1.5. Gedächtnis

1.5. Gedächtnis
„Teile“ der Psyche, die bei einem psychopathologischen Befund beschrieben werden

Störungen des Gedächtnisses sind Beeinträchtigungen der Fähigkeit, sich Wahrnehmungen und Empfindungen zu merken und sich später daran zu erinnern.

Das Gedächtnis besteht aus zwei Komponenten, die aber eigentlich im Alltag nicht voneinander zu trennen sind:

  • Merkfähigkeit – der Fähigkeit, Wahrnehmungen und Empfindungen zu speichern und
  • Erinnerung – der Fähigkeit, diese wieder zurückzurufen.

Merkfähigkeitsstörungen

Der Betroffene hat Neues bereits nach wenigen Minuten wieder vergessen.

Störungen des Kurzeitgedächtnisses

Der Betroffene kann Neues nur für einige Minuten bis Stunden behalten.

Störungen des Langzeitgedächtnisses

Der Betroffene kann sich an Ereignisse, die Monate bis Jahre zurückliegen, nicht mehr erinnern.

Amnesien (gr. a = nicht, mnesis = das Erinnern)

Als Amnesien werden zeitlich oder inhaltlich begrenzte Erinnerungslücken bezeichnet. Beispiel einer zeitlich begrenzten Amnesie ist die Erinnerungslücke für die Zeit direkt vor einer Gehirnerschütterung.

Konfabulation (lat. confabulare = reden, plaudern)

sind Pseudoerinnerungen (scheinbare Erinnerungen). Der Betroffene füllt eine Erinnerungslücke mit einem spontanen Einfall aus und hält diesen für eine echte Erinnerung.

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Limbisches System

1.3. NeuroAnatomiePhysiologie Gehirn

1.3.1.Gehirn-Komplexe StrukturenLimbisches System

Das limbische System ist eine funktionelle Einheit, die aus Teilen
– des Großhirns
– des Zwischenhirns und
– des Mittelhirns
gebildet werden.

Es umgibt die Kerngebiete des Hirnstamms und den Balken wie einen „Saum“ (= limbus).
Zum limbischen System gehören unter anderem:
– der Mandelkern (Corpus amygdaloideum),
– der Hippocampus (Ammonshorn),
– Teile des Hypothalamus, so die Mamillarkörper, die über den Fornix (eine gewölbeartige Faserbahn) mit dem Hippocampus verbunden sind.

Insbesondere Gefühle und emotionale Reaktionen wie Furcht, Wut, sexuelle Wünsche und Aggression entstehen in diesem System unter Beteiligung von Großhirnrinde, Thalamus und Hypothalamus.
Über den Hypothalamus nimmt das limbische System auf zahlreiche Organfunktionen Einfluss.
Beispiele dafür sind
– Durchfall
– Blutdruckanstieg
– erhöhte Herzfrequenz
vor Prüfungen.

Einiges zum Hippocampus:

Der Name rührt von der einem Seepferdchen ähnlichen Form – allerdings mit viel Phantasie 🙂 .

In ihm fließen Informationen verschiedener sensorischer Systeme zusammen, die verarbeitet und von dort zur Hirnrinde zurückgesandt werden. Er ganz wichtig für das Kurzzeitgedächtnis und die Orientierung.

Menschen, deren beide Hippocampi (es gibt einen pro Hirnhälfte) zerstört ist, können keine neuen Erinnerungen behalten und abrufen. Sie haben ab dem Zeitpunkt eine anterograde Amnesie. Häufig besteht dabei auch eine retrograde Amnesie – also es gibt Erinnerungslücken für eine kürzere Zeit vor der Zerstörung. Es können diese Erinnerungen nicht mehr abgerufen werden.

Es wurde nachgewiesen, dass im erwachsenen Gehirn im Hippocampus sich neue Nervenzellen bilden (Neurogenese) und dass diese Neubildung mit dem Erwerb neuen Gedächtnisses zusammenhängt.

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