K

Kbunt

  • Kanner, Leo
    Erstbeschreiber des frühkindlichen Autismus in den 1940iger Jahren. Nach ihm wurde dieser Autismus „Kanner-Syndrom“ benannt.

 

  • Kanner-Syndrom
    Siehe „Autismus, frühkindlicher“.

 

  • Katatonie
    Psychisches Krankheitsbild, das vorwiegend durch Störungen der Willkürbewegungen gekennzeichnet ist.
    Zur Katatonie gehören z.B.
    – motorische Erstarrung (Stupor)
    – bizarre Haltungen
    – Automatismen
    – Grimassieren
    – Bewegungsstürme.
    – hochgradige Erregungszustände.
    Dabei nehmen die Patienten alles wahr. Sie können sich aber nicht am Geschehen beteiligen.
    Es kann auch sein, daß totale Bewegungslosigkeit (Stupor) relativ rasch in einen hochgradigen Erregungszustand überwechselt und umgekehrt. Diese Zustände gehen meist mit starker innerer Anspannung einher.
    Vorkommen:
    – hauptsächlich bei Schizophrenie
    – doch auch bei Infektionen ( Typhus, Paratyphus, Tuberkulose u.a., wenn das Gehirn betroffen ist)
    – bei Hirntumoren sowie
    – endogener Depression (hier Stupor)

 

  • Katatonie, perniziöse
    Ist ein sehr seltener, aber lebensbedrohlicher Zustand. Er geht mit akuter Erregung, sehr hohem Fieber, Kreislaufstörungen und Herzjagen sowie völligem Fehlen jeglicher Motorik einher. Perniziöse Katatonie kann nur intensivmedizinisch behandelt werden.
    Vorkommen:
    – innerhalb einer Katatonie bei Schizophrenen

 

  • Kernspintomographie (KST) = Magnetresonanztomographie (MRT oder MR) = Nuclearmagnetresonanztomographie (NMR)
    Leistungsstarkes bildgebendes Verfahren zur schichtweisen Darstellung des Körpers unter Verwendung eines Magnetfeldes anstelle von Röntgenstrahlen.

 

  • kindlicher Autismus
    Siehe „Asperger-Syndrom“.

 

  • Kipphard, Ernst
    Begründer der Psychomotorik-Bewegung, die sich die Förderung von Sinneserfahrungen zum Konzept gemacht hat.
    Ein Leistungstest ( und zwar ein Entwicklungstest) nach Kipphard: KTK = Körperkoordinationstest für Kinder.
    Literatur: Kipphard E., Wie weit ist mein Kind entwickelt.

 

  • Koma
    Schwerste Form der quantitativen Bewusstseinsstörung mit tiefer Bewusstlosigkeit. Der Patient kann auch bei Anwendung starker Schmerzreize nicht erweckt werden. Er reagiert allenfalls mit unkoordinierten Abwehrbewegungen.
    Das Koma, gleich welcher Ursache, ist immer ein ernster, oft lebensbedrohlicher Zustand. Entscheidend für den klinischen Verlauf eines mit Koma einhergehenden Krankheitsprozesses ist die Beurteilung der Komatiefe und die Einschätzung der Entwicklungsrichtung des Koma (üblich ist die Einschätzung durch die sog. Glasgow Coma Scale).
    Ursachen:
    – organische Hirnerkrankungen (z.B. Schädel-Hirn-Traumen, Schlaganfälle…)
    – schwere Stoffwechselstörungen (Coma basedowicum, diabeticum, hepaticum, hypoglycaemicum, uraemicum)
    – präfinales Stadium (Stadium vor dem Tod) schwerer Allgemeinerkrankungen.

M

 

 

  • Mbunt
  • MRT = Magnetresonanz-Tomographie = Kernspintomographie
    Hier werden Schnittbilder erzeugt. Das Prinzip ist das gleiche wie bei der Computertomographie (siehe unter C im Lexikon).
    Es werden aber keine Röntgenstrahlen verwendet. Sondern es wird ausgewertet, wie sich das Gehirn in einem starken Magnetfeld verhält.
    Ein Magnetfeld richtet die Wasserstoffkerne des Gewebes in eine Richtung aus. Ein kurzer Hochfrequenzimpuls „rüttelt“ an dieser Ausrichtung. Beim Zurückschwingen der Wasserstoffkerne in ihre ursprüngliche Position werden elektromagnetische Wellen ausgesandt, die von speziellen Sensoren (Detektor) registriert werden. Es ergibt sich ein Muster, das von einem Computer in ein sichtbares Bild verwandelt wird, vergleichbar den Schnittbildern im CT.
    Vorteil: kontrastreichere Darstellung und keine schädlichen Röntgenstrahlen.
    Nachteil: sehr teure Geräte, langes Stillliegen in enger, langer Röhre (bis 30 Minuten), klaustrophobische Reaktionen.

