11. Epilepsie – Prognose

11Epilepsie Prognose

Prognose ist die Vorhersage des Verlaufes einer Erkrankung.

Der Verlauf der Epilepsie bei einem Menschen kann sehr unterschiedlich sein:

  • Gute medikamentöse Einstellung, danach keine oder nur vereinzelte epileptische Anfälle. Das kommt am häufigsten vor.
  • Bei manchen Menschen wirken die Medikamente nicht oder kaum (Medikamentenresistenz). Aber chirurgische Entfernung des Herdes oder ein Vagusschrittmacher greifen sehr gut.
  • Wenn sich Ursachen beseitigen lassen bei sekundären Epilepsien (z.B. ein Entzündungsherd), treten danach meistens keine Anfälle mehr auf. Hier ist oft die bereits durch die Ursache entstandene Hirnschädigung von Bedeutung.
  • Eine kleine Gruppe von Menschen mit Epilepsie ist total therapieresistent.

 

10. Epilepsie – Therapie, Betreuung

10 Epilepsie Therapie Betreuung

1 – Während eines Anfalls

WährendEinesAnfalls
Unterrichtsfolie, -übersicht: Maßnahmen während und nach einem Anfall (Grand Mal)

2 – Status epilepticus

Notfall! Notarzt, Einweisung auf Intensivstation.

3 – Lebensgestaltung

 

Lebensgestaltung
Unterrichtsfolie, -übersicht: Lebensgestaltung

4 – Langzeittherapie

Antiepileptika (= Antikonvulsiva)

5 – Operative Therapie

Bei Medikamentenresistenz und günstiger Lage eines Herdes: chirurgische Beseitigung dieses Herdes.

6 – Vagusschrittmacher

Der Vagusnerv ist ein Hirnnerv. Er dient der Ruhe, Erholung und Verdauung und ist der wichtigste parasympathische Nerv. Wenn er stimuliert wird durch einen Schrittmacher – so wie das Herz mit einem Herzschrittmacher – , wird u.a. das Gehirn gedämpft. So, als würde jemand Antiepileptika zu sich nehmen. Dadurch können Anfälle verhindert werden.
Anwendung: therapieresistente Epilepsien

7 – Therapiehunde

8 – Heilpädagogisches Handeln

EpilepsieHpHandeln
Unterrichtsfolie, -übersicht: Heilpädagogisches Handeln bei Epilepsie
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Foto: Pexels.com

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9. Epilepsie – Differentialdiagnostik, Differentialdiagnosen

9DifferentialdiagnostikDDignosen

Differentialdiagnosen zur Epilepsie

 

Differentialdiagnostik bedeutet, es sind andere neurologische oder psychiatrische Erkrankungen abzugrenzen, die auch attackenartig auftreten. Die genauen Diagnosen sind wichtig, da die Therapien völlig andere sind.

1 – Synkopen bei Mangeldurchblutung des Gehirns und bei Herzkranken 

(Synkope griechisch = Ausfall, im Sinne von kurzzeitigem Bewußtseinsverlust) Eine plötzliche vorübergehende ungenügende Blutzufuhr im Gehirn bewirkt einen Bewußtseinsverlust mit Hinstürzen.

2 – Tetanie

(tetanos griechisch = Spannung)Tetanie ist eine akute Muskeltonussteigerung durch eine Übererregbarkeit des Nervensystems. Kann auftreten bei

Kalziummangel (nach Schilddrüsenoperation kann evt. die Nebenschilddrüse, die für den Kalziumhaushalt zuständig ist, mit wegoperiert worden sein) oder durch

extreme Mehratmung (Hyperventilation) bei Aufregung z.B. Es kommt zu Verkrampfungen der Muskulatur, besonders in den Extremitäten zu der sog. Pfötchenstellung. Erste Hilfe bei Mehratmung ist das Überstülpen einer Papiertüte oder Beruhigung und dadurch ruhigeres Atmen.

3 – Psychogener Anfall

(psychogen = psychisch bedingt, keine Organschädigung) Psychogene Anfälle haben ein buntes Erscheinungsbild. Sie sind manchmal von epileptischen Anfällen kaum zu unterscheiden. Sie entstehen bei bestimmten Persönlichkeiten besonders vor Publikum und haben meist keine Verletzungen zur Folge, weil die Klienten meistens sehr „gut und sicher“ fallen. Psychogene Anfälle kommen z.B. bei Klienten mit Neurosen vor und sind meist kein willentlicher Vorgang.

4 – Affektkrämpfe

Sind respiratorische (= die Atmung betreffende) Krämpfe im Kleinkindalter. Bei affektiv (= durch Gefühle hervorgerufen) erregtem Schreien kommt es in der Exspirationsphase (Ausatmung) zu einem Glottiskrampf (Krampf der Stimmlippen) mit anschließender Apnoe (Atemstillstand). Das Kind wird für Sekunden bewusstlos, zyanotisch (läuft blau an) und steif. Es kommt aber schnell wieder zu sich.

