W

W

WACHKOMA

= Apallisches Syndrom, Dezerebrationssyndrom, Coma vigile, Enthirnungsstarre)

Funktionsausfall des Neocortex (Pallium, lat. pallium = weiter Mantel) der Großhirnrinde bei noch funktionierendem Stammhirn.

Führt bei dem Patienten zum Fehlen jeglicher Reizbeantwortung bei geöffneten Augen.

Ursachen: Häufige Folge einer zerebralen Einklemmung durch Unfälle, Narkosezwischenfälle, Zustand nach Reanimation.

Das apallische Syndrom kann unverändert über Jahre bestehen.

Es kann aber auch eine „Zwischenstation“ beim Erwachen aus einem tiefen Koma sein.

Am häufigsten sind unvollständige Rückbildungen mit bleibenden neurologischen Störungen.

Prognose: Eine weitere Rückbildung ist umso unwahrscheinlicher, je länger ein Zustandsbild unverändert bestehen bleibt.

WAHN
Der Wahn ist eine inhaltliche Denkstörung. Er ist eine objektiv falsche Überzeugung, die ohne entsprechende Anregung von außen entsteht. Er wird vom Betroffenen mit großer Gewißheit erlebt und trotz „vernünftiger“ Gegengründe unkorrigierbar aufrechterhalten.
Es handelt sich also um eine „Privatwirklichkeit“, die von niemandem geteilt wird. Der Betroffene hat kein Interesse daran, seine Wahnidee zu überprüfen.
Wahnideen kommen meistens nicht von einer Minute zur nächsten, sondern

Wahnstimmung:
Meist entsteht Wahn aus einer Wahnstimmung heraus. Die Patienten merken, dass sich etwas Bedrohliches (selten sind es Glücksgefühle) zusammenbraut. Ihre Umgebung erscheint ihnen merkwürdig, viele belanglose Handlungen geheimnisvoll. Die genaue Bedeutung können sie jedoch nicht entschlüsseln.

Wahnwahrnehmung:
Der Patient misst einer realen Begebenheit eine objektiv falsche Bedeutung zu. Er hält beispielsweise alle blauen Autos für die Autos von Verfolgern.

Wahneinfall:
Der Betroffene hat Einfälle, die objektiv falsch sind. Er „braucht“ aber – im Gegensatz zur Wahnwahrnehmung – keine reale Begebenheit dazu, also keinen äußeren „Anlaß“. Ihm fällt einfach etwas ein. Beispiel: Jemandem fällt ein, der wiederentstandene Apostel Paulus zu sein.

Wahnthemen:

Beziehungs-, Beeinträchtigungs- und Verfolgungswahn.

Beziehungswahn

bezieht alles, was um ihn herum passiert, auf sich. Dies können neben Bemerkungen, Mimik und Gesten von Mitmenschen auch so abwegige Dinge wie Zeitungs-, Radio- oder Fernsehberichte sein. Er ist überzeugt davon, dass alles seinetwegen geschieht und nur für ihn von Bedeutung ist.

Beeinträchtigungswahn

Hier wähnt sich der Patient als Ursache und Mittelpunkt des Geschehens. Hinzu kommt noch das Gefühl, alles arbeite nicht für, sondern gegen ihn. Er vermutet überall Feindseligkeit und böse Absicht, fühlt sich ungerecht behandelt und übergangen. Dies kann bis hin zu Tötungsvorwürfen führen.
Eine Steigerung ist der

Verfolgungswahn

Der Patient fühlt sich in Verkennung harmloser Ereignisse selbst von engsten Vertrauten beobachtet und verfolgt, spricht seine Gedanken allerdings aus Angst oft nicht aus.
Die Wahnthemen von Dementen können sich sehr von den Wahnthemen Schizophrener unterscheiden.

Wahnthemen von Dementen

Handeln häufig von der Vergangenheit des Betroffenen bzw. von kleinen Alltagsdingen aus dem jetzigen Leben (z.B. „Ich weiß genau, meine Zimmernachbarin bestiehlt mich. Sie will mich fertigmachen…“).

Wahnthemen von Schizophrenen

Es geht oft um relativ abenteuerliche Themen – z.B. Verfolgung durch eine Geheimorganisation.

WERTSCHÄTZUNG

Der Klient wird vom Gesprächspartner akzeptiert und angenommen, unabhängig davon, was er äußert oder wie er sich gibt, eben als Person mit Schwächen und Stärken.

Er wird nicht bewertet.

Dabei muss der Klient echtes Interesse an seiner Person spüren können. Dieses leitet der Klient ab aus

dem Tonfall, dem Inhalt der Äußerungen, der Mimik, der Gestik und Körperhaltung und den Umgangsformen.

Die Beziehung ist von emotionaler Wärme und Wohlwollen geprägt.

Die Äußerung und Erlebniswelt des Klienten werden auch dann von seinem Gesprächspartner akzeptiert, wenn sie dessen Erwartungen und Einstellungen widersprechen.

Der Klient muss spüren, dass dies die Beziehung nicht beeinträchtigt.