 

  • Mutismus
    Stummheit (bzw. Nicht-Sprechen) bei intaktem Sprachvermögen u. intakten Sprechorganen. Vork.: z. B. bei depressivem Syndrom, Autismus, akuter Schreckstarre, Negativismus od. Stupor (z. B. bei Schizophrenie).

 

  • Multisystematrophie (MSA)
    Sporadisch auftretende Erkrankung des Erwachsenenalters mit variabler Kombination von Symptomen eines
    – Parkinson-Syndroms, einer
    – Kleinhirnerkrankung, einer
    – Störung des vegetativen Nervensystems und der
    – Pyramidenbahnen.

 

  • Muskelerkrankungen
    Äußern sich meist in einer langsam fortschreitenden schlaffen Lähmung in bestimmten Muskelregionen, die aber im Gegensatz zu peripheren Nervenschädigungen proximal (in Körpermittenähe) betont ist und sich keinem Nervenversorgungsgebiet zuordnen lässt.
    Muskelerkrankungen sind die Myasthenia gravis (siehe da), die progressive Muskeldystrophie, die Polymyositis und die Myotonie.

 

  • Myasthenia gravis
    (gr. mys = Muskel, Maus, gr. asthenaia = kraftlos, schwach, lat. gravis = schwer)
    Belastungsabhängige Muskelschwäche infolge einer Störung der neuromuskulären Übertragung an der motorischen Endplatte. Häufigkeit ca. 5 – 10/100 000 Einwohner. Frauen sind häufiger als Männer betroffen. Manifestation zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr.
    Es handelt sich um eine Autoimmunerkrankung mit Antikörperbildung gegen Azetylcholinrezeptoren an der postsynaptischen Membran der motorischen Endplatte. Vereinfacht ausgedrückt: die Körperabwehr richtet sich gegen die eigenen motorischen Endplatten, den Spezialsynapsen, die für die Erregungsweiterleitung vom Nerv auf den Muskel verantwortlich sind. Dadurch wird die Anzahl der freien Rezeptoren vermindert, an die das Azetylcholin zur Erregungsübertragung vom Nerv auf den Muskel binden kann.

L

Lbunt

  • Langzeitgedächtnis (=Altgedächtnis)
    Das Langzeitgedächtnis ist der Verwahrort der gesamten Information, die wir im Laufe der Jahre gespeichert haben – Information, die zuerst das Kurzzeitgedächntnis durchlaufen hat. Wenn Kurzzeitinformation in unser Langzeitgedächntnis übergeht, so sagt man, sie ist entkodiert worden. Sich an derartige Information zu erinnern, heißt abrufen. Diesen Abruf stellt man sich so vor, dass man auf das Langzeitgedächtnis zugreift und die Information herausholt.
    Die Information im Langzeitgedächntnis läßt sich als prozedural oder deklarativ klassifizieren.
    Prozedurale Erinnerungen (lat. procedere = vorrücken, fortschreiten, vor sich gehen) sind gelernte körperliche oder kognitive Fertigkeiten, die wir ausüben, ohne darüber nachzudenken, etwa mit einer Schere schneiden oder wissen, wie man eine Mathematikaufgabe löst.
    Das deklarative Gedächtnis (lat. declarator = Verkünder, Ausrufer) enthält Information, auf die das Bewußtsein unmittelbar zugreifen kann, etwa Namen, Daten und andere gelernte Tatsachen. Das deklarative Gedächtnis ist bei den meisten organischen Störungen weitaus stärker beeinträchtigt als das prozedurale.
    Störungen des Langzeitgedächtnis: Der Betroffene kann sich an Ereignisse, die Monate bis Jahre zurückliegen, nicht mehr erinnern.

U

 

U

  • Über-Ich
    Ist eine der drei Instanzen (Es, Über-Ich, Ich) in dem Instanzenmodell nach Freud. Nach Freud prägen den Menschen diese Instanzen und sind Bestandteil der Persönlichkeit eines Menschen. Das Über-Ich enthält die gesellschaftlichen und elterlichen Werte und Normen und bildet das menschliche Gewissen.

