H

 

Hbunt

  • Halluzinationen
    Sind Sinnestäuschungen (=Wahrnehmungsstörungen).
    Den Sinneseindrücken, die der Mensch wahrnimmt, liegt keinerlei reales Objekt zugrunde. Der Betroffene ist von der Wirklichkeit der Wahrnehmung unkorrigierbar überzeugt.

    • optische Halluzinationen
      Es werden Personen, Gegenstände, Bilder, seltsame Tiere gesehen. Dies können stillstehen. Oder – seltener – die Betroffenen erleben als Zuschauer oder Mitakteure einen filmischen szenenhaften Ablauf. Akustische Halluzinationen können hinzukommen.
      Manche Betroffene haben aber auch Pseudohalluzinationen. Das sind Sinnestäuschungen ohne Wirklichkeitsgewißheit – z.B. Hände, ein Gesicht, ein Totenkopf tauchen auf. Der Patient spricht selbst von „Bildern“, der Trugcharakter wird sogleich erkannt.
    • akustische Halluzinationen
      Diese kommen sehr häufig vor. Es sind meisten Stimmen, die sich dem Menschen aufdrängen und seine Gedankengänge durchbrechen – einfach „dazwischen reden“. Sie können sehr aufdringlich und lästig werden. Aber es können auch Geräusche sein – Knallen, Rauschen, Pferdewiehern…
      Von den Stimmen gibt es solche, die alles, was der Betroffenen macht kommentieren – kommentierende Stimmen.
      Oder es gibt Stimmen, die sich über den Menschen unterhalten – dialogisierende Stimmen.
      Oder es gibt Stimmen, die dem Menschen Befehle erteilen (imperative Stimmen). Es handelt sich oft um gleichgültige Anordnungen (z.B. einen Stuhl ans Fenster rücken), gelegentlich auch um wichtige Forderungen (z.B. einen anderen Menschen oder sich selbst zu töten). Manche Kranke führen ohne Gegenwehr die halluzinierten Befehle aus, andere verhalten sich entgegen den ständig wiederholten imperativen Forderungen besonnen.
      Der Betroffene kann auch Stimmen halluzinieren, die seine Gedanken aussprechen (halluzinatorisches Gedankenlautwerden).
    • Geruchshalluzinationen
      Ist der Geruchssinn in die Halluzinationen mit einbezogen, berichten die Patienten von bitter schmeckendem oder nach Kot riechendem Essen. Oder sie riechen Gas.
    • Geschmackshalluzinationen
      Es handelt sich meist um unangenehme Geschmacksempfindungen (bitteres Essen z.B.), selten um angenehmen Geschmack. Lassen sich oft schwer von Geruchshalluzinationen abgrenzen, da sie häufig zusammen auftreten.
    • Körperhalluzinationen
      Diese können auftreten als abnorme Leibgefühle (Coenästhesien). Das sind eigentümliche im Körper empfundene Gefühle. Z.B. Erlebnisse des Nichtvorhandenseins von Organen oder Extremitäten oder das Gefühl, „elektrisiert“ zu sein oder Hitze-und Kältesensationen. Auch werden Bewegungs-, Zug- und Druckempfindungen im Körperinneren und an der Körperoberfläche oder Brennen, Kribbeln und Schrumpfen der Gliedmaße beschrieben.
      Andere Körperhalluzinationen werden als „von außen gemacht“ empfunden – die Körpersensationen werden also auf Außeneinfluß, auf andere Menschen, fremde Mächte und Kräfte zurückgeführt (Leibhalluzinationen oder leibliche Beeinflussungserlebnisse). Der Mensch ist davon unkorrigierbar überzeugt. Sie erzählen etwa, man würde sie bestrahlen oder mit Nadeln durchbohren. Diese Halluzinationen sind auch oft sexueller Natur. So sind z.B. manche Schizophrene überzeugt, daß eine sexuelle Erregung durch heimliche, nächtliche Vergewaltigungen hervorgerufen werde.