Siehe > Klientenzentrierte Gesprächsführung – 1. Einführung – Wertschätzung

J

Jbunt

  • Jackson-Anfälle
    Benannt nach dem britischen Neurologen und Augenarzt John Hughlins Jackson (1834-1911).
    Spezielle epileptische Anfälle, und zwar fokale Anfälle (lat. focus = Feuerstätte, Herd). Es sind motorische oder sensible Anfälle. Dabei treten motorische Entäußerungen (z.B. Zuckungen) und Taubheitsgefühl oder Missempfindungen (Parästhesien) ohne Bewusstseinsstörung auf. Sie beginnen je nach betroffenem Gehirnbezirk in einer bestimmten Körperregion und breiten sich dann – bei erhaltenem Bewusstsein – von distal nach proximal (von Außen nach Innen) aus. So können sie z.B. von den Fingern, über die Hand auf den Arm übergreifen. Nicht selten ist anschließend eine vorübergehende Lähmung der betroffenen Extremität zu beobachten. Den Anfällen liegt eine Schädigung der sensiblen und motorischen Rindenfelder zu Grunde.

V

V

  • Validation
    (lat. validus = kräftig, stark, rechtskräftig , gültig sein , Validation = Gültigkeitserklärung, für gültig erklärt)
    Die aus der USA übernommene Methode der Validation kann als grundsätzliche Haltung im Umgang mit Dementen angesehen werden. Hier wird der emotionale Gehalt der Aussage aufgegriffen und „validiert“, also für gültig erklärt, ohne zu analysieren, zu bewerten oder zu korrigieren. Wer die Validation anwendet, muss den Kommunikationsfluß trotz „falscher“ Fakten aufrechterhalten. Die innere Realität verwirrter alter Menschen mit all ihren gefühlsmäßigen Anteilen als ganz persönliche Sicht- und Erlebnisebene zu akzeptieren, ist der Kern der Validation. Besonderes Gewicht erhält hierbei der Bezug auf die Biographie des Verwirrten. Dieser Ansatz kann als Grundhaltung andere Arbeitsformen unterstützen. (Vieten M. et al.)
    Lit.: Feil , Naomi , Validation in Anwendung und Beispielen, Reinhardt 2001

K

Kbunt

  • Kanner, Leo
    Erstbeschreiber des frühkindlichen Autismus in den 1940iger Jahren. Nach ihm wurde dieser Autismus „Kanner-Syndrom“ benannt.

 

  • Kanner-Syndrom
    Siehe „Autismus, frühkindlicher“.

 

  • Katatonie
    Psychisches Krankheitsbild, das vorwiegend durch Störungen der Willkürbewegungen gekennzeichnet ist.
    Zur Katatonie gehören z.B.
    – motorische Erstarrung (Stupor)
    – bizarre Haltungen
    – Automatismen
    – Grimassieren
    – Bewegungsstürme.
    – hochgradige Erregungszustände.
    Dabei nehmen die Patienten alles wahr. Sie können sich aber nicht am Geschehen beteiligen.
    Es kann auch sein, daß totale Bewegungslosigkeit (Stupor) relativ rasch in einen hochgradigen Erregungszustand überwechselt und umgekehrt. Diese Zustände gehen meist mit starker innerer Anspannung einher.
    Vorkommen:
    – hauptsächlich bei Schizophrenie
    – doch auch bei Infektionen ( Typhus, Paratyphus, Tuberkulose u.a., wenn das Gehirn betroffen ist)
    – bei Hirntumoren sowie
    – endogener Depression (hier Stupor)

 

  • Katatonie, perniziöse
    Ist ein sehr seltener, aber lebensbedrohlicher Zustand. Er geht mit akuter Erregung, sehr hohem Fieber, Kreislaufstörungen und Herzjagen sowie völligem Fehlen jeglicher Motorik einher. Perniziöse Katatonie kann nur intensivmedizinisch behandelt werden.
    Vorkommen:
    – innerhalb einer Katatonie bei Schizophrenen

 

  • Kernspintomographie (KST) = Magnetresonanztomographie (MRT oder MR) = Nuclearmagnetresonanztomographie (NMR)
    Leistungsstarkes bildgebendes Verfahren zur schichtweisen Darstellung des Körpers unter Verwendung eines Magnetfeldes anstelle von Röntgenstrahlen.

 

  • kindlicher Autismus
    Siehe „Asperger-Syndrom“.

 

  • Kipphard, Ernst
    Begründer der Psychomotorik-Bewegung, die sich die Förderung von Sinneserfahrungen zum Konzept gemacht hat.
    Ein Leistungstest ( und zwar ein Entwicklungstest) nach Kipphard: KTK = Körperkoordinationstest für Kinder.
    Literatur: Kipphard E., Wie weit ist mein Kind entwickelt.

 

  • Koma
    Schwerste Form der quantitativen Bewusstseinsstörung mit tiefer Bewusstlosigkeit. Der Patient kann auch bei Anwendung starker Schmerzreize nicht erweckt werden. Er reagiert allenfalls mit unkoordinierten Abwehrbewegungen.
    Das Koma, gleich welcher Ursache, ist immer ein ernster, oft lebensbedrohlicher Zustand. Entscheidend für den klinischen Verlauf eines mit Koma einhergehenden Krankheitsprozesses ist die Beurteilung der Komatiefe und die Einschätzung der Entwicklungsrichtung des Koma (üblich ist die Einschätzung durch die sog. Glasgow Coma Scale).
    Ursachen:
    – organische Hirnerkrankungen (z.B. Schädel-Hirn-Traumen, Schlaganfälle…)
    – schwere Stoffwechselstörungen (Coma basedowicum, diabeticum, hepaticum, hypoglycaemicum, uraemicum)
    – präfinales Stadium (Stadium vor dem Tod) schwerer Allgemeinerkrankungen.