N

Nbunt

  • Neglect
    (lat. neglectio = Vernachlässigung)
    Besonders bei rechtshemisphärischen (die rechte Hirnhälfte betreffenden) Verletzungen tritt oft eine erhebliche Wahrnehmungsstörung auf der Gegenseite auf, d.h. der Patient nimmt die linke Körper- und Raumhälfte nicht oder nur eingeschränkt wahr. Ebenso ist ihm auch eine ggf. vorhandene Lähmung oder Gefühlsstörung nicht bewusst. Bittet man den Patienten z.B. den rechten Arm zu heben, so macht er dies prompt. Soll er den linken Arm heben, hebt er ebenfalls den rechten, ist jedoch überzeugt, den linken Arm gehoben zu haben. Der Neglect kann soweit gehen, dass der Patient angsterfüllt das Pflegepersonal bittet, „den toten Arm dort“ aus seinem Bett zu nehmen. Dabei starrt er auf seinen linken Arm, den er als nicht zu seinem Körper gehörig erlebt.
    Vorkommen in ca. 40% bei Rechtshirnschädigung und ca. 5% bei Linkshirnschädigung, weist auf eine Parietallappenläsion ( Scheitellappenverletzung) hin.
    Bei einem Neglect stimulieren die Pflegenden so früh wie möglich die vom Patienten nicht oder nur wenig wahrgenommene Körperseite, indem sie ihn z.B. immer von dieser Seite ansprechen.

 

  • Neologismen
    Wortneuschöpfungen. Gehören zu den formalen Denkstörungen.
    Manchmal werden durch Verknüpfung von Begriffen ganz neue Wörter gebildet.
    Ein Patient ist z.B. mit seinen Turnschuhen gelaufen und erzählt später, er habe „gelaufsohlt“.

O

Obunt

  • Okkasionskrampf
    (lat. occasio = Gelegenheit)
    Ist ein zerebraler Gelegenheitsanfall. Es handelt sich meist um einen generalisierten tonisch-klonischen Krampfanfall. Symptome und Untersuchungsbefund sind von den tonisch-klonischer Krampfanfälle bei Epilepsie (Grand mal) nicht zu unterscheiden. Es handelt sich hier aber um ein meist einmaliges Ereignis, das während einer Gehirnerkrankung oder einer außergewöhnlichen Belastung des Gehirns auftritt und das nach Heilung oder Wegfall des Auslösers verschwindet.
    Häufigkeit:
    Ca. 5% der Gesamtbevölkerung.
    Diagnose:
    Ergibt sich aus dem klinischen Bild, dem Vorliegen von Auslösefaktoren sowie unauffälliger Zusatzdiagnostik.
    Außergewöhnliche Belastungen und Auslöser:
    schwere Infektionen (z.B. Enzephalitis), Stoffwechselentgleisungen (z.B. Hypoglykämie), Fieber (bei Kindern als sog. Fieberkrampf), Alkoholismus (besonders im Entzug), Drogen oder Medikamente (z.B. Neuroleptika), Schlafentzug, Flackerlicht, laute rhythmische Musik…
    Behandlungsstrategie:
    Ein einzelner Gelegenheitskrampf bedarf meist keiner Behandlung. Nur lang andauernde Anfälle (bei Erwachsenen über 10 – 15 min, bei Kindern über 5 min) müssen medikamentös durchbrochen werden. Ansonsten reicht es aus, den Betroffenen vor Verletzungen zu schützen. Eine medikamentöse Dauerbehandlung ist nicht angezeigt. Der Betroffene sollte aber die Auslösefaktoren in Zukunft meiden.
    Prognose:
    Die überwiegende Mehrzahl der Menschen mit einem zerebralen Gelegenheitskrampf erleidet keine weiteren Anfälle mehr. Ein geringer Teil der Betroffenen, insbesondere solche mit Risikofaktoren (z.B. Auftreten von Epilepsie oder Fieberkrämpfen bei nahen Verwandten) entwickelt später eine Epilepsie.

 

  • On-Job-Coaching
    Ausbildung am Arbeitsplatz durch Zusehen und Mitmachen unter Anleitung einer Facharbeitskraft.

 

  • Organisches Psychosyndrom
    Siehe Psychosyndrom, (hirn)organisches

P

Pbunt

  • Paraparese bzw. Paraplegie
    Unvollständige bzw. vollständige Lähmung zweier symmetrischer Gliedmaßen (beide Arme oder beide Beine).

 

  • Parese
    (gr. paresis = das Vorbeilassen, Erschlaffung)
    Unvollständige Lähmung, Minderung der Funktionsfähigkeit von einzelnen Muskeln oder Muskelgruppen.

 

  • Polyneuropathien (PNP)
    (gr. polys = viel, gr. neuron = Nerv, gr. pathos = Leiden, Krankheit)
    Sind Erkrankungen mehrerer peripherer Nerven entzündlicher und nichtentzündlicher Ursachen mit Beeinträchtigung sensibler, motorischer und vegetativer Funktionen. Häufigste Ursachen sind Diabetes mellitus und Alkoholmissbrauch.