 

  • Hirnödem
    Durch verschiedene Einwirkungen bedingte Flüssigkeitseinlagerung und -umlagerung im Gehirn. Die Flüssigkeitsansammlung erfolgt in der Rinde vorwiegend intrazellulär (innerhalb der Zellen) in den Fortsätzen der Astrozyten (sternförmige Zellart der Neuroglia, ein spezifisches Stützgewebe), früher auch als Hirnschwellung bezeichnet. Im Mark kann auch eine extrazelluläre (außerhalb der Zellen) Flüssigkeitsvermehrung stattfinden. Das Gehirn erscheint makroskopisch blass, die Windungen sind flach, die Furchungen sind verstrichen. Der Hirndruck steigt, was häufig lebensbedrohlich ist. Ursachen können sein: Hirntumoren, Schädelhirntraumata, Hirnentzündungen, …

 

  • hochfunktionaler Autismus (High-Functioning-Autismus)
    Hochfunktionaler Autismus ist keine offizielle Diagnose. Im ICD-10 und im DSM-IV taucht sie nicht auf. Der Begriff wird meist verwendet, wenn jemand die Kriterien für eine Autismus-Diagnose erfüllt, aber “hochfunktionale”, intelligente Verhaltensweisen zeigt. Das kann, je nach Alter der Personen, heißen, dass sie lautsprachlich, schriftlich oder durch Gebärden kommunizieren, lesen, schreiben und rechnen können, alltagspraktische Dinge erledigen können, aber keinen Blickkontakt halten, nicht an Gesprächen teilnehmen, keine nonverbalen Hinweise verstehen usw. Diagnostiziert wird Autismus, der Zusatz “high-functioning” bzw. “hochfunktional” ist eine inoffizielle nähere Beschreibung.
    Bei High-Functioning-Autismus ist die allgemeine Sprachentwicklung verzögert, während dies beim Asperger-Syndrom laut Diagnosekriterien nicht der Fall ist. Viele Forscher finden es nicht sinnvoll oder möglich, zwischen High-Functioning-Autismus und Asperger-Syndrom zu unterscheiden. Sowohl beim Asperger-Syndrom als auch bei High-Functioning-Autismus ist die Intelligenz durchschnittlich oder überdurchschnittlich. Die Schwierigkeiten in der sozialen Interaktion, der sozialen Kommunikation und im sozialen Verständnis existieren beim Asperger-Syndrom wie auch bei hochfunktionalem Autismus.

C

C2

  • Computertomographie (CT) (gr. Schnittbild)
    Röntgenverfahren zur Erstellung von Schichtaufnahmen des Körpers mithilfe eines Computers, der die Querschnittbilder errechnet.
    craniale CT (lat. cranium = menschlicher Schädel)
    CT von Gehirn und Schädel.
    Ende der 60er Jahre wurde die Computertomographie u.a. von dem englischen Physiker Hounsfield entwickelt. Es werden hierbei Röntgenstrahlen verwendet. Allerdings ist die Röntgenbelastung wesentlich geringer als bei den herkömmlichen Röntgenaufnahmen.
    Um den Klienten herum dreht sich eine Röntgenröhre. Diese wird von außen durch einen Detektorring begrenzt. Der Detektor ist ein Gerät, was die verbliebene Strahlung wieder aufnimmt und die Strahlenintensität misst.
    Die Röntgenstrahlung geht also durch den Körper – hier im speziellen Fall durch den Schädel = cranium – durch. Und die Reststrahlung, die wieder herauskommt, wird gemessen. Die Zahlenwerte werden in einen Computer gegeben. Dieser rechnet dann alle Zahlenwerte in ein zweidimensionales Bild um.
    Die scheibchenförmigen Schnitte vom Schädel sind also keine herkömmlichen Röntgenbilder, sondern rein errechnete Bilder.

G

 

Gbunt

  • Gedächtnisstörung
    Beeinträchtigung der Fähigkeit, sich Wahrnehmungen und Empfindungen zu merken und sich später daran zu erinnern. Unser Gedächtnis besteht aus zwei Komponenten: der Fähigkeit, Wahrnehmungen und Empfindungen zu speichern (Merkfähigkeit) und der Fähigkeit, diese wieder zurückzurufen (Erinnerung). Im praktischen Alltag sind diese beiden Komponenten aber nicht voneinander zu trennen.

