3. BPS – Ursachenhypothese

Es wird ein Zusammenspiel von vielen Faktoren diskutiert. Vor allem der Faktor Veranlagung – also ein genetischer Faktor – und dazu kommende sehr belastende Einflüsse durch das soziale Umfeld schon ab früher Kindheit .

  • Genetischer Faktor:
    • Veranlagung  zu großer Empfindlichkeit im Gefühlsbereich.
    • Dadurch überempfindliche heftige Reaktionen auf bestimmte Reize.
    • Langsame Rückkehr zum emotionalen Ausgangsniveau.
  • Sozialer Faktor:
    • Eine krankmachende Umgebung mit Gewalt, sexuellem Missbrauch oder anderen traumatisierenden Ereignissen.

Die Borderliner stehen so ständig unter Hochspannung. Selbstverletzendes Verhalten vielfältiger Art und anderes soziales Fehlverhalten (=dysfunktionales Verhalten, z.B. sehr starke Wutanfälle)  kann vorübergehend etwas Entspannung bringen. Aber nur kurzzeitig. Oft bekommen sie deswegen wieder Stress mit der Umgebung. Und ihre überheftigen Reaktionen kommen wieder. Ein regelrechter Teufelskreislauf…. immer wieder …. immer wieder…. ohne Ende…

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Häufigkeit

Es sollen ungefähr 2% der Bevölkerung von dieser Persönlichkeitsstörung betroffen sein. Die Mehrzahl davon sind Frauen (in der Literatur mit ca. 75% aller Borderliner angegeben)

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2. BPS – Beschreibung der Borderline-Persönlichkeitsstörung

Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung sind Menschen, die – nach den internationalen und amerikanischen Diagnoserichtlinien ICD 10 und DSM IV – an einer Persönlichkeitsstörung leiden. D.h. bestimmte Wesenszüge sind extrem ausgebildet.

Sie zeigen eine sogenannte stabile Instabilität:

Ein durchgängiges Muster von Instabilität im Bereich

  • der Stimmung,
  • der zwischenmenschlichen Beziehungen und des
  • Selbstbildes.

Vor allem ist die Emotionsregulation gestört. Die Menschen werden häufig von schmerzhaften Gefühlen und starker innerer Anspannung überflutet. Sie stehen dann unter extremer Hochspannung, die lange anhält. Sie versuchen, diese mit impulsiven und selbstschädigenden Verhaltensweisen abzubauen.

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Hier der Text, der auf meiner alten Homepagehttp://www.elke-zagadzki.de –  stand:

Der Begriff „Borderline“

Borderline ist ein englisches Wort und bedeutet Grenzlinie oder Grenzgebiet. Man bezeichnet die Persönlichkeitsstörung deshalb als Borderline-Störung, weil die Betroffenen an Auffälligkeiten leiden, die oft diagnostisch unklare Grenzzustände zwischen Neurosen und Psychosen sind. Diese Beschreibung ist aber nicht korrekt, da Neurosen und Psychosen psychische Erkrankungen sind, die irgenwann im Leben eines Menschen ausbrechen und auch relativ gut zu behandeln sind. Und unter Menschen mit einer Persönlichkeitsstörung versteht man – zumindest in der gängigen Schulpsychiatrie – Menschen mit extrem ausgebildete Wesenszügen. Diese ziehen sich wie ein roter Faden durch das Leben eines Betroffenen. Sie haben also eigentlich keine Krankheit, die irgendwann ausbricht, sondern sie sind schon immer auffällig im Verhalten oder in ihrem Erleben gewesen. Sozusagen als ein Charakter- oder Persönlichkeitszug.

Diese Eigenschaft „gehört“ also zu ihnen, zu ihrer Person. Und wie Sie selbst nicht einfach so eine Persönlichkeitseigenschaft von Ihnen „wegtherapieren“ können – stellen Sie sich das mal praktisch vor: eine Eigenschaft von Ihnen, vielleicht Ihr lebhaftes Temperament, könnten andere einfach so „wegmachen“ – so lassen sich auch Borderline-Menschen schwer in ihren Extremwesenszügen beeinflussen. Das ist aber schlimm für die Betroffenen, da sie ziemlich unter sich leiden, aber auch andere leiden machen.
Es ist also schwierig zu beschreiben, was eigentlich hier „Grenzlinie“ bedeutet. In der Fachliteratur ist dies Gegenstand andauernder Diskussion, ebenso wie die Klärung der Entstehung und der Therapie.