5 – Fieberkrämpfe

Gelten als Okkasionskrämpfe (Gelegenheitskrämpfe) bei sehr hohem Fieber bei Kleinkindern bis zum 3. Lebensjahr. Es sind „echte“ cerebrale Krampfanfälle, die aber nicht gefährlich sind und ein sehr gute Prognose haben.

6 – Opisthotonus

Der Opisthotonus (gr. ópisthen = rückwärts, Tonus =Spannung) ist ein tonischer Krampf in vor allem der Streckmuskulatur des Rückens und des Nackens. Auftreten kann er bei

Meningitis als Nackensteifigkeit, bei

Strychnintoxikation (früher als Rattengift bekannt) und bei

Tetanus (Wundstarrkrmpf). Letzterer kommt durch das Bakterium Clostridium tetani zustande, welches ein Neurotoxin produziert. Dieses Neurotoxin vergiftet das zentrale Nervensystem (speziell die Hemmungssynapsen des Rückenmarkes und der Medulla oblongata). Und führt zu einem Trismus (tonischen Krampf der Kaumuskulatur des Unterkiefers mit Kiefernsperre), zu tonischer Muskelstarre und klonischen Krampfanfällen. Hier auch Krampfanfälle der Atemmuskulatur bei klarem Bewusstsein) Die Letatlität beträgt unbehandelt ca. 50%.

(Bitte nicht verwechseln Tetanus und Tetanie. Das sind zwei völlig verschiedene Störbilder.)

7 – Narkolepsie

(altgriechisch narkōdēs = erstarrt, hier im Sinne von schlafen) Hier haben die Klienten Schlafanfälle (von Minuten bis Stunden) am Tage, vor allem in Verbindung mit Affektäußerungen (z.B. wenn sie über einen Witz lachen). Die Ursache ist noch ungeklärt. Es sind aber keine epileptischen Anfälle. Eine Therapie besteht in der Gabe von Psychostimulantien.

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8. Epilepsie – Diagnostik

 

8EpilepsieDiagnostik

Diagnostik der Epilepsie

1 – Beobachtung, Beschreibung der Anfälle

Ganz wichtig für die Diagnostik ist eine gute Beobachtung der Anfälle. Wenn keiner der vielen Beobachtungsbögen vorhanden ist – vielleicht weil es der erste Anfall ist – reicht eine ausführliche formlose Beschreibung.

2 – Anamnese

Die Krankengeschichte bzw. Vorgeschichte erfolgt durch Befragung des Patienten (Eigenanamnese) oder einer dritten Person (Fremdanamnese). Z.B. könnte ein Schädel-Hirn-Trauma oder andere Vorerkrankungen auf die Ursache der Epilepsie hinweisen.

3 – EEG = Elektroencephalographie

Bei der Arbeit der Nervenzellen im Gehirn entsteht elektrische Aktivität. Diese wird durch das EEG gemessen. Das EEG ist somit Spiegel der elektrischen Aktivität des Gehirns.

Kleine Metallblättchen (Elektroden) auf der Kopfhautoberfläche leiten den Strom bzw. die Spannungsschwankungen ab. Diese werden elektronisch verstärkt und können dadurch mit einem Registriergerät aufgezeichnet werden. Bildlich werden sie dann als „Wellen und Täler“ gesehen. Je nach Form und Amplitude der Wellen kann man eine Aussage über die elektrische Aktivität machen. Entsprechen die Wellen nicht den Normen, liegt irgendeine Störung des Gehirns über den entsprechenden Ableitungsorten vor.

Die genaue Art der Störung muss man dann durch andere Untersuchungsmethoden herausbekommen.

Angezeigt (indiziert) ist ein EEG bei der Beurteillung von Krampfleiden, bei Verdacht auf Tumore, Multipler Sklerose etc.

4 – cCT = craniale Computertomographie

Es werden Röntgenstrahlen verwendet. Allerdings ist die Röntgenbelastung wesentlich geringer als bei den herkömmlichen Röntgenaufnahmen.

Um den Klienten herum dreht sich eine Röntgenröhre. Diese wird von außen durch einen Detektorring begrenzt. Der Detektor ist ein Gerät, was die verbliebene Strahlung wieder aufnimmt und die Strahlenintensität misst. Die Röntgenstrahlung geht also durch den Körper – hier im speziellen Fall durch den Schädel = cranium – durch. Und die Reststrahlung, die wieder herauskommt, wird gemessen. Die Zahlenwerte werden in einen Computer gegeben. Dieser rechnet dann alle Zahlenwerte in ein zweidimensionales Bild um.

Die scheibchenförmigen Schnitte vom Schädel sind also keine herkömmlichen Röntgenbilder, sondern rein errechnete Bilder.