 

  • pathologisches Lachen
    Auftreten von Ausdrucksbewegungen des Lachens ohne fröhlichen Affekt. Das Lachen wird vom Kranken als fremd und krankhaft empfunden. Teilweise bestehen dabei Spannungszustände oder Schmerzen in der mimischen Muskulatur.
    Es handelt sich um ein rein motorisches Phänomen – getrennt von seinem sonst zugehörigen emotionalen Gehalt.
    Vorkommen:
    als organisches Krankheitssymptom vor allem im Bereich der zentralen Kerne des Mittelhirn-Zwischenhirn-Bereiches, z.B. bei
    – myatrophischer Lateralsklerose
    – Pseudobulbärparalyse
    – multipler Sklerose
    – Schädel-Hirn-Traumen.
    Gewöhnlich besteht gleichzeitig

 

  • pathologisches Weinen – dem pathologischen Lachen analoge und aus den gleichen Bedingungen entstehende Ausdrucksbewegung des Weinens.

 

  • Psychohygiene                                                                                 Maßnahmen zur Erhaltung der seelischen Gesundheit und Zufriedenheit. Hilfen zur Stabilisierung eines gesunden Selbstvertrauens. Vorbeugung und Unterstützung sollten vor allem in folgenden Bereichen erfolgen: individuelle Entfaltungsmöglichkeiten (Erwachsenenbildung, sinnvolle Freizeitgestaltung), soziale Beziehungen (Kontaktaufbau, Integrationsmaßnahmen), Beruf und Arbeitsplatz (berufliche Weiterbildung, Bildungsurlaub, Supervision).

 

  • Psychosen
    (gr. psychagogos = der die Seelen leitet, gr. -osis = krankhafter Zustand, Erkrankung)
    Unterschiedlich benutzter Begriff. Bezeichnet am häufigsten solche psychischen Krankheiten, bei denen der Betroffene in seinem Kontakt zur Realität erheblich gestört ist und in die sich ein Außenstehender nur schwer einfühlen kann. Es kann zu psychischen Auffälligkeiten, Kommunikations- und Verhaltensstörungen kommen, durch die die Alltagsbewältigung oft beeinträchtigt ist. Nach dem in der Psychiatrie oft benutzten triadischen System (nach Huber u.a.) – hier werden die psychischen Störungen eingeteilt und geordnet nach bestimmten Gesichtspunkten – werden unterschieden: endogene Psychosen und exogene Psychosen.

    • exogene Psychose
      (gr. exogen = von Außen entstehend)
      Jede Krankheit, jede Störung, die das Gehirn schädigt oder beeinträchtigt, kann eine exogene Psychose hervorrufen. Beispiele: Hirntumore, hohes Fieber, Hirngefäßveränderungen, Hirnatrophie, Vergiftungen (z.B. Alkohol) oder Stoffwechselstörungen. Entsprechend der Ursache sind bei der körperlichen Untersuchung oder bei technischen Diagnosemaßnahmen pathologische Befunde feststellbar. Beispiele: erhöhter Alkoholspiegel, vermehrte Stoffwechselprodukte im Blut oder Veränderungen im CT (Computertomographiebild). Der Begriff exogene Psychose wird nicht überall verwendet. Es gibt noch viele andere Begriffe dafür: organische Psychosen, symptomatische Psychosen, exogene Reaktionstypen, psychoorganisches Syndrom, organisches Psychosyndrom, körperlich begründbare Psychosen, Funktionspsychosen (speziell für reversible Syndrome), organische Defektpsychosen (speziell für irreversible Syndrome), hirnorganisches Psychosyndrom (HOPS), Durchganssyndrome (speziell für reversible Syndrome ohne Bewusstseinstrübung), …
    • endogene Psychose
      (gr. endogen = von innen entstehend)
      Bei den endogegen Psychosen ist die Ursache der Psychose bisher unbekannt. Sicher ist jedoch, dass endogene Psychosen erblich mitbedingt sind und dass ihr Verlauf einer gewissen Eigengesetzlichkeit folgt, aber auch von Umweltfaktoren (psychosoziale Faktoren) abhängt. Biochemische Faktoren (Neurotransmitter im Gehirn) spielen auch eine Rolle. Auf jeden Fall liegen keine nachweisbaren körperlichen Erkrankungen vor.
      Zu den endogenen Psychosen werden die Schizophrenien, die schizoaffektiven Psychosen und die affektiven Psychosen (Manisch-depressive Krankheit) gezählt.
      Die Diagnose einer endogenen Psychose stützt sich vor allem auf den psychopathologischen Befund (Beschreibung der psychischen Auffälligkeiten) und auf den Ausschluß von Körperkrankheiten.

