1.7. Wahrnehmung

1.7.Wahrnehmung
„Teile“ der Psyche, die bei einem psychopathologischen Befund beschrieben werden

Störungen in der Wahrnehmung können  unter anderem Sinnestäuschungen sein. Bei den

Sinnestäuschungen

werden im wahrsten Sinne des Wortes unsere Sinne von unserem Gehirn getäuscht, in die Irre geführt. Unsere Sinne nehmen etwas wahr, was nicht vorhanden ist. Oder es ist in der Realität etwas vorhanden, wird aber anders wahrgenommen.

Wir können in jeder Sinnesqualität (Hören, Sehen, Schmecken, Riechen, Fühlen) Sinnestäuschungen haben. Vor allem sind akustische Sinnestäuschungen sehr häufig.

Es gibt verschiedene Arten von Sinnestäuschungen.

  • Einfache Wahrnehmungsveränderungen

Gegenstände werden größer, kleiner oder bunter gesehen als sie wirklich sind, oder auch verzerrt oder verschwommen. Geräusche und Stimmen erscheinen lauter oder leiser.

  • Illusionäre Verkennungen

Sind dadurch gekennzeichnet, dass etwas real Vorhandenes für etwas anderes gehalten wird. Ein typisches Beispiel sind Bäume im Nebel, die als gefährliche Monster gesehen werden.

  • Halluzinationen

Den Sinneseindrücken, die der Mensch wahrnimmt, liegt keinerlei reales Objekt zugrunde. Der Betroffene ist von der Wirklichkeit der Wahrnehmung unkorrigierbar überzeugt.

    • optische Halluzinationen (das Sehen von Personen, Dingen, Ungeheuern, szenischen Abläufen)
    • akustische Halluzinationen (kommen sehr häufig vor, Stimmen, Geräusche). Von den Stimmen gibt es solche, die alles, was der Betroffenen macht kommentieren – kommentierende Stimmen. Oder es gibt Stimmen, die sich über den Menschen unterhalten – dialogisierende Stimmen. Oder es gibt Stimmen, die dem Menschen Befehle erteilen (imperative Stimmen). Der Betroffene kann auch Stimmen hören, die seine Gedanken aussprechen (Gedankenlautwerden).
    • Geruchshalluzinationen (Gasgeruch, Fäulnisgeruch)
    • Geschmackshalluzinationen (meist unangenehmer Geschmack)
    • Körperhalluzinationen (abnorme Leibgefühle – Coenästhesien – wie Nichtvorhandensein von Organen, Bewegungs-, Zug-, Druckempfindungen im Körperinneren, Schmerzen, Mißempfindungen)

Sonderfall: Leibliche Beeinflussungserlebnisse (Kombination Körperhalluzinationen plus Ich-Störung mit dem Gefühl des Gemachten. Die Umwelt macht etwas mit dem Körper des Betroffenen, deshalb hat er zum Beispiel brennende Schmerzen im Bauchbereich mit dem Gefühl, ein Loch im Magen zu haben)

Punkt Weiter mit 1.8. Orientierung, Psychomotorik, Suizidalität

 

H

 

Hbunt

  • Halluzinationen
    Sind Sinnestäuschungen (=Wahrnehmungsstörungen).
    Den Sinneseindrücken, die der Mensch wahrnimmt, liegt keinerlei reales Objekt zugrunde. Der Betroffene ist von der Wirklichkeit der Wahrnehmung unkorrigierbar überzeugt.