5 – MRT = Magnetresonanz-Tomographie = Kernspintomographie

Hier werden ebenfalls Schnittbilder erzeugt. Das Prinzip ist das gleiche wie bei der Computertomographie. Es werden aber keine Röntgenstrahlen verwendet. Sondern es wird ausgewertet, wie sich das Gehirn in einem starken Magnetfeld verhält. Ein Magnetfeld richtet die Wasserstoffkerne des Gewebes in eine Richtung aus. Ein kurzer Hochfrequenzimpuls „rüttelt“ an dieser Ausrichtung. Beim Zurückschwingen der Wasserstoffkerne in ihre ursprüngliche Position werden elektromagnetische Wellen ausgesandt, die von speziellen Sensoren (Detektor) registriert werden. Es ergibt sich ein Muster, das von einem Computer in ein sichtbares Bild verwandelt wird, vergleichbar den Schnittbildern im CT.
Vorteil: kontrastreichere Darstellung und keine schädlichen Röntgenstrahlen.
Nachteil: sehr teure Geräte, langes Stillliegen in enger, langer Röhre (bis 30 Minuten), klaustrophobische Reaktionen.

6 – LP = Lumbalpunktion

Die Lumbalpunktion ist eine Untersuchung des Liquors (Liquor = Hirnwasser bzw. Rückenmarkswasser). Der Liquor ist eine wässrig-klare Flüssigkeit, die unser Gehirn und unser Rückenmark umspült.

Die LP wird gemacht als diagnostisches Mittel bei Epilepsie bei Verdacht auf eine Meningitis (= Hirnhautentzündung) , Encephalitis (=Gehirnentzündung), Multiple Sklerose oder anderer Hirnerkrankungen.

Diese Untersuchung machen Sie als Heilpädagoge, Heilerziehungspfleger, Kranken- oder Altenpfleger natürlich nicht. Sie sollten aber gut darüber Bescheid wissen, um professionell den Klienten aufzuklären bzw. ihm das medizinische Vokabular übersetzen zu können. Viele Klienten haben nämlich sehr große Angst vor dieser Untersuchung.

Man kann Liquor im Lendenbereich entnehmen und auf Gehirnveränderungen schließen, weil der Liquor sowohl Gehirn als auch Rückenmark umspült und eine Einheit darstellt.

Bei dieser Untersuchung wird der Liquor mit einer speziellen Hohlnadel durch das Eindringen in den Wirbelkanal zwischen den Wirbelkörpern der unteren Lendenwirbelsäule – meist zwischen den Dornenfortsätzen des 3. und 4. Lendenwirbelkörper – entnommen.

Die Hohlnadel sticht durch den Epiduralraum (epi= darauf, daneben, Dura = harte Hirnhaut, also der Raum, der auf der harten Hirnhaut liegt),die Dura mater (=harte Hirnhaut) und Arachnoidea (=Spinnwebenhaut) durch bis zu dem Subarachnoidalraum (sub= unter, also der Raum unter der Spinnenwebenhaut gelegen) , wo sich der Liquor befindet. Es werden nur wenige Milliliter entnommen.

Die Untersuchung erfolgt im Sitzen oder auf der Seite liegend, wobei der Betroffene einen möglichst runden “Katzenbuckel” machen muss.

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7. Epilepsie – Komplikationen

7 Epilepsie - Komplikationen

1 – Status epilepticus

Ein Status epilepticus bedeutet, dass viele Grand mal-Anfälle hintereinander erfolgen, ohne dass das Bewusstsein wiedererlangt wird. Manche Klienten können stundenlang krampfen.

Bei einem Grand mal kommt es zu wiederholten zentralen Atemstillständen. Bei einem kurzen Grand mal ist dies nicht weiter gefährlich, aber bei vielen Grand mal-Anfällen hintereinander über eine längere Zeit hinweg entsteht ein gravierender Sauerstoffmangel im Gehirn.

Es entstehen hypoxische Gewebsnekrosen (hypoxisch = durch Sauerstoffmangel bedingt, Nekrosen = abgestorbenes, totes Gewebe). Die Letalität (Sterblichkeit) durch einen Status epilepticus ist trotz guter medizinischer Betreuung sehr hoch (ca. 10%).
Ein Grand-Mal-Anfall, der länger als 5 Minuten andauert, gilt als Status epilepticus.
Andere epileptische Anfälle können auch zu einem Status epilepticus „ausarten“. Dieser ist bei weitem aber nicht so gefährlich, da es zu keinem Atemstillstand kommt.

 

2 – Unfälle jeglicher Art

Da manche epileptische Anfälle mit Bewußtlosigkeit einhergehen, kann es in diesem Zustand zu Unfällen kommen. Zum Beispiel fällt der Klient zu Boden und bekommt ein Schädel-Hirn-Trauma, weil er hart mit dem Kopf gegen die Tischkante fällt.

Besonders  unfallgefährdet sind Menschen im Grand-Mal. Gut ist es, wenn sie bewusst eine Aura erleben. Dann können sie sich in Sicherheit bringen, z.B. sich auf den Fußboden legen.

Wie Sie gesehen haben, gibt es unzählige Anfallstypen  außer dem Grand-Mal. Aber bei jedem Anfallstyp kann die Möglichkeit bestehen, dass sich ein Grand-Mal entwickelt. Aus diesem Grunde sollten auch „harmlose“ Anfälle – z.B. ein sensibler fokaler Anfall im rechten Armbereich mit Missempfindungen wie Ameisenlaufen – medikamentös behandelt werden.