 

  • Psychosyndrom, (hirn)organisches
    Exogene Psychosen bei diffusen Hirnschädigungen. Es werden mehrere Bezeichnungen dafür gebraucht:
    – psychoorganisches Syndrom (Bleuler) als Krankheitsbild in der Folge anderer körperlicher Erkrankungen
    – akuter exogener Reaktionstyp
    – mnestisches Psychosyndrom v.a. mit Merkfähigkeitsstörungen
    – Korsakow-Syndrom mit mnestisch-konfabulatorischer Komponente.
    Alle Formen des organischen Psychosyndroms gehen mit einer Hirnleistungsschwäche (v.a. Merkfähigkeitsstörungen und Affektstörungen – Affektlabilität bis hin zur Affektinkontinenz) einher.
    Ursachen:
    – diffuse Hirnschädigungen bei Gefäßprozessen
    – Hirnverletzungen
    – Enzephalitiden
    – Vergiftungen
    – chronischer Alkoholismus
    – chronische Stoffwechselschäden.

F

F

  • Fragiles-X-Syndrom
    Andere Bezeichnungen sind Marker-X-Syndrom und Martin-Bell-Syndrom.
    Es ist eine überwiegend beim männl. Geschlecht vorkommende Erbkrankheit mit auffälliger Gesicht (langes ovales Gesicht, große prominente Ohren, auffällige Gebissstellung), Hodenvergrößerung, Hyperaktivität u. Verzögerung der motor. u. geistigen Entw. unterschiedl. Ausmaßes (Sprachentwicklungsstörungen, Aggressivität, Autismus) sowie Epilepsie.
    Häufigkeit 1 : 2000 männl. Neugeborene.
    Gesunde Männer mit fragilem X-Chromosom übertragen das Gen ohne Krankheitsrisiko an ihre Kinder. Töchter werden aber Risikoüberträgerinnen. Frauen mit einer Prämutation sind immer symptomfrei, mit einer Vollmutation können sie unterschiedl. Intelligenzminderungen aufweisen.
    Ursache: Mutation unterschiedlichen Ausmaßes (Prämutation bis Vollmutation) eines Genes (im FMR1-Gen am Genlokus Xq27.3) im langen Arm des X-Chromosoms.
    Diagnose: Gendiagnostik mit Nachweis der brüchigen Stelle am X-Chromosom. Pränataldiagnostik durch Fruchtwasseruntersuchung.
    Therapie: symptomatisch.

 

  • Frühkindlicher Autismus
    Siehe „Autismus, frühkindlicher“

 

  • Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)
    Ist eine Infektion der Hirnhäute und des Gehirns. Die FSME-Viren werden durch Zeckenbiss übertragen. Der typische Krankheitsverlauf ist zweiphasig. Etwa eine Woche nach dem Zeckenbiss beginnt die Krankheit mit grippeähnlichen Symptomen. Nach mehrtägiger Beschwerdefreiheit folgen die Symptome der ZNS-Beteiligung. In der Mehrzahl der Fälle entwickelt sich eine Meningoenzephalitis mit relativ guter Prognose. Die seltenere Meningomyelitis (Entzündung des Rückenmarks und seiner Häute) mit Lähmungen hat eine Sterblichkeit von bis zu 20%. In Deutschland ist die Gesamtsterblichkeit mit etwa 3% vergleichsweise gering. Eine aktive Impfung ist möglich, allerdings ist sie nur bei erhöhter Gefährdung angezeigt, z.B. bei Förstern und Waldarbeitern oder bei Fahrten in Durchseuchungsgebiete. Nach Zeckenbiss in einem Endemiegebiet ist innerhalb der ersten 96 Stunden (4 Tage) auch eine passive Impfung erfolgreich.

B

B2

  • Babinski-Reflex
    Der Babinski-Reflex ist ein pathologischer Fremdreflex, der auf eine Schädigung der Pyramidenbahn hinweist. Beim Bestreichen des äußeren Fußsohlenrandes biegt sich die Großzehe beim gesunden Menschen leicht nach unten. Beim Vorliegen einer Pyramidenbahnverletzung biegt sich die große Zehe nach oben. Die Pyramidenbahn (= 1. motorisches Neuron oder 1. Motoneuron) ist eine wichtige Leitungsbahn des menschlichen Zentralnervensystems. Sie führt von der Großhirnrinde zu den Vorderhornzellen des Rückenmarks. Ermöglicht die Bewegung durch die Muskeln (vor allem die willentliche Bewegung). Benannt ist der Babinski-Reflex nach dem Entdecker, dem französischen Neurologen Joseph François Félix Francois Babinski (1857-1932). Andere Bezeichnungen sind Großzehenreflex oder Zehenreflex.