    • optische Halluzinationen
      Es werden Personen, Gegenstände, Bilder, seltsame Tiere gesehen. Dies können stillstehen. Oder – seltener – die Betroffenen erleben als Zuschauer oder Mitakteure einen filmischen szenenhaften Ablauf. Akustische Halluzinationen können hinzukommen.
      Manche Betroffene haben aber auch Pseudohalluzinationen. Das sind Sinnestäuschungen ohne Wirklichkeitsgewißheit – z.B. Hände, ein Gesicht, ein Totenkopf tauchen auf. Der Patient spricht selbst von „Bildern“, der Trugcharakter wird sogleich erkannt.
    • akustische Halluzinationen
      Diese kommen sehr häufig vor. Es sind meisten Stimmen, die sich dem Menschen aufdrängen und seine Gedankengänge durchbrechen – einfach „dazwischen reden“. Sie können sehr aufdringlich und lästig werden. Aber es können auch Geräusche sein – Knallen, Rauschen, Pferdewiehern…
      Von den Stimmen gibt es solche, die alles, was der Betroffenen macht kommentieren – kommentierende Stimmen.
      Oder es gibt Stimmen, die sich über den Menschen unterhalten – dialogisierende Stimmen.
      Oder es gibt Stimmen, die dem Menschen Befehle erteilen (imperative Stimmen). Es handelt sich oft um gleichgültige Anordnungen (z.B. einen Stuhl ans Fenster rücken), gelegentlich auch um wichtige Forderungen (z.B. einen anderen Menschen oder sich selbst zu töten). Manche Kranke führen ohne Gegenwehr die halluzinierten Befehle aus, andere verhalten sich entgegen den ständig wiederholten imperativen Forderungen besonnen.
      Der Betroffene kann auch Stimmen halluzinieren, die seine Gedanken aussprechen (halluzinatorisches Gedankenlautwerden).
    • Geruchshalluzinationen
      Ist der Geruchssinn in die Halluzinationen mit einbezogen, berichten die Patienten von bitter schmeckendem oder nach Kot riechendem Essen. Oder sie riechen Gas.
    • Geschmackshalluzinationen
      Es handelt sich meist um unangenehme Geschmacksempfindungen (bitteres Essen z.B.), selten um angenehmen Geschmack. Lassen sich oft schwer von Geruchshalluzinationen abgrenzen, da sie häufig zusammen auftreten.
    • Körperhalluzinationen
      Diese können auftreten als abnorme Leibgefühle (Coenästhesien). Das sind eigentümliche im Körper empfundene Gefühle. Z.B. Erlebnisse des Nichtvorhandenseins von Organen oder Extremitäten oder das Gefühl, „elektrisiert“ zu sein oder Hitze-und Kältesensationen. Auch werden Bewegungs-, Zug- und Druckempfindungen im Körperinneren und an der Körperoberfläche oder Brennen, Kribbeln und Schrumpfen der Gliedmaße beschrieben.
      Andere Körperhalluzinationen werden als „von außen gemacht“ empfunden – die Körpersensationen werden also auf Außeneinfluß, auf andere Menschen, fremde Mächte und Kräfte zurückgeführt (Leibhalluzinationen oder leibliche Beeinflussungserlebnisse). Der Mensch ist davon unkorrigierbar überzeugt. Sie erzählen etwa, man würde sie bestrahlen oder mit Nadeln durchbohren. Diese Halluzinationen sind auch oft sexueller Natur. So sind z.B. manche Schizophrene überzeugt, daß eine sexuelle Erregung durch heimliche, nächtliche Vergewaltigungen hervorgerufen werde.

 

  • Hirnödem
    Durch verschiedene Einwirkungen bedingte Flüssigkeitseinlagerung und -umlagerung im Gehirn. Die Flüssigkeitsansammlung erfolgt in der Rinde vorwiegend intrazellulär (innerhalb der Zellen) in den Fortsätzen der Astrozyten (sternförmige Zellart der Neuroglia, ein spezifisches Stützgewebe), früher auch als Hirnschwellung bezeichnet. Im Mark kann auch eine extrazelluläre (außerhalb der Zellen) Flüssigkeitsvermehrung stattfinden. Das Gehirn erscheint makroskopisch blass, die Windungen sind flach, die Furchungen sind verstrichen. Der Hirndruck steigt, was häufig lebensbedrohlich ist. Ursachen können sein: Hirntumoren, Schädelhirntraumata, Hirnentzündungen, …

 

  • hochfunktionaler Autismus (High-Functioning-Autismus)
    Hochfunktionaler Autismus ist keine offizielle Diagnose. Im ICD-10 und im DSM-IV taucht sie nicht auf. Der Begriff wird meist verwendet, wenn jemand die Kriterien für eine Autismus-Diagnose erfüllt, aber “hochfunktionale”, intelligente Verhaltensweisen zeigt. Das kann, je nach Alter der Personen, heißen, dass sie lautsprachlich, schriftlich oder durch Gebärden kommunizieren, lesen, schreiben und rechnen können, alltagspraktische Dinge erledigen können, aber keinen Blickkontakt halten, nicht an Gesprächen teilnehmen, keine nonverbalen Hinweise verstehen usw. Diagnostiziert wird Autismus, der Zusatz “high-functioning” bzw. “hochfunktional” ist eine inoffizielle nähere Beschreibung.
    Bei High-Functioning-Autismus ist die allgemeine Sprachentwicklung verzögert, während dies beim Asperger-Syndrom laut Diagnosekriterien nicht der Fall ist. Viele Forscher finden es nicht sinnvoll oder möglich, zwischen High-Functioning-Autismus und Asperger-Syndrom zu unterscheiden. Sowohl beim Asperger-Syndrom als auch bei High-Functioning-Autismus ist die Intelligenz durchschnittlich oder überdurchschnittlich. Die Schwierigkeiten in der sozialen Interaktion, der sozialen Kommunikation und im sozialen Verständnis existieren beim Asperger-Syndrom wie auch bei hochfunktionalem Autismus.