Also: Ein „normaler“ Grand-Mal ist an sich nicht gefährlich, aber ein schwerer Unfall durch das Hinstürzen.

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6. Epilepsie – Psychische Auffälligkeiten

6 Psychische Auffälligkeiten

Es kann bei Epileptikern zu psychischen Auffälligkeiten kommen. (Muss aber nicht unbedingt.) Die können sehr vielfältig sein. Es können 2 große Gruppen auftreten:
1. exogene Psychosen (Erläuterung siehe unten)
2. reaktive Störungen (Erläuterung siehe unten)
In mancher Literatur wird noch von einer 3. Gruppe gesprochen, der
3. Wesensveränderung.
Dies ist aber sehr umstritten. Bei seltenem Anfallsauftritt ist dies auf jeden Fall nicht zu beobachten, v.a. wenn es sich nicht um große Anfälle handelt. Man könnte sich aber vorstellen, wenn jemand sein Leben lang sehr häufig länger anhaltende Grand-mal-Anfälle hat, dass sich der Sauerstoffmangel im Gehirn summiert und doch viele Nervenzellen untergehen und sich der Mensch verändert im Sinne von Umständlichkeit, Schwerfälligkeit, Verlangsamung, Haftenbleiben von Gedanken (also immer bei einem Thema bleiben). Es könnte aber auch sein, dass die die Epilepsie hervorrufende ursprüngliche Orginalschädigung des Gehirn dafür verantwortlich ist. Also: hin und wieder epileptische Anfälle schaden dem Gehirn nicht!!!!

 

1 – Exogene Psychosen
Psychosen sind schwere psychische Störungen, bei denen der Realitätsbezug des Klienten gestört ist. D.h., die Klienten haben ihre eigene private Realität, sie befinden sich auf einer anderen Realitätsebene als die so genannten „normalen“ Menschen. Sie sind also im wörtlichen Sinne „ver-rückt“. Da ihre Realität anders als unsere ist, kommt es häufig zu Kommunikationsstörungen, weil wir sie nicht verstehen und sie uns nicht. Exogene Psychosen sind Psychosen, die auftreten, weil das Gehirn in irgendeiner Weise gestört ist. Es ist also hirnorganisch „etwas nicht in Ordnung“, z.B. wenn Sie zuviel Alkohol trinken, haben Sie einen Rauschzustand und haben damit eine exogene Psychose. Auch wenn Sie dement werden, haben Sie Psychosen, weil das Gehirn zerstört wird. Und da bei jeder Epilepsie eine Hirnschädigung – und sei sie noch so klein – oder eine funktionale Hirnstörung vorliegt, können Klienten eine Psychose bekommen. „Exogen“ bedeutet hier nicht „von außen“, sondern es entsteht eine Störung durch „etwas, was da nicht hingehört“, z.B. Tumor, Durchblutungsstörung, FKH…).

Wann treten sie auf?
Sie können zu jeder Zeit auftreten, einfach so. Manche exogene Psychosen treten innerhalb der Aura auf (z.B. Geräusche hören, Lichtblitze sehen, manische oder depressive Verstimmungen).
Sie können aber auch nach einem Anfall auftreten (z.B. Dämmerzustände).

Oder sie kommen als Alternativpsychose vor. Diese kann man hin und wieder beobachten bei Klienten, die lange Zeit keinen epileptischen Anfall hatten und bei denen es aber „üblich“ war, in bestimmten Zeitabständen Anfälle zu bekommen. Stattdessen werden sie psychotisch. Meistens beendet der nächste epileptische Anfall diese Psychose. (Diese – auch schon in der früheren Psychiatrie – Beobachtung war die Geburtsstunde der umstrittenen Elektrokrampfbehandlung (EKB): Die elektrische Aktivität im Gehirn wird erhöht, ein generalisierter großer epileptischer Anfall ausgelöst und die psychische Ausnahmesituation „verschwindet“. Wie das genau funktioniert, ist bis heute noch nicht richtig geklärt.

Dämmerzustände
Der Klient „fällt“ in einen Dämmerzustand, es „passiert“ also relativ schnell. Am Ende verschwindet er oft allmählicher, bei manchen aber auch zeitlich scharf begrenzt. Die Dauer ist sehr unterschiedlich, Minuten bis selten Stunden.
Das Bewusstsein ist eingeengt auf ganz wenige äußere Dinge. Man nimmt die Welt wie mit einem „Tunnelblick“ wahr. Alles andere wird ausgeblendet. Deshalb reagieren die Klienten auch nicht auf Ansprache bzw. nicht adäquat. Sie sind desorientiert.
Das Bewusstsein kann evt. getrübt (leichte Benommenheit) sein, muss aber nicht.
Das Verhalten des Klienten kann geordnet sein, die Umwelt bekommt gar nicht mit, dass sich der Klient in einem Dämmerzustand befindet. Oft werden aber unbesonnene, sinnlose Handlungen ausgeführt, z.B. wie das Wasser aus der Vase kippen, Kämmbewegungen, lachen, schmatzen, Kampfbewegungen ausführen…
Es können illusionäre Verkennungen (Dinge werden anders als in der Realität wahrgenommen, z.B. aus Ästen werden lange Finger, aus Wolken Ungeheuer, aus dem Heilpädagogen die Mutter) und Halluzinationen (Sinnestäuschungen ohne jeglichen realen Hintergrund) auftreten.
Wenn der Klient aus dem Dämmerzustand herausgekommen ist, hat er eine Amnesie (Erinnerungslücke) für diesen. Seltener kann er sich an kleine Bruchstücke erinnern.