 

  • Basale Stimulation
    Der Sonderpädagoge Andreas Fröhlich entwickelte seit den Siebzigerjahren das Konzept der Basalen Stimulation zur Förderung schwerst behinderter Kinder. Die Diplompädagogin und Krankenschwester Christel Bienstein übertrug dieses Konzept auf die Pflege stark wahrnehmungsgestörter Menschen. Alltägliche pflegerische Handlungen wie Körperpflege, Ernährung und Mobilisation werden zu therapeutischen Möglichkeiten für den pflegebedürftigen Menschen, sich in seiner Umwelt zu orientieren, Kontakt aufzunehmen, selbst mitzubestimmen und aktiv zu werden. Wir begeben uns auf die Wahrnehmungs- und Erlebensebene dieser Menschen und orientieren uns an deren Ressourcen. Untersuchungen zeigen, dass diese Pflegemethode eine Stabilisierung der emotionalen Befindlichkeit und eine verbesserte Koordination und Wachheit bewirkt…. (Altenpflege 4/2001)

 

  • Begriffszerfall
    Gehört zu den formalen Denkstörungen.
    Die Bedeutung der verschiedenen Wörter werden nicht mehr scharf gegeneinander abgegrenzt. Begriffe der allgemeinen Sprache haben nicht mehr ihre ursprüngliche – für alle verständliche – Bedeutung. Kann einen einzelnen Begriff betreffen oder auch so viele, daß eine Verständigung selbst über Alltagsdinge nicht mehr möglich ist.

 

  • Bewusstsein
    In der traditionellen Psychiatrie bedeutet es einen eigentümlichen Grad von Helligkeit, Klarheit, Fülle, Beweglichkeit, Ablauftempo und Rangordnung des inneren Erlebens und der psychischen Funktionen.
    Eine kurze und knappe Beschreibung ist folgende (aus Vieten et al.):
    Bewusstsein ist die Gesamtheit aller psychischen Vorgänge (Gedanken, Gefühle, Wahrnehmungen), verbunden mit dem Wissen um das eigene „Ich“ und die Subjektivität dieser Vorgänge.
    Praktisch psychiatrisch sind vor allem die pathologischen Veränderungen des Bewusstseins wichtig. Unterschieden werden vor allem Veränderungen der Bewusstseinshelligkeit – quantitative Bewusstseinsstörungen, wobei verschiedene Bewusstseinsgrade angenommen werden – und Veränderung der Bewusstseinsinhalte (qualitative Bewusstseinsstörungen). Diese Einzschätzung erfolgt auf Grund der Beobachtung des gesamten Verhaltens des Patienten.

 

  • Bewusstseinseinengung
    • ist eine qualitative Bewusstseinsstörung. Sie ist, abgesehen von der bei starker Konzentration auftretenden normalen Einengung der Aufmerksamkeit, in krankhaften Fällen durch ein meist psychotisches Verhaftetsein in bestimmten Gedankengängen bzw. krankhaften Denkschablonen charakterisiert, durch eine Einengung des Bewusstseinsfeldes. Die Bewusstseinsinhalte sind also reduziert, d.h. es erscheint nur noch ein kleiner Ausschnitt des Gesamterlebens im Bewusstsein.
      Bewusstseinseinengungen starken Ausmaßes werden therapeutisch im hypnotischen Zustand erzeugt.
      Dämmerzustände sind Bewusstseinseinengungen, die oft plötzlich eintreten und ebenso abrupt aufhören. Charakteristisch ist eine starke Einengung auf ein bestimmtes inneres Erlebniselement oder einen entsprechenden Erlebnisbereich und eine nachfolgende Erinnerungslosigkeit (Amnesie). Das Verhalten kann formal geordnet sein (geordneter Dämmerzustand) oder schwerwiegend gestört bis hin zu raptusartigem Verhalten gegenüber der Umwelt und dem eigenen Körper mit Fremd- und Selbstbeschädigungen.