    • Merkfähigkeitsstörungen: Der Betroffene hat Neues bereits nach wenigen Minuten wieder vergessen.
      Störungen des Kurzeitgedächtnisses: Der Betroffene kann Neues nur für einige Minuten bis Stunden behalten.
    • Störungen des Langzeitgedächtnisses: Der Betroffene kann sich an Ereignisse, die Monate bis Jahre zurückliegen, nicht mehr erinnern.
    • Amnesien (gr. a = nicht, mnesis = das Erinnern): Als Amnesien werden zeitlich oder inhaltlich begrenzte Gedächtnislücken bezeichnet. Typisches Beispiel einer zeitlich begrenzten Amnesie ist die Erinnerungslücke für die Zeit direkt vor einer Gehirnerschütterung.
    • Konfabulation (lat. confabulare = reden, plaudern): sind Pseudoerinnerungen (scheinbare Erinnerungen). Der Betroffene füllt eine Erinnerungslücke mit einem spontanen Einfall aus und hält diesen für eine echte Erinnerung.

 

  • Gedankenabreißen (Gedankensperre)
    Gehört zu den formalen Denkstörungen.
    Plötzliches Abbrechen eines bis dahin flüssigen Gedankenganges ohne erkennbaren Grund.

 

  • Glasgow-Koma-Skala
    Die Glasgow-Koma-Skala bietet eine Möglichkeit, den Schweregrad einer quantitativen Bewusstseinsstörung festzustellen. Es werden sprachliche und motorische Reaktionen sowie Augenöffnung des Patienten mit Punkten bewertet. Der Schweregrad der Bewusstseinsstörung ergibt sich aus der Summe aller Punkte (Coma-Score).

D

 

D

  • Dämmerzustände
    Dämmerzustände sind Bewusstseinseinengungen, die oft plötzlich eintreten und ebenso abrupt aufhören. Charakteristisch ist eine starke Einengung auf ein bestimmtes inneres Erlebniselement oder einen entsprechenden Erlebnisbereich und eine nachfolgende Erinnerungslosigkeit (Amnesie). Das Verhalten kann formal geordnet sein (geordneter Dämmerzustand) oder schwerwiegend gestört bis hin zu raptusartigem Verhalten gegenüber der Umwelt und dem eigenen Körper mit Fremd- und Selbstbeschädigungen.

 

  • Delirium tremens
    Wird oft in Psychiatriebüchern als exogene Psychose abgehandelt, weniger unter qualitativen Bewusstseinsstörungen aufgeführt. In diesem Zusammenhang wird dann dieser Zustand als Verwirrtheit und Bewusstseinseintrübung bezeichnet. Es ist ein Zustand mit mangelnder Klarheit des Erlebens und gesteigerter psychomotorischer Aktivität, teilweise oder vollständige Desorientierung und unzusammenhängendem Denken (Verwirrtheit), illusionären Verkennungen und Halluzinationen. Oft sind optische Halluzinationen suggerierbar (dem Patienten „einzureden“). Häufig vegetative Begleiterscheinungen (Schwitzen, Tachycardie, Zittern, Temperaturerhöhung, Austrocknung…). Delirien entstehen nicht plötzlich – wie beim Dämmerzustand – ,sondern haben ein leichtes Anfangsstadium, was allmählich immer schlimmer wird. Auch hier besteht hinterher eine Amnesie, wobei oft „Erinnnerungsinseln“ übrig bleiben.
    Vorkommen:
    – Alkoholentzug bei Alkoholismus
    – Medikamentenentzug bei körperlich abhängig machenden Medikamenten
    – Komplikationen bei verschiedensten Medikamenten wie Atropin, Antiparkinsonmitteln, Antidepressiva…
    – Fliegenpilzvergiftung
    – Stoffwechselentgleisungen
    – als akute organische Psychose bei alten Menschen mit cerebralen Durchblutungsstörungen, Flüssigkeitsmangel und Fieber.

 

  • Demenz
    Demenz entsteht durch Abbau von Gehirnsubstanz aus unterschiedlichen Ursachen. Dadurch gehen alle erlernten geistigen und praktischen Fähigkeiten und ein bestimmtes Persönlichkeitsniveau verloren. Es ist häufig ein chronisch fortschreitender, irreversibler Prozeß.
    Demenzformen sind u.a. Alzheimer-Demenz, Picksche Krankheit, Multiinfarkt-Demenz, Alkohol-Demenz.