Durchgangssyndrome
Bei Durchgangssyndromen haben die Klienten psychische Auffälligkeiten, die vorübergehend sind, also „durchgehen“ und dann wieder – mehr oder weniger schnell – weg sind. Sie weisen immer auf eine Hirnfunktionsstörung hin. Meistens bedeutet dieser psychische Zustand, dass die Klienten wach und nicht benommen sind. Sie haben also keine quantitative Bewusstseinsstörung. In der Praxis und auch in manchen Lehrbüchern wird sich allerdings nicht so streng an diese Definition gehalten.

o Paranoid-halluzinatorische Psychosen
Hier haben die Klienten v.a. Sinnestäuschungen und Wahnidee. Wahnideen sind inhaltliche Denkstörungen, an denen der Klient unkorrigierbar festhält. Sie können einfach so in die Gedanken des Klienten kommen ohne realen Hintergrund (= Wahneinfälle). Oder die Klienten deuten etwas aus der Realität wahnhaft – d.h. nicht der Realität entsprechend – um (= Wahnwahrnehmungen)

o Halluzinatorische Psychosen mit Geruchs- und Geschmackssinnes- täuschungen

o Depressive Psychosen
Hier liegt vor allem eine hoffnungslose, resignierte Stimmung vor mit verlangsamten Denken (=Denkhemmung) und vermindertem Antrieb.

o Manische Psychosen
Die Stimmung der Klienten ist unangemessen euphorisch, der Antrieb gesteigert.

o De`ja-vu-Erlebnisse
Frz. „schon gesehen“, ist eine Erinnerungsfälschung, eine qualitative Gedächtnisstörung, die bei gesunden Menschen mal auftreten kann, bei Epileptikern aber gehäuft. Dem Klienten kommen Situationen bekannt vor.

 

2 – Reaktive Störungen
Reaktive Störungen können bei allen als Belastung erlebte Ereignisse auftreten. Sie sind psychische Auffälligkeiten, die auftreten können als Reaktion auf das belastende Erlebniss. So wird vielleicht ein Mensch mit der Diagnose „Epilepsie“ nicht fertig. Oder er fühlt sich von der Umwelt mit dieser Erkrankung geächtet oder ausgegrenzt, fühlt sich vielleicht nicht vollwertig. Es können auftreten

– Depressive oder gereizte Verstimmungen
– Alkoholmissbrauch
– Selbstisolierung
– Erhöhte Suizidrate im Vergleich zur „Normal“bevölkerung.

 

6 Psychische Auffälligkeiten
Psychische Auffälligkeiten bei Epilepsie

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5. Epilepsie – Einteilung und Beschreibung von Anfällen

Epilepsie Einteilung und Beschreibung von Anfällen

5.1. Einteilung von epileptischen Anfällen

Es gibt sehr viele Anfallsformen und viele Einteilungsmöglichkeiten.
Ich lehne mich an den Vorschlag der Internationalen Liga gegen Epilepsie www.ilae.org an und vereinfache etwas.
Es gibt aber auch viele Anfälle, die man nicht „ordentlich“ einteilen kann.

Es gibt zwei große Gruppen von Anfällen:

1. Generalisierte Anfälle
(generalisiert = verallgemeinert) : Generalisierter Anfall

Die gesamte Hirnrinde und z.T. tiefere Schichten haben eine erhöhte elektrische Aktivität.

2. Partielle oder fokale Anfälle (partiell = teilweise, fokal = von einem Herd ausgehend):

Fokaler Anfall

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Foto: Aleksandr Slobodianyk von Pexels.com

Die elektrische Aktivität ist in einem mehr oder weniger großen Abschnitt des Gehirns – meist Hirnrinde – erhöht. Von diesen Gehirnabschnitten kann es aber zu jeder Zeit zu einer sekundären Generalisierung kommen. Muss aber nicht. Das bedeutet, dass von einem Herd aus sich – so wie die Wellen um einen in den See geworfenen Stein – die Entladung von Nervenverbänden auf der Hirnrinde ausbreiten kann, bis zur gesamten Hirnrinde und tieferen Schichten. So kann aus einem fokalen Anfall ein generalisierter Anfall entstehen.

