1.6.1. Muskeleigenreflexe (MER) und Reflexbogen

1.6.NeuroAnatomiePhysiologie Reflexe

1.6.1. Reflexbogen und Muskeleigenreflexe (MER)

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Zeichnung: Pixabay

Um einen sicheren Stand, eine sichere Koordination und schnelles Reagieren zu gewährleisten, wurden bei der „Erschaffung“ des Menschen die Reflexe „erfunden“.

So auch die Muskeleigenreflexe. Ein Muskel wird gereizt, der gleiche Muskel reagiert schnell, ohne dass der lange Weg über das Gehirn genommen werden muss. Es ist also eine unwillkürliche Bewegung.
Die Reflexe funktionieren an allen quergestreiften Muskeln. Besonders gut lässt sich aber der Patellarsehnenreflex (= Kniescheibensehnenreflex) „vorführen“.

Die Sehne des großen Oberschenkelmuskels (ist für die Streckung des Beines im Kniegelenk zuständig) geht über die Kniescheibe zum Unterschenkel. Ein Hämmerchen klopft die Sehne an. Rezeptoren in der Sehne werden gereizt. Afferente (aufsteigende = sensible) Nervenfasern leiten diese Erregung weiter zum entsprechenden Rückenmarksabschnitt in das Hinterhorn. Das Ende der Nervenfaser hat eine direkte Verbindung (Synapse) zu dem 2. Motoneuron (2. Nervenzelle) im Vorderhorn des Rückenmarks. Die Erregung springt von der afferenten Nervenfaser auf das 2. Motoneuron über. Die Erregung läuft über eine efferente (= absteigende = motorische) Nervenfaser aus dem Rückenmark heraus zu dem Oberschenkelmuskel. Die Erregung endet an der motorischen Endplatte. Der Muskel wird erregt und zieht sich zusammen. Er kontrahiert. Damit wird er kürzer und der Unterschenkel schnellt vor.

Damit dieser MER nicht ständig im Leben bei den kleinsten Reizen ausgelöst wird – wir würden dann ständig verkrampfen – , gibt es zum Glück die Pyramidenbahn. Diese beginnt in der motorischen Hirnrinde im Gehirn mit dem Nervenzellkörper des 1. Motoneurons (= 1. Nervenzelle, die für die Bewegung zuständig ist). Diese hat einen langen absteigenden Neuriten (= lange efferente Nervenfaser). Dieser endet in dem entsprechenden Rückenmarksabschnitt im Hinterhorn.

In der Pyramidenbahn laufen Fasern mit, die den Reflexbogen hemmen, sodass dieser nicht ständig abläuft.
Die Hemmung funktioniert, weil es eine Verbindung zum 1. Motoneuron gibt.

So hat also die Pyramidenbahn eine Doppelfunktion:
1. die Weiterleitung der willentlichen Bewegungsimpulse (ist hier bei den MER nicht von Bedeutung) und
2. die Hemmung des Reflexbogens und damit der MER.

Bei Gehirnerkrankungen(z.B. Schlaganfall oder Infantiler Cerebralparese ICP) ist die Pyramidenbahn oft geschädigt. Damit fällt die Hemmung des Reflexbogens weg. Der Reflexbogen läuft ständig ab. Somit kontrahiert der entsprechende Muskel ständig und ist ständig verkrampft. Er ist spastisch. Die Lähmung kommt zusätzlich hinzu, da die Willkürmotorik durch die Schädigung der Pyramidenbahn auch gestört ist. Die Menschen haben also eine spastische Lähmung.

 

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Foto: Pexels.com

Hier der Fließtext zum Ausdrucken als Doc-Datei: Reflexbogen und MER

 

 

 

Hier eine bildliche Darstellung des Muskeleigenreflexes:

MerBild

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NEUROLOGIE – EINFÜHRUNG

Gehirnmodell
Mein Gehirnmodell für den Unterricht, Foto: Elke Zagadzki

Gehirnmodell mit Teilungsstelle

Gehirn, 2018
Menschliches Gehirn im Längsschnitt, Zeichnung: Elke Zagadzki

Vorbemerkung

Ich sortiere ganz bewusst aus, stelle Vieles nur stichwortartig dar, setze Schwerpunkte. Die Ausführungen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Wer es genauer wissen möchte, möge bitte- je nach Ausbildungsgrad und Bedürfnis- die gängige , mehr oder weniger schwere Fachliteratur lesen. Literaturangaben finden Sie unter Abschnitt  *PSYCHIATRISCHES, NEUROLOGISCHES, …* .

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NeuroAnatomiePhysiologie
Übersicht Neuroanatomie und Neurophysiologie, Grafik: Elke Zagadzki