Zur Geschichte

Der Begriff wurde in den 30er und 40er Jahren geprägt. Mit ihm wurde versucht zu beschreiben, dass man annahm, dass zwischen den leichteren psychischen Störungen – den Neurosen – und den sehr schweren psychischen Störungen (mit Störungen des Realitätsbezugs) – den Psychosen – wie auf einer Art Grenzlinie die Borderline-Zustände auftreten würden. Je mehr darüber geforscht wurde – vor allem in den letzten zwei Jahrzehnten – wurde deutlich, dass es sich mehr um ein Borderland, ein Grenzland mit klaren Grenzen handelt – also ein eigenständiges Krankheitsbild und nicht ein Hin- und Herschwanken zwischen den zwei Bereichen der Neurosen und Psychosen.

In welchem Sinne wird der Begriff gebraucht?

Der Begriff Borderline ist verwirrend. Die Diagnose wird auch dadurch erschwert, daß er in drei Weisen in der Literatur gebraucht wird.

  • Als Verlegenheitsdiagnose

Er war lange Zeit eine Verlegenheitsdiagnose, eine Art Abfalleimer für Patienten, die sich weder in eine neurotische, noch eine andere psychiatrische Kategorie einordnen ließen. Und er wurde benutzt für besonders schwierige Patienten, bei denen man zunächst von einer neurotischen Störung ausging, bei denen sich im Laufe der Behandlung aber herausstellte, dass sie viel schwerer krank sind. In diesem Sinne wird der Begriff heute nicht mehr verwendet.

  • In rein beschreibendem Sinne (bei der psychiatrischen Diagnostik)

Der Begriff wird in rein beschreibendem Sinne in der amerikanischen Klassifikation DSM 4 und in der internationalen Klassifikation ICD 10 benutzt. Es ist in beiden Fällen eine Checkliste von Symptomen.

Wenn die Patienten 5 von 8 Symptomen erfüllen, können Sie die Diagnose Borderline stellen. Das ist klinisch gesehen sehr praktisch, geht aber nicht in die Tiefe für das Verständnis der Persönlichkeitsorganisation. Die Begriffsbenutzung in diesem Sinne ist aber sehr üblich in der Psychiatrie.

  • Als Konzept der Borderline-Persönlichkeitsorganisation (bei der tiefenpsychologischen Diagnostik)

Ein drittes Konzept wurde von Otto Kernberg und Michael Stone entwickelt. Es ist kein beschreibendes Konzept, sondern eines, was die psychische Struktur der Menschen beleuchtet. Es eröffnet im analytischen Sinn ein Verständnis für die Persönlichkeitsorganisation.

Dieses Konzept ist von Vorteil, weil es hilft, leichtere von schwereren Persönlichkeitsstörungen zu unterscheiden. Und man kommt durch die Diagnose sofort auf wichtige Aspekte der Behandlung.

 

Da ich mich hier als Vertreter der „normalen“ Schulpsychiatrie fühle und auch in diesem Sinne unterrichtet habe, verwende ich den Borderline-Begriff vor allem im psychiatrischen Diagnostiksinne. Leser, die mehr psychodynamisch orientiert sind, werden also nicht so sehr „auf ihre Kosten kommen“.

 

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1. BPS – Was ist eine Persönlichkeitsstörung

PersönlichkeitSternElkeInfo „Was ist eine Persönlichkeitsstörung?“

Wir alle haben jeder für sich eine bestimmte Persönlichkeit mit

• speziellen Eigenschaften,
• bestimmten Charakter- bzw. Wesenszügen,
• Interessen,
• einem bestimmten Temperament,
• Einstellungen,
• politischen und religiösen bzw.
nichtreligiösen Überzeugungen,
• einer bestimmten Intelligenz,
• einem bestimmten Kommunikationsstil,
• spezieller Kreativität
• und, und, und…..

