Klientenzentrierte Gesprächsführung – 4. Kommunikationsförderer: Fragen

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Fragen gelten als Kommunikationsförderer. Mit einer passenden Frage können wir Interesse zeigen, Unklares klären und einen Menschen ermutigen, weiterzusprechen. Wir können mit Fragen allerdings auch lenken, einengen, bewerten – oder ein Gespräch in eine freundliche Vernehmung verwandeln.

Gerade in der klientenzentrierten Gesprächsführung kommt es deshalb nicht darauf an, möglichst viele Fragen zu stellen. Oft bringt eine einzige, sorgfältig gewählte Frage mehr als eine ganze Fragenkette – vorausgesetzt, wir lassen unserem Gegenüber anschließend genügend Zeit zum Nachdenken und Antworten.

Für eine erste Orientierung lassen sich Fragen grob einteilen (siehe unten): Offene, kurze und wertfreie Fragen sind eher günstig, weil sie Raum für eigene Gedanken und Antworten lassen. Geschlossene, suggestive, mehrteilige oder bohrende Fragen sind eher ungünstig, weil sie einengen, Antworten nahelegen, überfordern oder Rechtfertigungsdruck erzeugen.

FRAGETYPEN

Eher ungünstige Fragen im Rahmen der klientenzentrierten Gesprächsführung

1. Doppelfrage:
„Liebst Du mich und wenn ja, wollen wir heiraten?“
Gefahr: überfordert, verwirrt, es wird dann oft nur auf ein Frage geantwortet

2. Verhörfragen:
„Du warst gestern abend weg. Wo warst Du? Du warst bestimmt bei einem Anderen“
Gefahr: Rückzug, Aggressivität oder Flucht nach vorne

3. Suggestivfragen:
„Gelle, Du liebst mich doch!“
Gefahr: Manipulation

4. Geschlossene Fragen:
„Liebst Du mich?“
Gefahr: Gespräch stockt

5. Warum-Fragen
„Warum liebst Du mich nicht mehr?“
Gefahr: Haben die Tendenz, zu angstbesetzten Rechtfertigungsversuchen, Warum-Fragen zu Gefühlen bedeuten leicht eine Überforderung zum Beantworten der Frage, versteckter Vorwurf

Eher günstige Fragen im Rahmen der klientenzentrierten Gesprächsführung

1. Nachfragen:
„Wenn Du sagst, dass Du gern bei mir bist, wie meinst Du das?“
Hilfe: für Weiterrede, zur Vertiefung

2. Abwägen:
„Ist es Dir wichtiger, bei mir zu essen oder richtig bei mir zu leben?“
Hilfe: Klärung von Prioritäten, Gefühlen, Absichten

3. Reserven erfragen:
„Du sagst, die dauernde Küchenarbeit wird Dir zuviel. Hast Du eine Idee, wie Du entlastet werden könntest?“
Hilfe: Blickwinkel verändern, Lösungswege selber herausfinden

4. Offene Fragen:
„Wie äußert sich Deine Liebe zu mir? Erzähle mir mehr darüber.“
Hilfe: für Weiterrede, zur Vertiefung

Trotzdem gilt nicht einfach: Offene Fragen sind gut, geschlossene Fragen sind schlecht. Eine offene, weit gefasste Frage kann einen ängstlichen, erschöpften oder verwirrten Menschen überfordern. Eine kurze geschlossene Frage kann ihm dagegen Orientierung geben und das Antworten erleichtern. Das gilt ebenfalls für diagnostische Fragen in der Medizin. Auch eine Warum-Frage kann zum Nachdenken anregen – oder aber wie eine Aufforderung klingen, sich zu rechtfertigen.

Ob eine Frage das Gespräch fördert, hängt daher nicht nur vom Fragetyp ab. Ebenso wichtig sind die Situation, der Tonfall, der Zeitpunkt und die Absicht, mit der sie gestellt wird.


Ein Beispiel aus DIE ALTE VILLA

Die 98-jährige Hildegard Seidel, die eine Demenz hat, lebt in dem betreuten Wohnheim „Zum Thalamus“ in Kloster Düstermoor. Früher bewohnte sie gemeinsam mit ihrer Tochter Christa eine kleine Dienstbotenwohnung im Dachgeschoss der alten Villa. Luisa und ihre Tochter Sofie besuchen sie, um mehr über die früheren Bewohner und das Haus zu erfahren. Alte Fotografien helfen Hildegard, sich zu erinnern.