M

 

 

  • Mbunt
  • MRT = Magnetresonanz-Tomographie = Kernspintomographie
    Hier werden Schnittbilder erzeugt. Das Prinzip ist das gleiche wie bei der Computertomographie (siehe unter C im Lexikon).
    Es werden aber keine Röntgenstrahlen verwendet. Sondern es wird ausgewertet, wie sich das Gehirn in einem starken Magnetfeld verhält.
    Ein Magnetfeld richtet die Wasserstoffkerne des Gewebes in eine Richtung aus. Ein kurzer Hochfrequenzimpuls „rüttelt“ an dieser Ausrichtung. Beim Zurückschwingen der Wasserstoffkerne in ihre ursprüngliche Position werden elektromagnetische Wellen ausgesandt, die von speziellen Sensoren (Detektor) registriert werden. Es ergibt sich ein Muster, das von einem Computer in ein sichtbares Bild verwandelt wird, vergleichbar den Schnittbildern im CT.
    Vorteil: kontrastreichere Darstellung und keine schädlichen Röntgenstrahlen.
    Nachteil: sehr teure Geräte, langes Stillliegen in enger, langer Röhre (bis 30 Minuten), klaustrophobische Reaktionen.

 

  • Mutismus
    Stummheit (bzw. Nicht-Sprechen) bei intaktem Sprachvermögen u. intakten Sprechorganen. Vork.: z. B. bei depressivem Syndrom, Autismus, akuter Schreckstarre, Negativismus od. Stupor (z. B. bei Schizophrenie).

 

  • Multisystematrophie (MSA)
    Sporadisch auftretende Erkrankung des Erwachsenenalters mit variabler Kombination von Symptomen eines
    – Parkinson-Syndroms, einer
    – Kleinhirnerkrankung, einer
    – Störung des vegetativen Nervensystems und der
    – Pyramidenbahnen.

 

  • Muskelerkrankungen
    Äußern sich meist in einer langsam fortschreitenden schlaffen Lähmung in bestimmten Muskelregionen, die aber im Gegensatz zu peripheren Nervenschädigungen proximal (in Körpermittenähe) betont ist und sich keinem Nervenversorgungsgebiet zuordnen lässt.
    Muskelerkrankungen sind die Myasthenia gravis (siehe da), die progressive Muskeldystrophie, die Polymyositis und die Myotonie.

 

  • Myasthenia gravis
    (gr. mys = Muskel, Maus, gr. asthenaia = kraftlos, schwach, lat. gravis = schwer)
    Belastungsabhängige Muskelschwäche infolge einer Störung der neuromuskulären Übertragung an der motorischen Endplatte. Häufigkeit ca. 5 – 10/100 000 Einwohner. Frauen sind häufiger als Männer betroffen. Manifestation zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr.
    Es handelt sich um eine Autoimmunerkrankung mit Antikörperbildung gegen Azetylcholinrezeptoren an der postsynaptischen Membran der motorischen Endplatte. Vereinfacht ausgedrückt: die Körperabwehr richtet sich gegen die eigenen motorischen Endplatten, den Spezialsynapsen, die für die Erregungsweiterleitung vom Nerv auf den Muskel verantwortlich sind. Dadurch wird die Anzahl der freien Rezeptoren vermindert, an die das Azetylcholin zur Erregungsübertragung vom Nerv auf den Muskel binden kann.

L

Lbunt

  • Langzeitgedächtnis (=Altgedächtnis)
    Das Langzeitgedächtnis ist der Verwahrort der gesamten Information, die wir im Laufe der Jahre gespeichert haben – Information, die zuerst das Kurzzeitgedächntnis durchlaufen hat. Wenn Kurzzeitinformation in unser Langzeitgedächntnis übergeht, so sagt man, sie ist entkodiert worden. Sich an derartige Information zu erinnern, heißt abrufen. Diesen Abruf stellt man sich so vor, dass man auf das Langzeitgedächtnis zugreift und die Information herausholt.
    Die Information im Langzeitgedächntnis läßt sich als prozedural oder deklarativ klassifizieren.
    Prozedurale Erinnerungen (lat. procedere = vorrücken, fortschreiten, vor sich gehen) sind gelernte körperliche oder kognitive Fertigkeiten, die wir ausüben, ohne darüber nachzudenken, etwa mit einer Schere schneiden oder wissen, wie man eine Mathematikaufgabe löst.
    Das deklarative Gedächtnis (lat. declarator = Verkünder, Ausrufer) enthält Information, auf die das Bewußtsein unmittelbar zugreifen kann, etwa Namen, Daten und andere gelernte Tatsachen. Das deklarative Gedächtnis ist bei den meisten organischen Störungen weitaus stärker beeinträchtigt als das prozedurale.
    Störungen des Langzeitgedächtnis: Der Betroffene kann sich an Ereignisse, die Monate bis Jahre zurückliegen, nicht mehr erinnern.