In diesen beiden Gruppen gibt es jeweils wieder einige Untergruppen von Anfällen. Ich nenne sie hier nur namentlich und beschreibe sie dann unter 5.2. .

Zu den generalisierten Anfällen gehören

Grobeinteilung der Anfälle
Epileptische Anfälle – Grobe Einteilung

1- Grand mal-Anfall (französisch = großes Übel). Groß deshalb, weil die Anfälle sehr dramatisch, großartig verlaufen.

2- Petit mal-Anfälle (französich = kleines Übel). Klein deshalb, weil die Anfälle meist unspektakulär und relativ kurz verlaufen.

 

Zu den fokalen (partiellen) Anfällen gehören

1- Einfache fokale Anfälle und

2- Komplex fokale Anfälle.

 

Hier die ausführlichere Klassifikation:

Anfallsformen
Epileptische Anfälle – Klassifikation

5.2. Beschreibung einiger Anfälle

Damit Sie den Überblick bis zum Schluss behalten, schauen Sie immer wieder auf die obige Abbildung, auf die ausführliche Klassifikation der epileptischen Anfälle.

5.2.1. Generalisierte Anfälle

5.2.1.1. Grand mal

Der Anfall verläuft in verschiedenen Stadien:

1. Aura

(aura lateinisch = Lufthauch, im Sinne von „es liegt etwas in der Luft“, eine Vorahnung) Die Mehrzahl der Epileptiker hat keine Aura. Diese ist eigentlich sehr nützlich, da der Klient sich noch rechtzeitig in Sicherheit bringen kann. Die Aura gilt als ein fokaler Anfall, der sich dann sekundär generalisiert und mit dem 2. Stadium dann weitergeht.

Es können in der Aura auftreten:

  • Sprachstörungen,
  • Unbehagen,
  • Gemütsänderungen,
  • Missempfindungen,
  • Halluzinationen,
  • Bewusstseinsveränderungen wie De`ja- vu – Erlebnisse (französich „schon einmal gesehen“, Situationen kommen einem bekannt vor, ist aber eine Erinnerungsfälschung) und
  • Entfremdungserlebnisse (alles – auch ich mir selber – kommt mir fremd und unwirklich vor).

Die Dauer der Aura ist sehr unterschiedlich – von Minuten über Stunden, seltener auch mal länger.

2. Tonisches Stadium 

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Foto: Patricia Hildebrandt von Pexels.com

Der Klient wird bewusstlos, es kommt zu einem Streckkrampf der gesamten quergestreiften Muskulatur. Der Klient stößt eine Schrei aus. Dieser wird als Initialschrei bezeichnet (initial = Beginn). Der Schrei ist nicht bewusst, es wird lediglich bei der Verkrampfung aller quergestreiften Muskeln Luft herausgepresst durch die Stimmritze, was sich als Laut äußert. Der Klient stürzt zu Boden. Dauer insgesamt ca. einige Sekunden.

3. Klonisches Stadium

Es kommt zu rhythmischen Zuckungen der gesamten quergestreiften Muskulatur. Vor dem Mund kann es zur Schaumbildung kommen, da die Kaumuskeln auch krampfen und den Speichel im Mund sozusagen zu Schaum schlagen. Meist beißt sich der Klient auf die Zunge und es kann zu heftigen Blutungen kommen. Außerdem kann es zum Einnässen und Einkoten kommen. Das Stadium wirkt äußerst dramatisch auf den Beobachter, ist aber eigentlich nur gefährlich, wenn sich der Klient durch die starke Bewegung verletzt. Dauer in der Regel 2 bis 3 Minuten.

4. Terminalschlaf

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Foto: Marcelo Moreira von Pexels.com

Anschließend fällt der Klient in einen tiefen Schlaf (Terminator = der Beender), den Sie als Betreuer nicht unterbrechen sollten. Er kann wenige Minuten bis viele Stunden (sogar bis zu 12 Stunden) andauern. Manche Klienten schlafen nicht, sondern fallen für einige Zeit in einen Dämmerzustand (siehe Lexikon D). Sie sollten hierbei nicht alleine gelassen werden, da es zu Fehlhandlungen kommen kann und sie desorientiert sind.

Nach dem Schlaf haben die Klienten eine Amnesie (= Erinnerungslücke) für den Anfall. Für die Aura liegt nicht immer eine Amnesie vor. Manche – die nicht so häufig Anfälle haben – bekommen einen starken Muskelkater. Im EEG (siehe Diagnostik) kann man während des Anfalls typische Spitzen und Wellen sehen.

 

5.2.1.2. Petit mal

Diese Anfälle kommen vor allem im Kindes- und Jugendalter vor, können aber auch in jedem anderen Alter auftreten. Im Folgenden werden keine Stadien beschrieben, sondern es sind alles separate Anfallstypen. Die meisten Petit-mal-Anfälle gehen mit Bewusstlosigkeit einher, aber nicht alle.