 

  •  Bewusstseinsstörungen, quantitative
    Werden auch als Vigilanzstörungen oder Veränderung der Wachheit bezeichnet.
    – Benommenheit
    Leichte Minderung der Wachheit, die sich oft nur in einer leichten Verlangsamung des Denkablaufes und einer etwas erschwerten Auffassung äußert, die ihrer Art nach auch noch zur individuellen Spielbreite gehören könnte. Die Diagnose wird oft nur durch den Vergleich mit dem Zustand vorher oder nachher ermöglicht. Oft synonym mit Somnolenz, wobei hier korrekterweise eine schwere Benommenheit eigentlich gemeint ist.
    – Somnolenz
    Schwere Benommenheit.
    Symptome:
    – Herabsetzung der Aufmerksamkeit
    – Erschwerung der Auffassung
    – Erschwerung der Orientierung in Raum und Zeit
    – Verlangsamung der Denkvorgänge
    – Schwerbesinnlichkeit.
    Die Somnolenz hinterläßt nach Abklingen eine weitgehende, aber meist nicht vollständige Erinnerungslücke.
    Vorkommen:
    – bei akuten exogenen Psychosen (z.B. Vergiftungen, leichtes Schädel-Hirn-Trauma, vorübergehende cerebrale Durchblutungsstörungen…)
    – Sopor
    Schlafartiger Zustand, aus dem der Patient nur durch stärkere Reize partiell und vorübergehend, jedoch nur bis zum Stadium der Benommenheit „erweckbar“ ist.
    – Koma
    Schwerste Form der quantitativen Bewusstseinsstörung mit tiefer Bewusstlosigkeit. Der Patient kann auch bei Anwendung starker Schmerzreize nicht erweckt werden. Er reagiert allenfalls mit unkoordinierten Abwehrbewegungen.
    Das Koma, gleich welcher Ursache, ist immer ein ernster, oft lebensbedrohlicher Zustand. Entscheidend für den klinischen Verlauf eines mit Koma einhergehenden Krankheitsprozesses ist die Beurteilung der Komatiefe und die Einschätzung der Entwicklungsrichtung des Koma (üblich ist die Einschätzung durch die sog. Glasgow Coma Scale, siehe dort im Lexikon).
    Ursachen:
    – organische Hirnerkrankungen (z.B. Schädel-Hirn-Traumen, Schlaganfälle…)
    – schwere Stoffwechselstörungen (Coma basedowicum, diabeticum, hepaticum, hypoglycaemicum, uraemicum)
    – präfinales Stadium (Stadium vor dem Tod) schwerer Allgemeinerkrankungen.
    – Wachkoma oder – apallisches Syndrom oder – Coma vigile
    Der Patient erscheint, obzwar stumm und reglos, wach: Der Blick starrt geradeaus oder wandert umher, fixiert nicht. Weder verbal noch außersprachlich (Anfassen, Vorhalten von Gegenständen) ist eine Reaktion zu erzielen. Auch die reflektorischen Flucht- und Abwehrbewegungen können fehlen. Verharren in Zufallsstellungen (Fehlen der Korrekturbewegung). Vegetative Elementarfunktionen (Herzrhythmus, Atmung, Schlaf-Wach-Wechsel) erhalten.
    Das Syndrom ist abzugrenzen gegenüber dem Koma und gegenüber dem katatonen Stupor. Dazu ist außer dem psychopathologischen und neurologischen Befund das EEG wichtig.
    Vorkommen:
    – schwerste Schädigung und Funktionsausfall des Großhirnmantels (Pallidum) z.B. durch Schädel-Hirn-Trauma, Gehirnblutung, Enzephalitis…

 

  • Bewusstseinsstörungen, qualitative
    Gegenüber den quantitativen, aus einer Veränderung der Wachheit leicht verstehbaren Störungen des Bewusstseinszustandes, stellen qualitative Bewusstseinsstörungen schwerer verständliche Phänomene dar. Offentsichtlich ist das dadurch bedingt, daß sie komplexer sind und nur mit beschreibenden Methoden einer Ordnung zugänglich werden. Sie sind stets mit dem Bewusstseinszustand zugehörenden anderen psychologischen Erscheinungen verbunden und verweisen mehr als die quantitativen Bewusstseinsstörungen auf die in der Wirklichkeit existierende Vielseitigkeit des Psychischen.
    Zumeist sind diese qualitativen Bewusstseinsstörungen mit Verhaltensauffälligkeiten verknüpft, die das Psychopathologische des Phänomens augenscheinlich werden lassen.
    Vereinfacht ausgedrückt, bei den qualitativen Bewusstseinsstörungen sind die Bewusstseininhalte verändert – wobei häufig auch quantitative Veränderungen hinzukommen. Zu erkennen sind sie am Verhalten des Patienten und an seinen Äußerungen.
    Mögliche Veränderungen sind Bewusstseinsverschiebung (Bewusstseinssteigerung bzw. -erweiterung), Bewusstseinseinengung (Dämmerzustand), Delirium (als Bewusstseinstrübung in Vieten et al. bezeichnet) und Oneiroides Bewusstsein (wobei hier die Abgrenzung gegenüber dem Dämmerzustand unscharf ist).
    (Die Begriffe sind einzeln im Lexikon aufgeführt, siehe dort!)