U

 

U

  • Über-Ich
    Ist eine der drei Instanzen (Es, Über-Ich, Ich) in dem Instanzenmodell nach Freud. Nach Freud prägen den Menschen diese Instanzen und sind Bestandteil der Persönlichkeit eines Menschen. Das Über-Ich enthält die gesellschaftlichen und elterlichen Werte und Normen und bildet das menschliche Gewissen.

N

Nbunt

  • Neglect
    (lat. neglectio = Vernachlässigung)
    Besonders bei rechtshemisphärischen (die rechte Hirnhälfte betreffenden) Verletzungen tritt oft eine erhebliche Wahrnehmungsstörung auf der Gegenseite auf, d.h. der Patient nimmt die linke Körper- und Raumhälfte nicht oder nur eingeschränkt wahr. Ebenso ist ihm auch eine ggf. vorhandene Lähmung oder Gefühlsstörung nicht bewusst. Bittet man den Patienten z.B. den rechten Arm zu heben, so macht er dies prompt. Soll er den linken Arm heben, hebt er ebenfalls den rechten, ist jedoch überzeugt, den linken Arm gehoben zu haben. Der Neglect kann soweit gehen, dass der Patient angsterfüllt das Pflegepersonal bittet, „den toten Arm dort“ aus seinem Bett zu nehmen. Dabei starrt er auf seinen linken Arm, den er als nicht zu seinem Körper gehörig erlebt.
    Vorkommen in ca. 40% bei Rechtshirnschädigung und ca. 5% bei Linkshirnschädigung, weist auf eine Parietallappenläsion ( Scheitellappenverletzung) hin.
    Bei einem Neglect stimulieren die Pflegenden so früh wie möglich die vom Patienten nicht oder nur wenig wahrgenommene Körperseite, indem sie ihn z.B. immer von dieser Seite ansprechen.

 

  • Neologismen
    Wortneuschöpfungen. Gehören zu den formalen Denkstörungen.
    Manchmal werden durch Verknüpfung von Begriffen ganz neue Wörter gebildet.
    Ein Patient ist z.B. mit seinen Turnschuhen gelaufen und erzählt später, er habe „gelaufsohlt“.

D

 

D

  • Dämmerzustände
    Dämmerzustände sind Bewusstseinseinengungen, die oft plötzlich eintreten und ebenso abrupt aufhören. Charakteristisch ist eine starke Einengung auf ein bestimmtes inneres Erlebniselement oder einen entsprechenden Erlebnisbereich und eine nachfolgende Erinnerungslosigkeit (Amnesie). Das Verhalten kann formal geordnet sein (geordneter Dämmerzustand) oder schwerwiegend gestört bis hin zu raptusartigem Verhalten gegenüber der Umwelt und dem eigenen Körper mit Fremd- und Selbstbeschädigungen.

 

  • Delirium tremens
    Wird oft in Psychiatriebüchern als exogene Psychose abgehandelt, weniger unter qualitativen Bewusstseinsstörungen aufgeführt. In diesem Zusammenhang wird dann dieser Zustand als Verwirrtheit und Bewusstseinseintrübung bezeichnet. Es ist ein Zustand mit mangelnder Klarheit des Erlebens und gesteigerter psychomotorischer Aktivität, teilweise oder vollständige Desorientierung und unzusammenhängendem Denken (Verwirrtheit), illusionären Verkennungen und Halluzinationen. Oft sind optische Halluzinationen suggerierbar (dem Patienten „einzureden“). Häufig vegetative Begleiterscheinungen (Schwitzen, Tachycardie, Zittern, Temperaturerhöhung, Austrocknung…). Delirien entstehen nicht plötzlich – wie beim Dämmerzustand – ,sondern haben ein leichtes Anfangsstadium, was allmählich immer schlimmer wird. Auch hier besteht hinterher eine Amnesie, wobei oft „Erinnnerungsinseln“ übrig bleiben.
    Vorkommen:
    – Alkoholentzug bei Alkoholismus
    – Medikamentenentzug bei körperlich abhängig machenden Medikamenten
    – Komplikationen bei verschiedensten Medikamenten wie Atropin, Antiparkinsonmitteln, Antidepressiva…
    – Fliegenpilzvergiftung
    – Stoffwechselentgleisungen
    – als akute organische Psychose bei alten Menschen mit cerebralen Durchblutungsstörungen, Flüssigkeitsmangel und Fieber.

 

  • Demenz
    Demenz entsteht durch Abbau von Gehirnsubstanz aus unterschiedlichen Ursachen. Dadurch gehen alle erlernten geistigen und praktischen Fähigkeiten und ein bestimmtes Persönlichkeitsniveau verloren. Es ist häufig ein chronisch fortschreitender, irreversibler Prozeß.
    Demenzformen sind u.a. Alzheimer-Demenz, Picksche Krankheit, Multiinfarkt-Demenz, Alkohol-Demenz.

 

  • Denken, formales
    Damit ist der Denkablauf, der Gedankengang gemeint. Also z.B. die Denkgeschwindigkeit – angemessen, zu langsam oder zu schnell. Oder denke ich unzusammenhängend oder in ersichtlicher Reihenfolge…

 

  • Denkstörungen, formale
    Sind Störungen des Gedankenganges.