 

  • Denken, formales
    Damit ist der Denkablauf, der Gedankengang gemeint. Also z.B. die Denkgeschwindigkeit – angemessen, zu langsam oder zu schnell. Oder denke ich unzusammenhängend oder in ersichtlicher Reihenfolge…

 

  • Denkstörungen, formale
    Sind Störungen des Gedankenganges.

    • Denkzerfahrenheit
      Völlig zusammenhangloses und zerrissenes (inkohärentes) Denken und Sprechen. Im Extremfall „Wortsalat“.
    • Gedankenabreißen (oder Gedankensperre)
      Plötzliches Abbrechen eines bis dahin flüssigen Gedankenganges ohne erkennbaren Grund.
      Oft wird das Gedankenabreißen als Folge eines Gedankenentzugs beschrieben: Der Patient sagt, der Gedanke sei plötzlich weg, jemand habe ihn weggenommen. Die formale Denkstörung wird also vom Patienten als Störung des Ich-Erlebens wahrgenommen.
    • Begriffszerfall
      Die Bedeutung der verschiedenen Wörter werden nicht mehr scharf gegeneinander abgegrenzt. Begriffe der allgemeinen Sprache haben nicht mehr ihre ursprüngliche – für alle verständliche – Bedeutung. Kann einen einzelnen Begriff betreffen oder auch so viele, daß eine Verständigung selbst über Alltagsdinge nicht mehr möglich ist.
    • Neologismen
      Manchmal bilden die Patienten durch Verknüpfung von Begriffen ganz neue Wörter.
      Ein Patient ist z.B. mit seinen Turnschuhen gelaufen und erzählt später, er habe „gelaufsohlt“.

 

  • Differentialdiagnose
    Jede, bei der Diagnosestellung zu berücksichtigende Diagnose, die aufgrund der erfassten Untersuchungsergebnisse in Frage kommt (Zetkin et al.).Es werden also alle Krankheiten berücksichtigt, die ähnliche Symptome wie die vermutete Krankheit haben. Im Laufe der Diagnotik werden diese Krankheiten ausgeschlossen oder es bestätigt sich eine andere Krankheit als die vermutete.Differentialdiagnosen auszuschließen ist wichtig, da die Therapien häufig sehr unterschiedlich sind.

 

  • Differentialdiagnostik
    alle diagnostischen Maßnahmen, Strategien u. Verfahren, die zur ärztl. Untersuchung bei einer Gesundheitsstörung bzw. Beratungsursache angewandt werden; insbes. Befragung (Anamnese), körperliche, ggf. apparative u. Laboruntersuchungen. Es sollen Differentialdiagnosen ausgeschlossen oder bestätigt werden. Das ist wichtig, um die richtige spezielle Therapie anzuwenden.

 

  • Dyskinetische Syndrome
    Als dyskinetische Syndrome werden Syndrome mit einer Störung des normalen Bewegungsablaufs (Kinese = Bewegung) bezeichnet. In der Literatur werden damit häufig Spätdyskinesien nach Gabe von hochpotenten Neuroleptika (Antipsychotika) gemeint. Man sagt dazu auch tardive (= verzögert, spät) Dyskenisien, weil die Bewegungsstörungen erst auftreten nach langjähriger Neuroleptikagabe. Es sind Bewegungsstörungen des Extrapyramidalen Systems, wie Mümmeln, Grimmassieren, Schmatzen, aber auch choreatische (schleudernde Bewegungen der Extremitäten) und athetotische (schraubende Bewegungen in den Gelenken vor allem der Hände, Arme, des Halses, des Oberkörpers mit extremer Überstreckung der Extremitäten) der Bewegungen.