„Sie hatten dort eine kleine Wohnung, nicht wahr?“
Hildegard nickte langsam. „Ganz oben. Man hörte den Wind dort rauschen.“
Sofie rückte näher an sie heran. „War das schön da oben?“
Hildegard zuckte mit den Schultern. „Es war … meins.“ Sie lächelte flüchtig. „Viel Platz war nicht. Aber genug.“

[…]

„Wer ist das?“, fragte Sofie.
„Das ist Christa.“ Hildegard blickte lange auf das Bild. „Mein Mädchen.“

[…]

„Hat sie auch dort gewohnt?“, fragte Sofie.
„Ja, sie ist in dem Haus zur Welt gekommen.“ Hildegard blickte aus dem Fenster. „Das war 1945. Als der Krieg gerade zu Ende war.“
„Wo ist sie jetzt?“
Die alte Frau senkte die Lider. „Weg.“
„Wohin?“
„Ich weiß es nicht … Vielleicht in den Westen? Sie hat gesagt, hier erstickt sie.“

[…]

Sofie betrachtete das Bild. „Was war dahinter?“
Hildegard blinzelte, als müsste sie durch Nebel sehen. „Ein winziger Raum.“ Sie nickte. „Von da ging es runter, wenn man gebraucht wurde.“ Sofie wartete.
„Zur Küche. Und in den großen Flur.“

Stelle aus der SzeneWirkung
„Sie hatten dort eine kleine Wohnung, nicht wahr?“Eine geschlossene Bestätigungsfrage. Sie legt die Antwort bereits nahe, gibt der verwirrten Hildegard aber zugleich Orientierung.
„War das schön da oben?“Ebenfalls eine geschlossene Frage. Die Frage lenkt Hildegards Erinnerung bereits in eine bestimmte Richtung: Sofie möchte wissen, ob es dort „schön“ war. Hildegard antwortet jedoch nicht mit Ja oder Nein. Mit „Es war … meins“ bringt sie zum Ausdruck, was ihr an der kleinen Wohnung wirklich wichtig war.
„Was war dahinter?“Eine offene, aber konkrete Frage. Sie ist leicht verständlich und lädt zum Erzählen ein.
Sofie wartete.Vielleicht der wichtigste Satz der Szene: Sofie stellt nicht sofort die nächste Frage. Dadurch erinnert Hildegard sich weiter und ergänzt von selbst: „Zur Küche. Und in den großen Flur.“
„Wo ist sie jetzt?“ – „Wohin?“Die rasche Fragenfolge wirkt drängend. Im Krimi passt das, als Beispiel für klientenzentrierte Gesprächsführung wäre sie eher ungünstig.

Silbenrätsel Fragetypen

run – dop –gen – hör – sand – gen – gen – wä – gen – sug – nach – gen – fra – fra – ab – ges – tiv – gen – ver –wich – fra – fra – fu – fra – kel – pel

(Lösung ganz unten)













Lösung: Doppelfrage, Verhörfragen, Suggestivfragen, Nachfragen, Abwägen // Falsche Fährten: Furunkel, Sandwichfragen

Klientenzentrierte Gesprächsführung – 4. Kommunikationsförderer : Zusammenfassen, Echoing, Paraphrasieren

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Zusammenfassen des Gesagten

Dazu habe ich zu Beginn mit den Schülern das berühmte Spiel „Stille Post“ gespielt. Sie können sich sicher denken, am Ende beim letzten Schüler angelangt, war das, was am Anfang gesagt wurde, völlig entstellt und nicht wieder zuerkennen. Fazit: Es spielt also beim Zusammenfassen des Gesagten vom Klienten die Wahrnehmung des Zuhörers eine große Rolle. Es kommt zu Informationsverlust und Verfälschung, wenn nicht genau und konzentriert wahrgenommen wir

Zusammenfassen größerer Gesprächspassagen ist wichtig als Rückversicherung, ob alles richtig verstanden wurde und keine Verfälschungen aufgetreten sind. Keine Interpretationen sind gefragt, sondern möglichst neutrale Wiedergabe. Der Klient kann dann bestätigen oder korrigieren.

Echoing

Ist eine weitere Möglichkeit zur Weiterrede zu ermutigen. Dabei werden einzelne Wörter aufgegriffen, die wörtlich wiederholt werden. Die Funktion ist ganz ähnlich wie ein einfache „Hmm“, allerdings lenkt es die Aufmerksamkeit stärker. Es fehlt aber jede Interpretation der Inhalte, da bewusst nicht nach anderen Worten gesucht wird. Ein Lenken der Gesprächsinhalte ist durch den Berater möglich, da er sich das Wort für das Echoing aussucht.

Paraphrasieren

Paraphrasieren bedeutet, kürzere Gesprächspassagen in eigenen Worten wiederzugeben. Es ermöglicht dem Klienten einen neuen Blickwinkel zu bekommen, da ein bewussteres Überdenken gefördert wird. Ein Lenken der Gesprächsinhalte ist durch den Berater wie beim Echoing möglich.