 

  • Bewusstseinsverschiebung (Bewusstseinssteigerung bzw -erweiterung)
    Qualitative Bewusstseinsstörungen. Es sind unscharfe Begriffe, welche die Erfahrung der eigenen Ausdehnung, Existenzerweiterung, hellerer, wacherer Aufnahme der Umwelteindrücke, reicherer Auffassung und Kombinationsfähoigkeit und Erinnerungstätigkeit angeben sollen. Die Wahrnehmung erscheint lebhafter, von stärkerem Gefühlswiderhall begleitet. Das Erleben erscheint neu zentriert, auf andere als die gewohnten Dinge des Alltags.
    Der Mensch erscheint ekstatisch („entrückt“), schildert umfassende Erkenntnisse und Einsichten. Vorkommen:
    – unter halluzinogenen Drogen oder Psychostimulantien
    – evt. in einer Manie und zu Beginn einer Schizophrenie

 

  • Borderline-Persönlichkeitsstörung
    (engl. borderline= Grenzlinie, Grenzgebiet)
    Das sind Menschen, die – nach den inernationalen und amerikanischen Diagnoserichtlinien ICD 10 und DSM IV – an einer Persönlichkeitsstörung leiden, d.h. bestimmte Wesenszüge sind extrem ausgebildet. Sie zeigen eine „stabile Instabilität“: Ein durchgängiges Muster von Instabilität im Bereich der Stimmung, der zwischenmenschlichen Beziehungen und des Selbstbildes. Auffällig werden sie im frühen Erwachsenenalter, und die Störung manifestiert sich in den verschiedensetn Lebensbereichen. Nach dem DSM IV müssen mindestens fünf der folgenden Kriterien erfüllt werden:

1. Ein Muster von instabilen, aber intensiven zwischenmenschlichen Beziehungen. Zeichnet sich aus durch einen Wechsel zwischen den beiden Extremen der Überidealisierung („Du bist mein Vorbild, Du kannst alles, Du bist der beste und einzigste…) und Abwertung („Du bist schlecht, Du bist wie die anderen, ich hasse Dich…).
2. Impulsivität bei mindestens zwei potentiell selbstschädigenden Aktivitäten. Z.B. Geldausgeben, Sexualität, Substanzmißbrauch, Ladendiebstahl, rücksichtsloses Fahren und Freßanfälle (außer Suizid oder Selbstverstümmelung, siehe dazu 5.).
3. Instabilität im affektiven Bereich. Z.B. ausgeprägte Stimmungsänderungen von der Grundstimmung zu Depression, Reizbarkeit oder Angst. Diese Zustände dauern gewöhnlich einige Stunden oder – in seltenen Fällen – länger als einige Tage an.
4. Übermäßige, starke Wut oder Unfähigkeit, die Wut zu kontrollieren. Z.B. häufige Wutausbrüche, andauernde Wut oder Prügeleien.
5. Wiederholte Suiziddrohungen, -andeutungen oder -versuche oder andere selbstverstümmelnde Verhaltensweisen (siehe Information Psychiatrie ==>Selbstverletzendes Verhalten).
6. Ausgeprägte und andauernde Identitätsstörung, die sich in Form von Unsicherheit in mindestens zwei der folgenden Lebenbereiche manifestiert:
dem Selbstbild, der sexuellen Orientierung, den langfristigen Zielen oder Berufswünschen, in der Art der Freunde oder Partner oder in den persönlichen Wertvorstellungen.
7. Chronisches Gefühl der Leere oder Langeweile.
8. Verzweifeltes Bemühen, ein reales oder imaginäres Alleinsein zu verhindern (außer Suizid oder Selbstverstümmelung, siehe dazu 5.).
Als Ursachen werden die verschiedensten Faktoren diskutiert und vermutet. Eine ganz bestimmte alleinige Ursache gibt es vermutlich nicht.
Die Therapie ist oft sehr langwierig und schwierig. Es werden verschiedene Psychotherapien angewendet: stützende Psychotherapie, psychodynamische Therapien, verhaltentherapeutische Ansätze – alles möglich in Einzel-, Gruppen- oder stationären Therapien. Auch Psychopharmaka haben sich in bestimmten Situationen (bei Depressionen oder aggressiven Ausbrüchen) bewährt.

Sehr erfolgversprechend ist die Dialektisch Behaviorale Therapie (DBT).