A

A2

  • Abhängigkeit (Sucht)
    Unbeherrschbares Verlangen eines Menschen, sich eine bestimmte Substanz immer wieder zuzuführen oder eine bestimmte Tätigkeit immer wieder auszuführen, obwohl er sich selbst oder anderen dadurch schadet.
    Prinzipiell unterscheidet man Tätigkeits- und Stoffsüchte.
    Als Tätigkeitssüchte bezeichnet man Abhängigkeiten, die nicht an bestimmte Substanzen, sondern an Handlungen gebunden sind. So kennt man z.B. Arbeits-, Kauf-, Fernseh-,Spiel-, Ess- oder Sexsüchte.
    Der Begriff Stoffsucht meint die Abhängigkeit von bestimmten Substanzen, die dem Körper zugeführt werden, den Drogen. Hierunter fallen in erster Linie Sucht erzeugende Medikamente, Rauschmittel und Alkohol. Ihnen gemeinsam ist, dass sie das Bewusstsein oder das Erleben verändern und im weitesten Sinne „angenehme“ Gefühle hervorrufen können. Sie besitzen also ein gewisses Suchtpotential. Stoffe, die o.g. Eigenschaften nicht besitzen (z.B. Neuroleptika), „eignen“ sich nicht als Suchtmittel.
    Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat 1964 die Formen der Abhängigkeit von stofflichen Drogen in zwei Gruppen eingeteilt.
    Psychisch abhängig machend: Amphetamintyp, Cannabistyp, Halluzinogentyp, Kokaintyp.
    Psychisch und körperlich abhängig machend: Alkohol- und Barbiturattyp (inkl. Nikotin), Morphintyp.
    Das weitaus größere Problem ist meist die psychische Abhängigkeit. Der Süchtige kann dem Drang nach der Droge nicht widerstehen, sein Verlangen nach der Droge ist unbeherrschbar (Zwanghafte Komponente). Ihn interessiert nur noch, wie er an „seine“ Droge kommt. Hat er die Droge endlich beschafft, kann er nicht mehr kontrollieren, wie er sie zu sich nimmt. Z.B. teilt er die Nadel mit anderen, obwohl er die Gefahren kennt. Der Süchtige hat auch nicht mehr im Griff, wie viel er konsumiert. Durch diesen Kontrollverlust ist z.B. die Rückfallgefahr bei trockenen Alkoholikern so groß. Nach einem Glas Bier können sie nicht wieder mit Trinken aufhören.
    Körperliche Abhängigkeit zeigt sich in erster Linie durch Entzugserscheinungen bei Wegfall der Droge (z.B. bei Beschaffungsproblemen oder einem Krankenhausaufenthalt nach einem Unfall). Es kommt zu unangenehmen körperlichen Symptomen wie Schwitzen, Zittern, Darmkrämpfen und epileptischen Anfällen. Die körperliche Abhängigkeit zeigt sich auch daran, daß der Körper den Stoff „braucht“ und immer mehr davon verträgt (die Tolleranzschwelle steigt).

 

  • Affekte
    Hier sind in der Psychiatrie sämtliche Gemütsäußerungen gemeint (z.B. Weinen, Lachen), verbunden mit körperlich-vegetativen Begleiterscheinungen (z.B. bestimmte Mimik, Schwitzen …).

 

  • Affektivität (Emotionalität)
    (lat. affectus = Gemütsstimmung, Empfindung, Leidenschaft)
    Ist die Gesamtheit der Gefühlsregungen, Stimmungen und des Selbstwertgefühls eines Menschen (Vieten M. et al.). Bei der Beurteilung der Affektivität sollte man zwischen Stimmungen und Affekten unterscheiden.

 