Zum Üben der drei Techniken: Das Fridolin-Spiel


Ich habe Kärtchen vorbereitet. Ein Klassensatz mit den Wörtern ECHOING, PARAPHRASIEREN, ZUSAMMENFASSEN. Jeder Schüler zieht verdeckt eine Karte. So weiß jeder Schüler, welche Technik er anzuwenden hat.

Stuhlkreis. Ich beginne mit dem obigen Satz: “ An einem regnerischen, nebeligen, grauen Novembertag verlässt Fridolin mit eine Koffer ein Haus.“ Der Schüler zu meiner Rechten reagiert auf diesen Satz so, wie es auf dem Ziehkärtchen steht. Zuvor zeigt er seinen Mitschülern, was er für eine Technik gezogen hat. Wenn er unklar formuliert hat, können die Mitspieler korrigieren. Dann erfindet er einen Satz dazu, so dass die Geschichte weiter geht. Der nächste Schüler zu seiner Rechten macht wieder das, was auf seinem Kärtchen steht. U.s.w. …

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Klientenzentrierte Gesprächsführung – 4. Kommunikationsförderer

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4.1. Nonverbale Kommunikationsförderer

Für eigene Ergänzungen zu den nonverbalen Kommunikationsförderern sind Ihnen keine Grenzen gesetzt! 🙂

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Verbale Kommunikationsförderer

Akrostichon – Nonsens „21“

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Klientenzentrierte Gesprächsführung – 3. Kommunikationssperren

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Zum Einstimmen eine Übung zu Zweit:

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1. Nonverbale Kommunikationssperren

  • Fahriger Blickkontakt, aus dem Fenster sehen, abgeschlafft im Stuhl sitzen,
  • Gähnen in kurzen Abständen,
  • keine Reaktionen im Gesicht,
  • Motorische Unruhe, Ungeduld,
  • zur Uhr schauen, körperliche Distanz aufbauen (hinter dem Schreibtisch sitzen).

2. Verbale Kommunikationssperren

Die zwölf Kommunikationssperren nach Gordon

  1. Befehlen, anordnen, kommandieren: „Sie müssen sich dem Kind gegenüber unbedingt konsequenter verhalten!“
  2. Warnen, ermahnen, drohen: „Wenn sich Anna nicht besser in die Gruppe einfügt, kann ich sie hier nicht behalten.“
  3. Zureden, moralisieren, predigen: „Sie sollten sich intensiver um das Kind kümmern.“
  4. Beraten, Lösungen geben, Vorschläge machen: „Sie sollten nicht so streng sein in der Erziehung Ihrer Tochter.“
  5. Belehren, logische Argumente anführen, Vorträge halten: „Die Psychologie hat herausgefunden, dass Einzelkinder mit Behinderung oft überbehütet werden.“
  6. Urteilen, bewerten, kritisieren, Vorwürfe machen, beschuldigen: „Da machst du es dir aber einfach!“
  7. übertrieben loben, zustimmen, schmeicheln: „Sie sind eine absolut vernünftige und einsichtige Mutter, eben vorbildlich.“
  8. Beschimpfen, lächerlich machen, beschämen: „Sie sind ja gar nicht in der Lage, ein Kind zu erziehen.“
  9. Interpretieren: „Du hast wohl Autoritätsprobleme.“
  10. Beruhigen (im Sinne von „deckeln“), vertrösten, bemitleiden: „Nun nehmen Sie das doch nicht so tragisch, bei anderen Kindern dauert die Eingewöhnungszeit oft auch länger.“
  11. Ständiges fragen, forschen, verhören: „Und was haben Sie getan, um das Problem zu lösen?“
  12. Ablenken, aufheitern, ins Wort fallen, zerstreuen: „Ach, sehen Sie, viele Mütter haben da Schwierigkeiten. Frau M. hat mir neulich erzählt, dass…“

Nach Gordon beinhalten derartige sprachliche Mitteilungen mehr oder minder Geringschätzung und Lenkung des Gegenübers. Bei einem partnerschaftlichen Kommunikationsstil ist der Sprecher niemals der Kritiker, der belehrende oder der kompetentere Experte. Sondern der Helfer, der den Gesprächspartner anregt, sich ohne Druck mit seinen Problemen auseinander zu setzen und sie eigenständig zu lösen.

(Quellen: – Gößling-Brunken A. et al. (2005): Methoden und Themen. Handwerk und Technik, Hamburg. S. 240 // – Gordon T. (1993); Familienkonferenz. Die Lösung von Konflikten zwischen Eltern und Kind. Wilhelm Heyne Verlag, München.)

3. Paraverbale Kommunikationssperren

  • Stimmlage
  • Lautstärke
  • Aussprache
  • Betonung
  • Sprechtempo
  • Sprachmelodie

Was fällt Ihnen zu jedem paraverbalen Element ein, was sich störend auf die Kommunikation auswirken könnte?

Arbeitsblatt zu verbalen Kommunikationssperren

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