    • Denkzerfahrenheit
      Völlig zusammenhangloses und zerrissenes (inkohärentes) Denken und Sprechen. Im Extremfall „Wortsalat“.
    • Gedankenabreißen (oder Gedankensperre)
      Plötzliches Abbrechen eines bis dahin flüssigen Gedankenganges ohne erkennbaren Grund.
      Oft wird das Gedankenabreißen als Folge eines Gedankenentzugs beschrieben: Der Patient sagt, der Gedanke sei plötzlich weg, jemand habe ihn weggenommen. Die formale Denkstörung wird also vom Patienten als Störung des Ich-Erlebens wahrgenommen.
    • Begriffszerfall
      Die Bedeutung der verschiedenen Wörter werden nicht mehr scharf gegeneinander abgegrenzt. Begriffe der allgemeinen Sprache haben nicht mehr ihre ursprüngliche – für alle verständliche – Bedeutung. Kann einen einzelnen Begriff betreffen oder auch so viele, daß eine Verständigung selbst über Alltagsdinge nicht mehr möglich ist.
    • Neologismen
      Manchmal bilden die Patienten durch Verknüpfung von Begriffen ganz neue Wörter.
      Ein Patient ist z.B. mit seinen Turnschuhen gelaufen und erzählt später, er habe „gelaufsohlt“.

 

  • Differentialdiagnose
    Jede, bei der Diagnosestellung zu berücksichtigende Diagnose, die aufgrund der erfassten Untersuchungsergebnisse in Frage kommt (Zetkin et al.).Es werden also alle Krankheiten berücksichtigt, die ähnliche Symptome wie die vermutete Krankheit haben. Im Laufe der Diagnotik werden diese Krankheiten ausgeschlossen oder es bestätigt sich eine andere Krankheit als die vermutete.Differentialdiagnosen auszuschließen ist wichtig, da die Therapien häufig sehr unterschiedlich sind.

 

  • Differentialdiagnostik
    alle diagnostischen Maßnahmen, Strategien u. Verfahren, die zur ärztl. Untersuchung bei einer Gesundheitsstörung bzw. Beratungsursache angewandt werden; insbes. Befragung (Anamnese), körperliche, ggf. apparative u. Laboruntersuchungen. Es sollen Differentialdiagnosen ausgeschlossen oder bestätigt werden. Das ist wichtig, um die richtige spezielle Therapie anzuwenden.

 

  • Dyskinetische Syndrome
    Als dyskinetische Syndrome werden Syndrome mit einer Störung des normalen Bewegungsablaufs (Kinese = Bewegung) bezeichnet. In der Literatur werden damit häufig Spätdyskinesien nach Gabe von hochpotenten Neuroleptika (Antipsychotika) gemeint. Man sagt dazu auch tardive (= verzögert, spät) Dyskenisien, weil die Bewegungsstörungen erst auftreten nach langjähriger Neuroleptikagabe. Es sind Bewegungsstörungen des Extrapyramidalen Systems, wie Mümmeln, Grimmassieren, Schmatzen, aber auch choreatische (schleudernde Bewegungen der Extremitäten) und athetotische (schraubende Bewegungen in den Gelenken vor allem der Hände, Arme, des Halses, des Oberkörpers mit extremer Überstreckung der Extremitäten) der Bewegungen.

A

A2

  • Abhängigkeit (Sucht)
    Unbeherrschbares Verlangen eines Menschen, sich eine bestimmte Substanz immer wieder zuzuführen oder eine bestimmte Tätigkeit immer wieder auszuführen, obwohl er sich selbst oder anderen dadurch schadet.
    Prinzipiell unterscheidet man Tätigkeits- und Stoffsüchte.
    Als Tätigkeitssüchte bezeichnet man Abhängigkeiten, die nicht an bestimmte Substanzen, sondern an Handlungen gebunden sind. So kennt man z.B. Arbeits-, Kauf-, Fernseh-,Spiel-, Ess- oder Sexsüchte.
    Der Begriff Stoffsucht meint die Abhängigkeit von bestimmten Substanzen, die dem Körper zugeführt werden, den Drogen. Hierunter fallen in erster Linie Sucht erzeugende Medikamente, Rauschmittel und Alkohol. Ihnen gemeinsam ist, dass sie das Bewusstsein oder das Erleben verändern und im weitesten Sinne „angenehme“ Gefühle hervorrufen können. Sie besitzen also ein gewisses Suchtpotential. Stoffe, die o.g. Eigenschaften nicht besitzen (z.B. Neuroleptika), „eignen“ sich nicht als Suchtmittel.
    Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat 1964 die Formen der Abhängigkeit von stofflichen Drogen in zwei Gruppen eingeteilt.
    Psychisch abhängig machend: Amphetamintyp, Cannabistyp, Halluzinogentyp, Kokaintyp.
    Psychisch und körperlich abhängig machend: Alkohol- und Barbiturattyp (inkl. Nikotin), Morphintyp.
    Das weitaus größere Problem ist meist die psychische Abhängigkeit. Der Süchtige kann dem Drang nach der Droge nicht widerstehen, sein Verlangen nach der Droge ist unbeherrschbar (Zwanghafte Komponente). Ihn interessiert nur noch, wie er an „seine“ Droge kommt. Hat er die Droge endlich beschafft, kann er nicht mehr kontrollieren, wie er sie zu sich nimmt. Z.B. teilt er die Nadel mit anderen, obwohl er die Gefahren kennt. Der Süchtige hat auch nicht mehr im Griff, wie viel er konsumiert. Durch diesen Kontrollverlust ist z.B. die Rückfallgefahr bei trockenen Alkoholikern so groß. Nach einem Glas Bier können sie nicht wieder mit Trinken aufhören.
    Körperliche Abhängigkeit zeigt sich in erster Linie durch Entzugserscheinungen bei Wegfall der Droge (z.B. bei Beschaffungsproblemen oder einem Krankenhausaufenthalt nach einem Unfall). Es kommt zu unangenehmen körperlichen Symptomen wie Schwitzen, Zittern, Darmkrämpfen und epileptischen Anfällen. Die körperliche Abhängigkeit zeigt sich auch daran, daß der Körper den Stoff „braucht“ und immer mehr davon verträgt (die Tolleranzschwelle steigt).