  • Affektstörungen 
    • Abschwächung aller Gefühle (Gefühlsverarmung)
      Oft schmerzlich empfundene Gefühlsverarmung bis hin zu einem Gefühl der Empfindungslosigkeit. Die Patienten haben das Gefühl, nichts mehr empfinden zu können und innen leer zu sein.
    • Affektinkontinenz
      Eine Steigerung der Affektlabilität. Die Anlässe, die Gemütsäußerungen hervorrufen können, sind hier noch geringfügiger. Der Patient bricht z.B. sofort in Tränen aus, auch wenn ein Thema erwähnt wird, das emotional wenig oder gar nicht belastend ist. Oft ist gar kein Anlaß zu finden. Es entstehen ganz rasch intensive emotionale Reaktionen (überschießendes Lachen oder Weinen), die eine übermäßige Stärke haben und nicht beherrscht werden können. Die emotionalen Äußerungen klingen meist rasch wieder ab.
      Beispiel:
      Ein senil Dementer, den man nach seinem Namen fragt, fängt bitterlich an zu weinen.
      Vorkommen:
      – bei hirnorganischen Schäden (organisches Psychosyndrom, siehe dort!).
      Affektinkontinenz ist zu unterscheiden vom sog. pathologischen Lachen und Weinen(siehe dort), ältere Bezeichnung Zwangslachen und Zwangsweinen.
    • Affektlabilität
      Die Gefühle und Gefühlsäußerungen wechseln rasch, sobald ein bestimmter kleinerer Außenreiz (z.B. bestimmtes Gesprächsthema, strenger Blick, wehmütiger Film…) kommt. Man spricht auch von einer Vergrößerung der affektiven Ablenkbarkeit. Meistens haben die Affekte nur eine kurze Dauer. Sie wechseln dann sofort, wenn ein anderes Thema angeschnitten wird.
      Beispiel:
      Ein Kranker wird im Gespräch sehr angerührt und wehmütig bewegt, wenn man ihn nach seinem Zuhause und nach seinen Angehörigen, vielleicht nach seinem Hund fragt. Andererseits kann ei in der Erinnerung an Schönes rasch wieder aufblühen und in einen gegenteiligen Affekt geraten.
      Vorkommen:
      – bei hirnorganischen Schäden (organisches Psychosyndrom, siehe dort!)
      – habituell bei psycholabilen Menschen (Jemand ist „nahe am Wasser gebaut.“)
      – bei körperlicher und seelischer Erschöpfung (bei sonst unauffälligen Persönlichkeiten), evt. beim prämenstruellen Syndrom
      – bei emotional instabilen Persönlichkeitsstörungen vom impulsiven Typus, bei denen eine besondere Labilität in Richtung Explosivität und Aggressivität besteht
      – bei Kindern
      – bei manisch-depressiven Mischzuständen.
    • Affektsperre
      Unfähigkeit, Gefühle durch Affekte mitzuteilen. Die vorhandenen Gefühle lassen sich nicht an Mimik, Gesichtsausdruck, Gestik ablesen. Die Menschen wirken undurchsichtig.
    • Affektverflachung
      Wird manchmal auch etwas unschön als Abstumpfung, Affektlahmheit, Affektstarre oder Affektverödung bezeichnet.
      Der Betroffene verliert das Mitempfinden, die emotionale Schwingungsfähigkeit (Spannbreite der Gefühle) erringert sich. Es lassen sich Gefühlsäußerungen nur schwer auslösen. Im Extremfall wirken Betroffene nach außen teilnahmelos und gefühlsleer. Hier scheint ein Leidensdruck zu fehlen.
    • Ambivalenz
      Wird meistens in der Literatur zu den Affektstörungen gezählt. Ich habe sie aber unter dem Extrapunkt Ambivalenz gesondert genannt und beschrieben.
    • inadäquate Affekte
      „Unangemessene“ Gefühlsäußerungen. Sie werden auch als paradoxe Affekte bezeichnet. Hier passen die Gefühlsäußerungen eines Menschen nicht mit seinen Gedankeninhalten oder seiner Stimmmung oder einer bestimmten Situation zusammen.
      Man sagt dazu auch Parathymie.
      Z.B. ganz traurige Erlebnisse können munter lächelnd erzählt werden.
      Hier bleibt für den Untersucher aber häufig offen, ob es sich wirklich um eine Inadäquatheit der Gefühle – am Beispiel, der Erzähler empfindet bei der Schilderung des ganz traurigen Erlebnisses gar keine Traurigkeit, im Gegenteil – oder um eine Inadäquatheit der Gefühlsäußerungen (=Paramimie) – am Beispiel, der Erzähler empfindet die Traurigkeit beim Erzählen, nach außen zeigt die Mimik aber das Gegenteil – handelt.

