2. BPS – Beschreibung der Borderline-Persönlichkeitsstörung

Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung sind Menschen, die – nach den internationalen und amerikanischen Diagnoserichtlinien ICD 10 und DSM IV – an einer Persönlichkeitsstörung leiden. D.h. bestimmte Wesenszüge sind extrem ausgebildet.

Sie zeigen eine sogenannte stabile Instabilität:

Ein durchgängiges Muster von Instabilität im Bereich

  • der Stimmung,
  • der zwischenmenschlichen Beziehungen und des
  • Selbstbildes.

Vor allem ist die Emotionsregulation gestört. Die Menschen werden häufig von schmerzhaften Gefühlen und starker innerer Anspannung überflutet. Sie stehen dann unter extremer Hochspannung, die lange anhält. Sie versuchen, diese mit impulsiven und selbstschädigenden Verhaltensweisen abzubauen.

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Hier der Text, der auf meiner alten Homepagehttp://www.elke-zagadzki.de –  stand:

Der Begriff „Borderline“

Borderline ist ein englisches Wort und bedeutet Grenzlinie oder Grenzgebiet. Man bezeichnet die Persönlichkeitsstörung deshalb als Borderline-Störung, weil die Betroffenen an Auffälligkeiten leiden, die oft diagnostisch unklare Grenzzustände zwischen Neurosen und Psychosen sind. Diese Beschreibung ist aber nicht korrekt, da Neurosen und Psychosen psychische Erkrankungen sind, die irgenwann im Leben eines Menschen ausbrechen und auch relativ gut zu behandeln sind. Und unter Menschen mit einer Persönlichkeitsstörung versteht man – zumindest in der gängigen Schulpsychiatrie – Menschen mit extrem ausgebildete Wesenszügen. Diese ziehen sich wie ein roter Faden durch das Leben eines Betroffenen. Sie haben also eigentlich keine Krankheit, die irgendwann ausbricht, sondern sie sind schon immer auffällig im Verhalten oder in ihrem Erleben gewesen. Sozusagen als ein Charakter- oder Persönlichkeitszug.

Diese Eigenschaft „gehört“ also zu ihnen, zu ihrer Person. Und wie Sie selbst nicht einfach so eine Persönlichkeitseigenschaft von Ihnen „wegtherapieren“ können – stellen Sie sich das mal praktisch vor: eine Eigenschaft von Ihnen, vielleicht Ihr lebhaftes Temperament, könnten andere einfach so „wegmachen“ – so lassen sich auch Borderline-Menschen schwer in ihren Extremwesenszügen beeinflussen. Das ist aber schlimm für die Betroffenen, da sie ziemlich unter sich leiden, aber auch andere leiden machen.
Es ist also schwierig zu beschreiben, was eigentlich hier „Grenzlinie“ bedeutet. In der Fachliteratur ist dies Gegenstand andauernder Diskussion, ebenso wie die Klärung der Entstehung und der Therapie.

Zur Geschichte

Der Begriff wurde in den 30er und 40er Jahren geprägt. Mit ihm wurde versucht zu beschreiben, dass man annahm, dass zwischen den leichteren psychischen Störungen – den Neurosen – und den sehr schweren psychischen Störungen (mit Störungen des Realitätsbezugs) – den Psychosen – wie auf einer Art Grenzlinie die Borderline-Zustände auftreten würden. Je mehr darüber geforscht wurde – vor allem in den letzten zwei Jahrzehnten – wurde deutlich, dass es sich mehr um ein Borderland, ein Grenzland mit klaren Grenzen handelt – also ein eigenständiges Krankheitsbild und nicht ein Hin- und Herschwanken zwischen den zwei Bereichen der Neurosen und Psychosen.

In welchem Sinne wird der Begriff gebraucht?

Der Begriff Borderline ist verwirrend. Die Diagnose wird auch dadurch erschwert, daß er in drei Weisen in der Literatur gebraucht wird.

  • Als Verlegenheitsdiagnose

Er war lange Zeit eine Verlegenheitsdiagnose, eine Art Abfalleimer für Patienten, die sich weder in eine neurotische, noch eine andere psychiatrische Kategorie einordnen ließen. Und er wurde benutzt für besonders schwierige Patienten, bei denen man zunächst von einer neurotischen Störung ausging, bei denen sich im Laufe der Behandlung aber herausstellte, dass sie viel schwerer krank sind. In diesem Sinne wird der Begriff heute nicht mehr verwendet.

  • In rein beschreibendem Sinne (bei der psychiatrischen Diagnostik)

Der Begriff wird in rein beschreibendem Sinne in der amerikanischen Klassifikation DSM 4 und in der internationalen Klassifikation ICD 10 benutzt. Es ist in beiden Fällen eine Checkliste von Symptomen.

Wenn die Patienten 5 von 8 Symptomen erfüllen, können Sie die Diagnose Borderline stellen. Das ist klinisch gesehen sehr praktisch, geht aber nicht in die Tiefe für das Verständnis der Persönlichkeitsorganisation. Die Begriffsbenutzung in diesem Sinne ist aber sehr üblich in der Psychiatrie.

  • Als Konzept der Borderline-Persönlichkeitsorganisation (bei der tiefenpsychologischen Diagnostik)

Ein drittes Konzept wurde von Otto Kernberg und Michael Stone entwickelt. Es ist kein beschreibendes Konzept, sondern eines, was die psychische Struktur der Menschen beleuchtet. Es eröffnet im analytischen Sinn ein Verständnis für die Persönlichkeitsorganisation.

Dieses Konzept ist von Vorteil, weil es hilft, leichtere von schwereren Persönlichkeitsstörungen zu unterscheiden. Und man kommt durch die Diagnose sofort auf wichtige Aspekte der Behandlung.

 

Da ich mich hier als Vertreter der „normalen“ Schulpsychiatrie fühle und auch in diesem Sinne unterrichtet habe, verwende ich den Borderline-Begriff vor allem im psychiatrischen Diagnostiksinne. Leser, die mehr psychodynamisch orientiert sind, werden also nicht so sehr „auf ihre Kosten kommen“.

 

Weiter mit 3. BPS – Ursachenhypothese

 

 

Veröffentlicht von

Stilvolles Schneckentempo - EIN BLOCK FÜR LANGSAME

Ich bin Ärztin und medizinische Fachschullehrerin im „broterwerblich“-beruflichen Ruhe- und Freiheitsstand. Ich habe vor allem Schüler in den Ausbildungsbereichen HEILPÄDAGOGIK, HEILERZIEHUNGSPFLEGE, GESUNDHEITS- und KRANKENPFLEGE unterrichtet. V.a. PSYCHIATRISCHE und NEUROLOGISCHE Themen. Sie finden hier alle meine ARBEITSBLÄTTER und UNTERRICHTSVORLAGEN – sofern sie ausschließlich von mir entwickelt wurden. Sie können von Ihnen einfach so benutzt werden. Ich freue mich, wenn sie noch Verwendung finden. Ich benötige sie nicht mehr. Außerdem habe ich jetzt Zeit, über mein Leben zu sinnieren – über mein Gestern, mein Heute, mein Morgen. Vielleicht ist es auch für Besucher meiner Seite ein Impuls zum Nachdenken und Antworten: Woher kommst Du? Wer bist Du? Wohin gehst Du ?

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