 

  • Affekte
    Hier sind in der Psychiatrie sämtliche Gemütsäußerungen gemeint (z.B. Weinen, Lachen), verbunden mit körperlich-vegetativen Begleiterscheinungen (z.B. bestimmte Mimik, Schwitzen …).

 

  • Affektivität (Emotionalität)
    (lat. affectus = Gemütsstimmung, Empfindung, Leidenschaft)
    Ist die Gesamtheit der Gefühlsregungen, Stimmungen und des Selbstwertgefühls eines Menschen (Vieten M. et al.). Bei der Beurteilung der Affektivität sollte man zwischen Stimmungen und Affekten unterscheiden.

 

  • Affektstörungen 
    • Abschwächung aller Gefühle (Gefühlsverarmung)
      Oft schmerzlich empfundene Gefühlsverarmung bis hin zu einem Gefühl der Empfindungslosigkeit. Die Patienten haben das Gefühl, nichts mehr empfinden zu können und innen leer zu sein.
    • Affektinkontinenz
      Eine Steigerung der Affektlabilität. Die Anlässe, die Gemütsäußerungen hervorrufen können, sind hier noch geringfügiger. Der Patient bricht z.B. sofort in Tränen aus, auch wenn ein Thema erwähnt wird, das emotional wenig oder gar nicht belastend ist. Oft ist gar kein Anlaß zu finden. Es entstehen ganz rasch intensive emotionale Reaktionen (überschießendes Lachen oder Weinen), die eine übermäßige Stärke haben und nicht beherrscht werden können. Die emotionalen Äußerungen klingen meist rasch wieder ab.
      Beispiel:
      Ein senil Dementer, den man nach seinem Namen fragt, fängt bitterlich an zu weinen.
      Vorkommen:
      – bei hirnorganischen Schäden (organisches Psychosyndrom, siehe dort!).
      Affektinkontinenz ist zu unterscheiden vom sog. pathologischen Lachen und Weinen(siehe dort), ältere Bezeichnung Zwangslachen und Zwangsweinen.
    • Affektlabilität
      Die Gefühle und Gefühlsäußerungen wechseln rasch, sobald ein bestimmter kleinerer Außenreiz (z.B. bestimmtes Gesprächsthema, strenger Blick, wehmütiger Film…) kommt. Man spricht auch von einer Vergrößerung der affektiven Ablenkbarkeit. Meistens haben die Affekte nur eine kurze Dauer. Sie wechseln dann sofort, wenn ein anderes Thema angeschnitten wird.
      Beispiel:
      Ein Kranker wird im Gespräch sehr angerührt und wehmütig bewegt, wenn man ihn nach seinem Zuhause und nach seinen Angehörigen, vielleicht nach seinem Hund fragt. Andererseits kann ei in der Erinnerung an Schönes rasch wieder aufblühen und in einen gegenteiligen Affekt geraten.
      Vorkommen:
      – bei hirnorganischen Schäden (organisches Psychosyndrom, siehe dort!)
      – habituell bei psycholabilen Menschen (Jemand ist „nahe am Wasser gebaut.“)
      – bei körperlicher und seelischer Erschöpfung (bei sonst unauffälligen Persönlichkeiten), evt. beim prämenstruellen Syndrom
      – bei emotional instabilen Persönlichkeitsstörungen vom impulsiven Typus, bei denen eine besondere Labilität in Richtung Explosivität und Aggressivität besteht
      – bei Kindern
      – bei manisch-depressiven Mischzuständen.
    • Affektsperre
      Unfähigkeit, Gefühle durch Affekte mitzuteilen. Die vorhandenen Gefühle lassen sich nicht an Mimik, Gesichtsausdruck, Gestik ablesen. Die Menschen wirken undurchsichtig.
    • Affektverflachung
      Wird manchmal auch etwas unschön als Abstumpfung, Affektlahmheit, Affektstarre oder Affektverödung bezeichnet.
      Der Betroffene verliert das Mitempfinden, die emotionale Schwingungsfähigkeit (Spannbreite der Gefühle) erringert sich. Es lassen sich Gefühlsäußerungen nur schwer auslösen. Im Extremfall wirken Betroffene nach außen teilnahmelos und gefühlsleer. Hier scheint ein Leidensdruck zu fehlen.
    • Ambivalenz
      Wird meistens in der Literatur zu den Affektstörungen gezählt. Ich habe sie aber unter dem Extrapunkt Ambivalenz gesondert genannt und beschrieben.
    • inadäquate Affekte
      „Unangemessene“ Gefühlsäußerungen. Sie werden auch als paradoxe Affekte bezeichnet. Hier passen die Gefühlsäußerungen eines Menschen nicht mit seinen Gedankeninhalten oder seiner Stimmmung oder einer bestimmten Situation zusammen.
      Man sagt dazu auch Parathymie.
      Z.B. ganz traurige Erlebnisse können munter lächelnd erzählt werden.
      Hier bleibt für den Untersucher aber häufig offen, ob es sich wirklich um eine Inadäquatheit der Gefühle – am Beispiel, der Erzähler empfindet bei der Schilderung des ganz traurigen Erlebnisses gar keine Traurigkeit, im Gegenteil – oder um eine Inadäquatheit der Gefühlsäußerungen (=Paramimie) – am Beispiel, der Erzähler empfindet die Traurigkeit beim Erzählen, nach außen zeigt die Mimik aber das Gegenteil – handelt.