 

5.2.1.2.1. Absencen

Es kommt plötzlich zu einer Bewußtseinspause bis zu 20 Sekunden, bei der der Klient mit offenen, leeren Augen vor sich hin starrt. Wenn die Augen sich nach oben richten, spricht man von „Hans-guck-in-die-Luft“-Blick.

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Foto: Sophie Noble von Pexels.com

Es kommt evt. zu Klonismen (kleinen Zuckungen) der Augen-und Gesichtsmuskulatur und evt. zum Verdrehen des Kopfes nach oben. Haben Klienten 50 und mehr Absencen pro Tag, wird in mancher Literatur von Pyknolepsie gesprochen.
Im EEG sieht man während der Absencen 3/s Spikes and Waves (Spitzen und Wellen), siehe auch Diagnostik.
Die Absencen kommen v.a. im Alter von 5 bis 15 Jahren vor.

 

5.2.1.2.2. BNS-Anfälle

= Blitz-Nick-Salaam-Anfälle
= West-Syndrom
= Propulsiv-Petit-mal
= maligne Säuglingsepilepsie
= infantile Spasmen
Die Kinder oder Säuglinge beugen blitzartig den Kopf vor und „klappen“ die Arme und Beine nach vorne. Arme- und Kopfvorbeugen erinnert an den islamischen Gruß „Salaam meileikum“ mit entsprechender Gestik. BNS-Anfälle kommen vor allem im 1.Lebensjahr vor. Sie weisen oft auf eine sehr schwere Hirnschädigung hin.
Dauer ca. 2-3 Sekunden.

5.2.1.2.3. Lennox- Anfälle

Die Klienten fallen blitzartig zu Boden. Das Bewusstsein kann dabei erhalten bleiben. Es betrifft v.a. Kinder zwischen dem 3. und 4. Lebensjahr. Es sind verschiedene Anfallsbilder möglich. Meistens sind es tonische Anfälle (Streckkrampf), aber auch atonische Anfälle („Zusammensacken“ des Körpers). Es treten sehr viele Anfälle am Tag und im Schlaf auf.

 

5.2.1.2.4. Myoklonien

Bei den Klienten zucken die Extremitäten serienmäßig nach hinten. Sind die Beine mit betroffen, stürzen sie hin. Falls sie etwas in den Händen haben – z.B. eine Kaffeetasse – wird es nach hinten weggeschleudert. Das Bewusstsein bleibt meistens erhalten. Es betrifft vor allem Menschen in der Pubertät.

 

5.2.1.2.5. Tonischer Anfall

Ist ein Streckkrampf der quergestreiften Muskulatur ohne rhythmischen Zuckungen. Das Bewusstsein kann erhalten bleiben. Der Klient verharrt in der verkrampften Körperhaltung. Evt. stürzt der Klient hin. Der Anfall ist meist sehr kurz (1 bis 30 Sekunden).

 

5.2.2. Fokale (partielle) Anfälle

5.2.2.1. Einfache fokale Anfälle

5.2.2.1.1. Einfache fokal motorische Anfälle

Zuckungen in den der motorischen Hirnrinde entsprechenden Muskeln.

5.2.2.1.2. Motorische Jackson-Anfälle

Beginn mit Zuckungen in einem bestimmten Gebiet – z.B. rechte Hand – , Fortschreiten des Krampfes bis zum Halbseitenkrampf.

5.2.2.1.3. Einfache fokal sensible Anfälle

Missempfindungen, Kribbeln in den der sensiblen Hirnrinde entsprechenden Hautarealen.

5.2.2.1.4. Sensible Jackson-Anfälle

Fortschreiten der sensiblen Erscheinungen bis zur Körperhälfte.

5.2.2.1.5. Sensorische Anfälle

Bereiche des Gehirns, die für die Sinnesorgane zuständig sind, weisen eine erhöhte elektrische Aktivität auf, z.B. Sehrinde, Hörzentrum, Geschmacks- oder Geruchszentrum. Dadurch sind Sinnentäuschungen in allen Sinnesbereichen möglich (Geräusche, Gerüche, Lichtblitze).

5.2.2.1.6. Adversivkrämpfe

Es kommt zu einer Blickwendung und Seitwärtsdrehung des Kopfes und evt. des gesamten Körpers.

 

5.2.2.2. Komplex-fokale Anfälle

= psychomotorische Anfälle (veraltete Bezeichnung, die aber auch heute noch verwendet wird).
Häufig haben die Klienten eine Aura. Sie fallen dann in einen Dämmerzustand.  In diesem Dämmerzustand weisen die Klienten merkwürdige, sinnlose Verhaltensweisen auf, die eine Weile anhalten. Die Dauer kann von einigen wenigen Minuten bis 20 Minuten dauern. Der Dämmerzustand klingt dann allmählich aus und die Klienten sind danach wieder voll ansprechbar, haben aber eine Amnesie für diesen Dämmerzustand. Der Ort des Geschehens ist der Temporallappen (Schläfenlappen) des Gehirns.