 

Ich habe dies als die Zacken eines Sternes dargestellt. Das Ausmaß dieser Eigenschaften etc. ist in einer Bandbreite einer bestimmten sozialen Norm vorhanden.

Der lange große rote Zacken bedeutet:
Manche Menschen haben bestimmte Wesenszüge, die extremer ausgeprägt sind als bei einer sogenannten Norm. Sind diese Wesenszüge so extrem und ziehen sie sich wie ein roter Faden durch das Leben der Betroffenen – von der Kindheit bis ins Alter – und machen diese Wesenszüge den Betroffenen und/oder seine Umgebung leiden, dann spricht man in der Schulpsychiatrie davon, dass dieser Mensch eine Persönlichkeitsstörung hat.
Eine alte Bezeichnung ist „Psychopathie“. Karl Leonhard – ein deutscher Psychiater, der 1988 in der DDR starb – erfand den Begriff „Akzentuierte Persönlichkeit“. Diese – für mich sehr wertfreie – Bezeichnung favorisiere ich persönlich, sie ist aber heute obsolet.

Es gibt viele Definitionen von „Persönlichkeitsstörung“, eine komplizierter als die andere. Sie ist eben schwierig zu beschreiben. Vor allem, da immer von einer sogenannten Norm ausgegangen wird. Diese ist aber auch sehr, sehr schwierig in Worte zu fassen und ist immer relativ (bezogen auf eine Mehrheit). Da haben sich schon unendlich viele Philosophen und Psychologen den Kopf zerbrochen…

Aber vielleicht können Sie mit obiger Beschreibung – mit Hilfe eines Sternes mit riesigem Zacken – leben. Unperfekt, aber vielleicht verständlich. Ich fand dieses Bild jedenfalls für mich sehr einleuchtend :).

Wie eine Persönlichkeitsstörung entsteht, ist noch nicht eindeutig geklärt. Es wird ein Zusammenspiel von vielen Faktoren diskutiert. Vor allem der Faktor Veranlagung – also ein genetischer Faktor –  und dazu kommende sehr belastende Einflüsse durch das soziale Umfeld.

 

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BORDERLINE-PERSÖNLICHKEITSSTÖRUNG (BPS)

Ich trage hier alles Wesentliche zum Thema zusammen, was ich in den Unterrichtsstunden bei meinen Schülern verwendet habe. Viele Jahre lang, immer wieder überarbeitet und verändert. Ich habe mittlerweile einen sehr großen Unterrichtsvorlagenfundus. Ich weiß leider nicht immer die Quellen. Manches habe ich einfach gelernt und mit meinen Worten wieder gegeben. Vereinfacht und – so hoffe ich – auch für Laien – verständlich.

Es ist hier also KEINE wissenschaftliche Arbeit zu erwarten. Wo ich Quellen weiß, habe ich sie notiert. Ich habe sie aber meist nur sinngemäß verwendet. Es ist Unterrichtsmaterial auf Fachschulniveau, manchmal auch spielerisch zu verwenden. Es ist aber immer aktuell und im Sinne der Schulpsychiatrie und Schulmedizin. Sollten Sie Fehler oder Unstimmigkeiten hier finden: Bitte informieren Sie mich, damit ich sie verbessern kann. Sie wissen ja: Nobody is perfect!

Wer die Themen wissenschaftlicher und ausführlicher braucht ….. das Internet ist voll davon. Und es gibt soviel medizinische Bücher wie Sterne am Himmel….

Hier noch ein Literaturtipp für Lehrerkollegen, da viele Arbeitsblätter dort vorhanden sind. Die sind ursprünglich für Betroffene gedacht. Sie lassen sich aber auch wunderbar für Schüler verwenden. Und es ist alles sehr verständlich und anschaulich.

Bohus, Wolf (2018): Interaktives SkillsTraining für Borderline-Patienten. Schattauer Verlag

Und eine tolle, informative, solide Webseite:

http://www.borderline-borderliner.de, Stand 13.11.2019, 15.00

 

Dr. Elke Zagadzki, 2019

 

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