentenentzug bei körperlich abhängig machenden Medikamenten
    – Komplikationen bei verschiedensten Medikamenten wie Atropin, Antiparkinsonmitteln, Antidepressiva…
    – Fliegenpilzvergiftung
    – Stoffwechselentgleisungen
    – als akute organische Psychose bei alten Menschen mit cerebralen Durchblutungsstörungen, Flüssigkeitsmangel und Fieber.

 

  • Demenz
    Demenz entsteht durch Abbau von Gehirnsubstanz aus unterschiedlichen Ursachen. Dadurch gehen alle erlernten geistigen und praktischen Fähigkeiten und ein bestimmtes Persönlichkeitsniveau verloren. Es ist häufig ein chronisch fortschreitender, irreversibler Prozeß.
    Demenzformen sind u.a. Alzheimer-Demenz, Picksche Krankheit, Multiinfarkt-Demenz, Alkohol-Demenz.

 

  • Denken, formales
    Damit ist der Denkablauf, der Gedankengang gemeint. Also z.B. die Denkgeschwindigkeit – angemessen, zu langsam oder zu schnell. Oder denke ich unzusammenhängend oder in ersichtlicher Reihenfolge…

 

  • Denkstörungen, formale
    Sind Störungen des Gedankenganges.

    • Denkzerfahrenheit
      Völlig zusammenhangloses und zerrissenes (inkohärentes) Denken und Sprechen. Im Extremfall „Wortsalat“.
    • Gedankenabreißen (oder Gedankensperre)
      Plötzliches Abbrechen eines bis dahin flüssigen Gedankenganges ohne erkennbaren Grund.
      Oft wird das Gedankenabreißen als Folge eines Gedankenentzugs beschrieben: Der Patient sagt, der Gedanke sei plötzlich weg, jemand habe ihn weggenommen. Die formale Denkstörung wird also vom Patienten als Störung des Ich-Erlebens wahrgenommen.
    • Begriffszerfall
      Die Bedeutung der verschiedenen Wörter werden nicht mehr scharf gegeneinander abgegrenzt. Begriffe der allgemeinen Sprache haben nicht mehr ihre ursprüngliche – für alle verständliche – Bedeutung. Kann einen einzelnen Begriff betreffen oder auch so viele, daß eine Verständigung selbst über Alltagsdinge nicht mehr möglich ist.
    • Neologismen
      Manchmal bilden die Patienten durch Verknüpfung von Begriffen ganz neue Wörter.
      Ein Patient ist z.B. mit seinen Turnschuhen gelaufen und erzählt später, er habe „gelaufsohlt“.

 

  • Differentialdiagnose
    Jede, bei der Diagnosestellung zu berücksichtigende Diagnose, die aufgrund der erfassten Untersuchungsergebnisse in Frage kommt (Zetkin et al.).Es werden also alle Krankheiten berücksichtigt, die ähnliche Symptome wie die vermutete Krankheit haben. Im Laufe der Diagnotik werden diese Krankheiten ausgeschlossen oder es bestätigt sich eine andere Krankheit als die vermutete.Differentialdiagnosen auszuschließen ist wichtig, da die Therapien häufig sehr unterschiedlich sind.

 

  • Differentialdiagnostik
    alle diagnostischen Maßnahmen, Strategien u. Verfahren, die zur ärztl. Untersuchung bei einer Gesundheitsstörung bzw. Beratungsursache angewandt werden; insbes. Befragung (Anamnese), körperliche, ggf. apparative u. Laboruntersuchungen. Es sollen Differentialdiagnosen ausgeschlossen oder bestätigt werden. Das ist wichtig, um die richtige spezielle Therapie anzuwenden.

 

  • Dyskinetische Syndrome
    Als dyskinetische Syndrome werden Syndrome mit einer Störung des normalen Bewegungsablaufs (Kinese = Bewegung) bezeichnet. In der Literatur werden damit häufig Spätdyskinesien nach Gabe von hochpotenten Neuroleptika (Antipsychotika) gemeint. Man sagt dazu auch tardive (= verzögert, spät) Dyskenisien, weil die Bewegungsstörungen erst auftreten nach langjähriger Neuroleptikagabe. Es sind Bewegungsstörungen des Extrapyramidalen Systems, wie Mümmeln, Grimmassieren, Schmatzen, aber auch choreatische (schleudernde Bewegungen der Extremitäten) und athetotische (schraubende Bewegungen in den Gelenken vor allem der Hände, Arme, des Halses, des Oberkörpers mit extremer Überstreckung der Extremitäten) der Bewegungen.