 

  • Ambivalenz
    Es bestehen zugleich miteinander unvereinbare Gefühle oder Vorstellungen oder Absichten oder Wünsche (Uneinheitlichkeit von Fühlen, Denken und Wollen). Die Patienten stecken regelmäßig in einem „Zwiespalt“, was oft als sehr quälend empfunden wird.
    Z.B. Ein Patient will zugleich essen und nicht essen (Wollen). Oder er kann sich – ganz banal – morgens nicht zwischen der roten und der blauen Hose entscheiden. Er ist also ständig hin und her gerissen, was die Alltagsbewältigung ziemlich erschweren – wenn nicht gar unmöglich – machen kann.
    Oder es wird eine Ansicht und gleichzeitig das Gegenteil geäußert (Denken).
    Oder ein Patient empfindet für ein und die selbe Person Hass und Liebe gleichzeitig. Oder er lacht und weint in einer Situation zugleich (Gefühle).
    Vorkommen:
    – Schizophrenie

 

  • Anpassungsstörungen
    Diagnosebegriff aus dem Buch der klinisch-diagnostischen Leitlinien „ICD-10 Kapitel V(F)“ (=Internationale Klassifikation psychischer Störungen, zusammengestellt von der Weltgesundheitsorganisation).
    Die Anpassungsstörungen sind in dem großen Kapitel F4 – Neurotische-, Belastungs- und somatoforme Störungen – „untergebracht“. Und zwar in dem Unterkapitel F43 „Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen“
    Zu diesem Unterkapitel zählen die
    – akute Belastungsreaktion, die
    – posttraumatische Belastungsstörung und
    – Anpassungsstörungen.
    Bei letzteren handelt es sich um Zustände von subjektivem Leiden und emotionaler Beeinträchtigung, die soziale Funktionen und Leistungen behindern und
    während des Anpassungsprozesses nach einer entscheidenden Lebensveränderung oder nach belastenden Lebensereignissen wie auch nach schwerer körperlicher Erkrankung auftreten.
    Die Belastung kann die Unversehrtheit des sozialen Netztes betroffen haben – wie bei einem Trauerfall oder Trennungserlebnnissen – , das weitere Umfeld sozialer Unterstützung oder soziale Werte – wie bei Emigration oder nach Flucht.
    Die Belastung kann dabei nur den Einzelnen oder auch seine Gruppe oder Gemeinde betreffen.
    Die individuelle Disposition oder Vulnerabilität spielt bei dem möglichen Auftreten und bei der Form der Anpassungsstörung eine größere Rolle als bei den anderen Krankheitsbildern dieser Gruppe.
    Es ist aber dennoch davon auszugehen, daß das Krankheitsbild ohne die Belastung nicht entstanden wäre.
    Die Anzeichen sind unterschiedlich. Sie umfassen:
    – depressive Stimmung,
    – Angst,
    – Besorgnis (oder eine Mischung von diesen),
    – ein Gefühl, unmöglich zurecht zukommen, vorauszuplanen oder in der gegenwärtigen Situation fortzufahren, ferner
    – eine gewisse Einschränkung bei der Bewältigung der alltäglichen Routine.
    – Die betroffene Person kann sich so fühlen, als neige sie zu dramatischem Verhalten oder zu Gewaltausbrüchen, wozu es aber selten kommt. Besonders bei Jugendlichen können jedoch Störungen des Sozialverhaltens – wie z.B. aggressives oder dissoziales Verhalten – zu dieser Störung gehören.
    Keines der Symptome ist in diesen Fällen schwer genug oder an sich so markant, daß es eine spezifische Diagnose rechtfertigt.
    Bei Kindern gehören regressive Phenomäne, wie das Wiederauftreten von Bettnässen, Babysprache oder von Daumenlutschen, häufig zu diesem Syndrom.
    Die Störung beginnt im allgemeinen innerhalb eines Monats nach dem belastenden Ereignis oder der Lebensveränderung.
    Die Symptome halten meist nicht länger als 6 Monate an. Dauern die Symptome an, ist die Diagnose zu überdenken.
    Dazugehörige Begriffe:
    – Kulturschock
    – Trauerreaktion
    – Hospitalismus bei Kindern

 

  • Apallisches Syndrom
    Siehe unter Wachkoma im Lexikon.