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Weiter mit 6. Epilepsie – Psychische Auffälligkeiten

 

 

 

 

 

 

4. Epilepsie – Auslösefaktoren

4Auslösefaktoren

Menschen, die Epileptiker sind, können durch bestimmte Auslösefaktoren Anfälle bekommen. Manche Menschen bekommen auch ohne Auslöser Anfälle.

Auslöser können z.B. sein:

  • Stroposkoplicht (Flackerlicht wie in einer Disko)
  • PC-Spiele
  • Fernsehen
  • Stress, Aufregung, Konflikte
  • Alkohol trinken (auch ganz wenige Mengen)
  • Drogen
  • Hyperventilation (Hechelatmung z.B. bei sehr anstrengendem Sport oder sehr leidenschaftlichem Sex)
  • Fahrten durch sonnige Alleen (Flackerlicht!)
  • wenig Schlaf
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3. Epilepsie – Entstehung

3Entstehung

Entstehung der Epilepsien

Bei Epilepsien ist die Krampfbereitschaft erhöht durch eine erniedrigte Krampfschwelle.
Eine erniedrigte Krampfschwelle kann man bekommen durch

1. Unbekannte Ursachen

Man spricht dann von einer primären Epilepsie (primär = an erster Stelle, d.h. die Epilepsie tritt zuerst auf, ohne ersichtlichen Grund).
Andere Begriffe sind: genuine Epilepsie (genuin = angeboren, d.h. ein genetischer Faktor ist vorhanden, also eine angeborene Epilepsie) oder idiopathische Epilepsie (idiopathisch = unbekannte Krankheitsursache , also eine Erkrankung unbekannter Herkunft).
Ca. 50 % aller Epilepsien sind primäre Epilepsien

 

2. Bekannte Ursachen

Man spricht dann von einer sekundären Epilepsie (sekundär = nachfolgend, also man hat erst eine Orginalkrankheit, die dann die Epilepsie bewirkt) oder symptomatischen Epilepsie (symptomatisch = die Epilepsie ist ein Symptom einer anderen „Orginal“krankheit).

Bekannte Ursachen sind z.B.:

  • FKH (frühkindliche Hirnschädigung),
  • Hirntumore,
  • Hirnabszess (umkapselte Eiteransammlung),
  • Hirnblutung,
  • SHT (Schädel-Hirn-Trauma),
  • Stoffwechselentgleisungen wie
    • Hypoglycämie (hypo = zu wenig, glycämie = Zucker im Blut, z.B. durch zu hohe Insulingabe) und
    • Urämie (= Harnstoffe im Blut, Harnvergiftung, z.B. durch Nierenversagen),
  • Alkoholismus,
  • Vergiftungen aller Art
  • jegliche Störungen, die das Gehirn in irgend einer Weise schädigen.

 

Weiter mit 4. Epilepsie – Auslösefaktoren

 

 

1. Epilepsie-Beschreibung & 2. Häufigkeit

Epilepsie Beschreibung Häufigkeit

1. Epilepsie – Beschreibung

Epilepsie (griechisch, lateinisch „ergreifen, packen, anfallen“) wurde früher auch als Fallsucht bezeichnet. DIE Epilepsie gibt es eigentlich nicht. Man spricht besser von Epilepsien in der Mehrzahl. Epilepsien sind eine Krankheitsgruppe.

  • Es sind chronische Erkrankungen. D.h., ein einzelner Anfall bedeutet noch nicht, dass jemand Epileptiker ist. Es treten öfters Anfälle auf.
  • Es sind cerebrale Anfälle , die vom Gehirn (lateinisch cerebrum „Gehirn“) ausgehen. Sie werden durch Funktionsstörungen des Gehirns hervorgerufen.
  • Normale Hirntätigkeit: Durch die Arbeit der Nervenzellen entsteht  elektrische Aktivität, die normalerweise relativ gering ist. Wir stehen also ständig „unter Strom“, siehe Bild.

Norme Hirntätigkeit

  • Hirntätigkeit während eines Anfalls:  Es kommt plötzlich zu einer Entladung mehrerer Nervenverbände in der Großhirnrinde und auch in tieferen Schichten. Dadurch steigt die elektrische Aktivität übermäßig an (siehe Bild). Dies ist eine unkontrollierte Stimulierung in den betroffenen Hirnbereichen. Die elektrische Aktivität wird über das Rückenmark weitergeleitet. Und von dort aus geht die Erregung über das periphere Nervensystem zu den Erfolgsorganen, die ganz häufig – aber nicht ausschließlich – die Muskeln sind. Wenn es die Muskeln betrifft, kommt es zu unwillkürlichen Muskelkontraktionen (lateinisch contractio „Zusammenziehen“) .

Anfall

 

2. Epilepsie – Häufigkeit

  • 5% aller Menschen haben einmal in ihrem Leben einen epileptischen Anfall. Das ist ca. jeder 20. Mensch.
  • 0,5 – 1% der Allgemeinbevölkerung (weltweit) haben eine Epilepsie. Das entspricht der Häufigkeit von insulinpflichtigem Diabetes mellitus. Es ist also eine recht häufige Erkrankung.

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