 

  • Ambivalenz
    Es bestehen zugleich miteinander unvereinbare Gefühle oder Vorstellungen oder Absichten oder Wünsche (Uneinheitlichkeit von Fühlen, Denken und Wollen). Die Patienten stecken regelmäßig in einem „Zwiespalt“, was oft als sehr quälend empfunden wird.
    Z.B. Ein Patient will zugleich essen und nicht essen (Wollen). Oder er kann sich – ganz banal – morgens nicht zwischen der roten und der blauen Hose entscheiden. Er ist also ständig hin und her gerissen, was die Alltagsbewältigung ziemlich erschweren – wenn nicht gar unmöglich – machen kann.
    Oder es wird eine Ansicht und gleichzeitig das Gegenteil geäußert (Denken).
    Oder ein Patient empfindet für ein und die selbe Person Hass und Liebe gleichzeitig. Oder er lacht und weint in einer Situation zugleich (Gefühle).
    Vorkommen:
    – Schizophrenie

 

  • Anpassungsstörungen
    Diagnosebegriff aus dem Buch der klinisch-diagnostischen Leitlinien „ICD-10 Kapitel V(F)“ (=Internationale Klassifikation psychischer Störungen, zusammengestellt von der Weltgesundheitsorganisation).
    Die Anpassungsstörungen sind in dem großen Kapitel F4 – Neurotische-, Belastungs- und somatoforme Störungen – „untergebracht“. Und zwar in dem Unterkapitel F43 „Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen“
    Zu diesem Unterkapitel zählen die
    – akute Belastungsreaktion, die
    – posttraumatische Belastungsstörung und
    – Anpassungsstörungen.
    Bei letzteren handelt es sich um Zustände von subjektivem Leiden und emotionaler Beeinträchtigung, die soziale Funktionen und Leistungen behindern und
    während des Anpassungsprozesses nach einer entscheidenden Lebensveränderung oder nach belastenden Lebensereignissen wie auch nach schwerer körperlicher Erkrankung auftreten.
    Die Belastung kann die Unversehrtheit des sozialen Netztes betroffen haben – wie bei einem Trauerfall oder Trennungserlebnnissen – , das weitere Umfeld sozialer Unterstützung oder soziale Werte – wie bei Emigration oder nach Flucht.
    Die Belastung kann dabei nur den Einzelnen oder auch seine Gruppe oder Gemeinde betreffen.
    Die individuelle Disposition oder Vulnerabilität spielt bei dem möglichen Auftreten und bei der Form der Anpassungsstörung eine größere Rolle als bei den anderen Krankheitsbildern dieser Gruppe.
    Es ist aber dennoch davon auszugehen, daß das Krankheitsbild ohne die Belastung nicht entstanden wäre.
    Die Anzeichen sind unterschiedlich. Sie umfassen:
    – depressive Stimmung,
    – Angst,
    – Besorgnis (oder eine Mischung von diesen),
    – ein Gefühl, unmöglich zurecht zukommen, vorauszuplanen oder in der gegenwärtigen Situation fortzufahren, ferner
    – eine gewisse Einschränkung bei der Bewältigung der alltäglichen Routine.
    – Die betroffene Person kann sich so fühlen, als neige sie zu dramatischem Verhalten oder zu Gewaltausbrüchen, wozu es aber selten kommt. Besonders bei Jugendlichen können jedoch Störungen des Sozialverhaltens – wie z.B. aggressives oder dissoziales Verhalten – zu dieser Störung gehören.
    Keines der Symptome ist in diesen Fällen schwer genug oder an sich so markant, daß es eine spezifische Diagnose rechtfertigt.
    Bei Kindern gehören regressive Phenomäne, wie das Wiederauftreten von Bettnässen, Babysprache oder von Daumenlutschen, häufig zu diesem Syndrom.
    Die Störung beginnt im allgemeinen innerhalb eines Monats nach dem belastenden Ereignis oder der Lebensveränderung.
    Die Symptome halten meist nicht länger als 6 Monate an. Dauern die Symptome an, ist die Diagnose zu überdenken.
    Dazugehörige Begriffe:
    – Kulturschock
    – Trauerreaktion
    – Hospitalismus bei Kindern

 

  • Apallisches Syndrom
    Siehe unter Wachkoma im Lexikon.

 

  • Asperger, Hans
    Der Kinderarzt Hans Asperger beschrieb in den 1940iger Jahren als Erster eine bestimmte Form des Autismus, die nach ihm „Asperger-Syndrom“ benannt wurde.