 

  • Asperger, Hans
    Der Kinderarzt Hans Asperger beschrieb in den 1940iger Jahren als Erster eine bestimmte Form des Autismus, die nach ihm „Asperger-Syndrom“ benannt wurde.

 

  • Asperger-Syndrom
    Er gehört nach der internationalen Klassifikation psychischer Störungen (ICD-10) zu den tiefgreifenden Entwicklungsstörungen. Dies ist eine Gruppe von Störungen, die durch Beeinträchtigungen in der sozialen Interaktion und Kommunikation sowie durch ein eingeschränktes, stereotypes, sich wiederholendes Repertoire von Interessen und Aktivitäten charakterisiert sind.
    Diese Gruppe von Störungen läuft heute auch unter dem Namen „Autismus-Spektrum-Störungen“.
    Beim Asperger-Autismus handelt es sich um eine „abgeschwächte“ Form innerhalb der Autismus-Spektrum-Störungen. Die Intelligenz ist normal bis überdurchschnittlich . Auffällig werden die Kinder ab dem 3. Lebensjahr.

 

  • Autismus
    Man versteht unter Autismus eine „Ich-Versunkenheit“ und Abkapselung von der Realität. Die Patienten leben gewissermaßen in einer „Privatwelt“. Autistische Patienten können sich daher nicht so verhalten, wie es die jeweilige Situation erfordern würde. Beispielsweise befragt ein Patient stundenlang seine Mitpatienten nach ihren Vorfahren und erstellt Stammbäume, ohne das Desinteresse und den Ärger der Mitpatienten überhaupt wahrzunehmen.
    Autismus ist ein Mechanismus, durch den sich der Ich-gestörte Kranke vor Überforderungen schützt.
    Extrem autistische Kranke nehmen keinen Anteil mehr an ihrer Umgebung, sprechen kaum noch (Mutismus ) oder bewegen sich nicht mehr (Stupor ).
    Das Symptom Autismus bei Schizophrenen ist nicht zu verwechseln mit dem ähnlichen Begriff „frühkindlicher Autismus“. Dies ist ein eigenständiges Krankheitsbild, was bei kleinen Kindern auftreten kann. Aber auch hier ist die Kontaktstörung ein wesentliches Symptom.
    Vorkommen:
    – Schizophrenie
    – Neurotische und Belastungsstörungen
    – hirnorganische Störungen
    – frühkindlicher Autismus, Asperger-Syndrom
    – als normale Charaktervariante in schwächerer Ausprägung

 

  • Autismus, atypischer
    Er gehört nach der internationalen Klassifikation psychischer Störungen (ICD-10) zu den tiefgreifenden Entwicklungsstörungen. Dies ist eine Gruppe von Störungen, die durch Beeinträchtigungen in der sozialen Interaktion und Kommunikation sowie durch ein eingeschränktes, stereotypes, sich wiederholendes Repertoire von Interessen und Aktivitäten charakterisiert sind.
    Diese Gruppe von Störungen läuft heute auch unter dem Namen „Autismus-Spektrum-Störungen“. Der atypische Autismus heißt deshalb „atypisch“, weil nicht alle diagnostischen Kriterien, die v.a. für den frühkindlichen Autismus gelten, erfüllt werden.

 

  • Autismus, frühkindlicher
    Auch Kanner-Syndrom. Er gehört nach der internationalen Klassifikation psychischer Störungen (ICD-10) zu den tiefgreifenden Entwicklungsstörungen. Dies ist eine Gruppe von Störungen, die durch Beeinträchtigungen in der sozialen Interaktion und Kommunikation sowie durch ein eingeschränktes, stereotypes, sich wiederholendes Repertoire von Interessen und Aktivitäten charakterisiert sind.
    Diese Gruppe von Störungen läuft heute auch unter dem Namen „Autismus-Spektrum-Störungen“.
    Der frühkindliche Autismus zeigt sich meist vor dem dritten Lebensjahr, meist in der frühen Babyzeit schon. Die Intelligenz ist normal bis unterdurchschnittlich (alle Schweregrade einer geistigen Behinderung sind möglich).
    Autismus-Spektrum-Störungen
    Das ist eine sehr buntgemischte Gruppe von Störungen, deren gemeinsamer Nenner autistische Verhaltensweisen in sehr unterschiedlicher quantitativer Ausprägung sind. Sie gehört nach der internationalen Klassifikation psychischer Störungen (ICD-10) zu den tiefgreifenden Entwicklungsstörungen. Dies ist eine Gruppe von Störungen, die durch Beeinträchtigungen in der sozialen Interaktion und Kommunikation sowie durch ein eingeschränktes, stereotypes, sich wiederholendes Repertoire von Interessen und Aktivitäten charakterisiert sind.
    Dazu zählen u.a. der frühkindliche Autismus und das Asperger-Syndrom.