 

  • Asperger-Syndrom
    Er gehört nach der internationalen Klassifikation psychischer Störungen (ICD-10) zu den tiefgreifenden Entwicklungsstörungen. Dies ist eine Gruppe von Störungen, die durch Beeinträchtigungen in der sozialen Interaktion und Kommunikation sowie durch ein eingeschränktes, stereotypes, sich wiederholendes Repertoire von Interessen und Aktivitäten charakterisiert sind.
    Diese Gruppe von Störungen läuft heute auch unter dem Namen „Autismus-Spektrum-Störungen“.
    Beim Asperger-Autismus handelt es sich um eine „abgeschwächte“ Form innerhalb der Autismus-Spektrum-Störungen. Die Intelligenz ist normal bis überdurchschnittlich . Auffällig werden die Kinder ab dem 3. Lebensjahr.

 

  • Autismus
    Man versteht unter Autismus eine „Ich-Versunkenheit“ und Abkapselung von der Realität. Die Patienten leben gewissermaßen in einer „Privatwelt“. Autistische Patienten können sich daher nicht so verhalten, wie es die jeweilige Situation erfordern würde. Beispielsweise befragt ein Patient stundenlang seine Mitpatienten nach ihren Vorfahren und erstellt Stammbäume, ohne das Desinteresse und den Ärger der Mitpatienten überhaupt wahrzunehmen.
    Autismus ist ein Mechanismus, durch den sich der Ich-gestörte Kranke vor Überforderungen schützt.
    Extrem autistische Kranke nehmen keinen Anteil mehr an ihrer Umgebung, sprechen kaum noch (Mutismus ) oder bewegen sich nicht mehr (Stupor ).
    Das Symptom Autismus bei Schizophrenen ist nicht zu verwechseln mit dem ähnlichen Begriff „frühkindlicher Autismus“. Dies ist ein eigenständiges Krankheitsbild, was bei kleinen Kindern auftreten kann. Aber auch hier ist die Kontaktstörung ein wesentliches Symptom.
    Vorkommen:
    – Schizophrenie
    – Neurotische und Belastungsstörungen
    – hirnorganische Störungen
    – frühkindlicher Autismus, Asperger-Syndrom
    – als normale Charaktervariante in schwächerer Ausprägung

 

  • Autismus, atypischer
    Er gehört nach der internationalen Klassifikation psychischer Störungen (ICD-10) zu den tiefgreifenden Entwicklungsstörungen. Dies ist eine Gruppe von Störungen, die durch Beeinträchtigungen in der sozialen Interaktion und Kommunikation sowie durch ein eingeschränktes, stereotypes, sich wiederholendes Repertoire von Interessen und Aktivitäten charakterisiert sind.
    Diese Gruppe von Störungen läuft heute auch unter dem Namen „Autismus-Spektrum-Störungen“. Der atypische Autismus heißt deshalb „atypisch“, weil nicht alle diagnostischen Kriterien, die v.a. für den frühkindlichen Autismus gelten, erfüllt werden.

 

  • Autismus, frühkindlicher
    Auch Kanner-Syndrom. Er gehört nach der internationalen Klassifikation psychischer Störungen (ICD-10) zu den tiefgreifenden Entwicklungsstörungen. Dies ist eine Gruppe von Störungen, die durch Beeinträchtigungen in der sozialen Interaktion und Kommunikation sowie durch ein eingeschränktes, stereotypes, sich wiederholendes Repertoire von Interessen und Aktivitäten charakterisiert sind.
    Diese Gruppe von Störungen läuft heute auch unter dem Namen „Autismus-Spektrum-Störungen“.
    Der frühkindliche Autismus zeigt sich meist vor dem dritten Lebensjahr, meist in der frühen Babyzeit schon. Die Intelligenz ist normal bis unterdurchschnittlich (alle Schweregrade einer geistigen Behinderung sind möglich).
    Autismus-Spektrum-Störungen
    Das ist eine sehr buntgemischte Gruppe von Störungen, deren gemeinsamer Nenner autistische Verhaltensweisen in sehr unterschiedlicher quantitativer Ausprägung sind. Sie gehört nach der internationalen Klassifikation psychischer Störungen (ICD-10) zu den tiefgreifenden Entwicklungsstörungen. Dies ist eine Gruppe von Störungen, die durch Beeinträchtigungen in der sozialen Interaktion und Kommunikation sowie durch ein eingeschränktes, stereotypes, sich wiederholendes Repertoire von Interessen und Aktivitäten charakterisiert sind.
    Dazu zählen u.a. der frühkindliche Autismus und das Asperger-Syndrom.